Mordprozess um erstochenen Fabian: War das Campingmesser des Nachbarn die Tatwaffe?
Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian am Landgericht Rostock hat ein Zeuge eine wichtige Aussage gemacht. Olaf K., der Nachbar der Angeklagten Gina H., berichtete, dass sein altes Campingmesser verschwunden war und später wieder auftauchte. Die Klingenlänge des Messers entspricht den Angaben des Gerichtsmediziners zur Tatwaffe.
Sechsstündiges Fragengewitter für den Zeugen
Richter Holger Schütt vernahm Olaf K. am 12. Prozesstag fast sechs Stunden lang zu seiner Beziehung zur Angeklagten. Der gebürtige Sachse lebt seit 2020 in direkter Nachbarschaft zu Gina H. Er half ihr im Alltag, kaufte ihr Kleinigkeiten und hatte sie sogar als Begünstigte seiner Unfallversicherung eingetragen. Gelegentlich habe sie ihm freizügige Bilder geschickt, sagte er vor Gericht. Heute glaubt er, sie habe ihn damit bei Laune halten wollen.
Das verschwundene Campingmesser
Zwölf Tage nach dem Verschwinden des achtjährigen Fabian bemerkte Olaf K., dass sein altes Messer nicht mehr im Tor seines Schuppens steckte. Er hatte es seit Jahren für alltägliche Arbeiten genutzt. Zu diesem Zeitpunkt wusste er bereits, dass Fabian durch mehrere Messerstiche getötet worden war. Er fürchtete, selbst unter Verdacht geraten zu können. Gemeinsam mit Gina H. suchte er nach dem Messer – sie durchkämmten alles, sogar einen Pappkarton, in dem das Messer zuvor nie gelegen hatte. Als Olaf K. später am Nachmittag erneut nachschaute, lag das Messer plötzlich in genau diesem Karton.
Ermittler untersuchen das Messer
Nachdem das Messer wieder aufgetaucht war, übergab Olaf K. es der Polizei. Ein Gerichtsmediziner hatte im Prozess ausgesagt, die Tatwaffe sei höchstwahrscheinlich ein einschneidiges Messer mit einer Klingenlänge von zehn bis 15 Zentimetern gewesen. Das Messer von Olaf K. besitzt eine etwa zehn Zentimeter lange Klinge. Das Messer wurde zweimal untersucht, jedoch fanden die Ermittler keine Blut- oder DNA-Spuren daran.
Abgehörte Telefonate belasten die Angeklagte
Vor Gericht wurden abgehörte Telefonate zwischen Olaf K. und Gina H. abgespielt. Darin drängte die Angeklagte ihn dazu, Alibis für den Tattag abzusprechen – bereits einen Tag nach der Tat, als noch niemand wusste, dass Fabian tot war. Olaf K. schöpfte offenbar keinen Verdacht. Er habe nicht wahrhaben wollen, dass seine Nachbarin etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Immer wieder betonte er vor Gericht: „Ich konnte diese beiden Sachen nie zusammenbringen, dass sie was mit dem, was passiert ist, zu tun hat.“
Gina H. führte Olaf K. zu Fabian
Am Abend des 13. Oktober 2025 brachte Gina H. Olaf K. zu Fabian. Kurz zuvor hatte sie mit ihrem Kumpel Christian D. den Tatort besucht. Olaf K. packte eine Taschenlampe ein, dann fuhren beide mit seinem Auto los. Dabei habe Gina H. ihr Handy ausgeschaltet – für ihn höchst ungewöhnlich, aber er hinterfragte es nicht. Am Fundort leuchtete er dem toten Fabian ins Gesicht. Er habe den Jungen nicht erkannt. Gina H. habe ihn dagegen sofort identifiziert. Auf dem Rückweg fragte sie, ob sie die Polizei rufen solle. Er antwortete: „Was willst du der Polizei erzählen? Du bist mitten in der Nacht an der Suhle am Arsch der Welt? Was willst du denen erzählen?“ Wieder zu Hause habe Gina H. gelacht und erklärt, sie habe in den Tagen zuvor so viel geweint, dass sie nicht mehr weinen könne.
Weitere belastende Telefonate
In weiteren Telefonaten sprach Gina H. immer wieder über mögliche Wildkameras in der Nähe des Fundorts und über ihr Alibi. „Ich bete zu Gott, dass die keine Kameras dort haben“, sagte sie laut den abgespielten Gesprächen. Olaf K. habe versucht, sie zu beruhigen: „Wenn du nicht mit drinsteckst, musst du dir keine Gedanken machen.“ Als Gina H. am 6. November 2025 festgenommen wurde, seien seine Zweifel schließlich zu groß geworden. Er brach den Kontakt zu ihr endgültig ab. Der Prozess wird am 18. Juni fortgesetzt.



