Serena Williams elektrisiert Berlin: Comeback bei den Tennis Open
„Ich werde nicht ewig spielen“: Mit diesen Worten verabschiedete sich Serena Williams nach ihrem Auftritt bei den Berlin Tennis Open. Die 44-jährige US-Amerikanerin, die 23 Grand-Slam-Titel und vier olympische Goldmedaillen gewann, kehrte vier Jahre nach ihrem Karriereende auf die WTA-Tour zurück. Am Dienstag spielte sie im Steffi-Graf-Stadion an der Seite der Tschechin Karolina Muchova gegen Giuliana Olmos und Erin Routliffe. Die Partie endete mit 4:6, 4:6 aus Sicht der Williams/Muchova, doch die Niederlage trübte die Stimmung keineswegs.
Ein besonderer Moment für Fans und Spielerinnen
Das Comeback von Serena Williams war das beherrschende Thema bei den Berlin Tennis Open. Überall war sie präsent: auf den Tribünen, in den Pressekonferenzen und in den Gesprächen der Fans auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß. So viele Zuschauer hatte das Turnier nach dem Neustart auf Rasen an einem Dienstag noch nicht erlebt. Das Steffi-Graf-Stadion füllte sich deutlich früher als gewohnt, auch wenn längst nicht jeder Platz besetzt war. Viele Besucher waren vor allem wegen Williams gekommen. Eines war offensichtlich: Der Superstar ist noch immer größer als das eigentliche Ereignis.
Andrea Petkovic, Director of Excitement des Turniers, berichtete, dass bereits vor zwei Monaten erste Gerüchte über eine Rückkehr von Williams kursierten. Als sie sich wieder bei der Welt-Anti-Doping-Agentur anmeldete, wurde die Rückkehr konkreter. Schließlich kam die Bitte aus dem Lager der Amerikanerin, eine Wildcard fürs Doppel freizuhalten. „Das ist ein großer Unterschied. Man wird von allen Seiten darauf angesprochen und insgesamt ist die Aufmerksamkeit größer. Das wertet das Turnier auch auf“, sagte Petkovic.
Auch die aktuellen Stars wurden wieder zu Fans. Jessica Pegula, selbst eine Top-Spielerin, meinte lachend: „Ich würde nicht gerne gegen sie spielen. Wenn sie auf der anderen Seite des Netzes stehen würde, wäre ich ein bisschen nervös. Es wäre natürlich eine Ehre. Aber ich würde lieber mit ihr spielen als gegen sie.“ Für Pegula geht es dabei nicht nur um Tennis: „Sie hat gesagt, dass ihre Töchter sie spielen sehen sollen. Das ist etwas wirklich Besonderes für die Familie. Sie macht einfach das, worauf sie Lust hat.“ Tatsächlich waren beide Williams-Töchter im Stadion mit dabei, etwas „zu aktiv“, wie ihre Mutter später streng lächelnd bemerkte.
Gegnerinnen und Kolleginnen schwärmen
Coco Gauff, inzwischen selbst der wohl größte Star im Frauentennis, geriet ins Schwärmen: „Es ist großartig für den Tennissport. Obwohl Williams so lange weg gewesen sei, habe sie ihre Ausstrahlung nie verloren. Sie hat immer noch diese Aura.“ Gauff, die mit Pegula zusammenspielt, stellte lächelnd fest: „Im Doppel ist es vielleicht sogar noch beängstigender. Wenn die Bälle direkt auf dich zufliegen, weiß ich nicht, ob ich am Netz die Reflexe hätte, das abzuwehren. Vielleicht würde ich lieber wegrennen.“
Beide Amerikanerinnen gaben zu: Wenn Serena sie gefragt hätte, hätten sie ihre jeweilige Doppelpartnerin sofort sitzen lassen – und niemand wäre deswegen böse gewesen. In Wimbledon wird sie in gut einer Woche an der Seite ihrer Schwester Venus Williams im Doppelfeld dabei sein. „Meine Tochter Olympia hat gesagt, ich soll mit Venus spielen. Und sie hat immer recht“, erzählte Serena.
Deutschlands Hoffnungsträgerin Eva Lys kann sich der Faszination ebenfalls nicht entziehen. „Serena ist eine Legende“, sagte die Hamburgerin. „Ich war immer traurig, dass ich sie nie live erlebt habe.“ Deshalb sei ihre Rückkehr ein Geschenk. „Sie bringt so viel Aufmerksamkeit auf das Damentennis. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, die Anlage mit ihr zu teilen.“
Fans strömen zu den Berlin Tennis Open
Die Fans spürten die besondere Atmosphäre. Sylvia Fritz kaufte sich extra ein Ticket für Dienstag, nachdem sie von Williams‘ Teilnahme erfahren hatte. „Ob sie jetzt noch etwas gewinnt oder nicht, ist eigentlich egal“, sagte sie. „Sie bringt so viel für den Tennissport, vor allem für den weiblichen.“ Sie könne nachvollziehen, warum Williams noch einmal zurückkehrt: „Wenn man die Möglichkeit hat, noch einmal auf den Platz zu gehen, will man dieses Gefühl vielleicht einfach nochmal erleben.“
Auch Furkan Özbeg, der erst spontan auf der Anlage von Williams‘ Auftritt erfuhr, freute sich: „Jemanden zu sehen, der 23 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, ist schon cool.“ Vielleicht habe sie nach ihrem Karriereende einfach gemerkt, was ihr fehlt. „Das kann ich ihr voll abnehmen. Das ist doch menschlich.“
Besonders langlebig wird ihr Comeback aber wohl nicht bleiben. „Ich werde nicht ewig spielen“, sagte sie nach der Niederlage. Fans und Kolleginnen dürften das tatsächlich schade finden.



