Die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 erstmals seit Jahren wieder gesunken. Wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm hervorgeht, wurden von Januar bis Ende Juni 9.663 Menschen abgeschoben. Im ersten Halbjahr 2025 hatte diese Zahl noch bei mehr als 11.800 gelegen. Die Antwort, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, zeigt zugleich, dass die Zahl der freiwilligen Ausreisen nahezu genauso hoch war.
Zahlen nach Jahren des Anstiegs
Der Rückgang markiert eine Zäsur nach vier Jahren kontinuierlicher Zunahme. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden im Gesamtjahr 2022 knapp 13.000 Menschen abgeschoben. 2023 stieg die Zahl auf rund 16.400, 2024 auf mehr als 20.000 und im vergangenen Jahr 2025 auf rund 22.800. Der Wert des ersten Halbjahres 2026 liegt mit 9.663 allerdings noch über dem Niveau des ersten Halbjahres 2024, als knapp 9.500 Menschen abgeschoben wurden.
Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2024 wurden knapp 9.500 Menschen abgeschoben, im ersten Halbjahr 2025 mehr als 11.800. Die aktuellen Zahlen bewegen sich also zwischen den beiden bisherigen Höchstwerten der ersten Halbjahre. Damit bleibt die Rückführungspraxis in Deutschland auf einem hohen Niveau, auch wenn der Trend vorerst gestoppt scheint.
Dobrindt verteidigt Kurs
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte erst in dieser Woche betont, die Migrationswende werde „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante“ vorangetrieben. In diesem Zusammenhang verwies er auf die jüngsten Abschiebungen nach Afghanistan, die Deutschland trotz der Herrschaft der islamistischen Taliban wieder aufgenommen hat. Diese Praxis stößt auf Kritik, da die Bundesregierung dabei mit den Taliban kooperiert. Menschenrechtsorganisationen und Opposition bemängeln die Zusammenarbeit mit den Islamisten und verweisen auf die prekäre Sicherheitslage vor Ort.
Holm: „Abschiebeoffensiven sind Rohrkrepierer“
Der Anfragesteller Leif-Erik Holm, bei der Landtagswahl im September in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenkandidat der AfD, sieht durch die neuen Zahlen seine Ablehnung der Migrationspolitik bestätigt. „Die ganze Migrationspolitik ist ein Desaster“, kritisierte Holm. „Die immer wieder versprochenen Abschiebeoffensiven sind reine Rohrkrepierer, und die Sicherheitslage verschärft sich immer weiter.“ Der AfD-Politiker fordert Amtsinhaberin Manuela Schwesig (SPD) bei der Wahl heraus.
Freiwillige Ausreisen fast gleich hoch
Die Statistik zeigt auch, dass die freiwillige Ausreise weiterhin eine bedeutende Rolle spielt. 9.276 Menschen verließen Deutschland im ersten Halbjahr 2026 mit Unterstützung durch das Bund-Länder-Programm REAG/GARP. Darüber hinaus seien weitere Ausreisen über Landesprogramme gefördert worden, teilte das Ministerium mit. Zusammengerechnet mit den Abschiebungen ergibt sich eine Gesamtzahl von mindestens 18.939 Menschen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres aus Deutschland ausgereist sind – abgeschoben oder freiwillig. Damit bleibt die freiwillige Rückkehr eine wichtige Säule der Migrationspolitik, während die Zwangsrückführungen rückläufig sind.



