Die Berliner Polizei hat am frühen Sonntagmorgen ein Foto des mutmaßlichen Attentäters vom Christopher Street Day (CSD) veröffentlicht. Der 21-jährige Abdul B. wird verdächtigt, am späten Samstagabend gegen 22.15 Uhr am Brandenburger Tor einen weißen Kleinbus in eine Menschenmenge gesteuert zu haben. Dabei kam eine Frau ums Leben, mindestens 16 Menschen wurden verletzt, darunter drei lebensgefährlich. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem islamistisch motivierten Anschlag aus.
Öffentlichkeitsfahndung nach Abdul B.
„Da die zuständige Staatsanwaltschaft die Voraussetzungen für eine Öffentlichkeitsfahndung bejaht hat, veröffentlichen die Ermittler nun ein Bild des Tatverdächtigen“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Abdul B. sei etwa 1,90 Meter groß, von schlanker Statur, habe schwarze Haare und trage vermutlich einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose. Die Behörden warnen: Der Gesuchte könnte bewaffnet sein. Zeugen werden aufgefordert, ihn nicht anzusprechen, sondern sofort den Notruf 110 zu wählen.
Opfer und Verletzte
Eine Frau erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. Drei weitere Personen schweben in Lebensgefahr. Insgesamt wurden 16 Menschen verletzt, einige davon durch Stichwerkzeuge – die Polizei bestätigte, dass mehrere Opfer Stichverletzungen erlitten. Ob der Täter allein handelte oder ob weitere Personen im Fahrzeug saßen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Reaktionen aus der Politik
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich „zutiefst erschüttert“ und erklärte: „Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an. Fanatismus, Terror und Hass dürfen niemals Raum gewinnen.“ Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) betonte: „Es ist ein Angriff auf uns alle, auf unsere freie und offene Gesellschaft.“ Die Brandenburger Polizei unterstütze die Berliner Kollegen bei der Fahndung.
CSD sagt Veranstaltungen ab
Der Berliner CSD sagte alle für Sonntag geplanten Veranstaltungen ab. Die Stimmung sei von Trauer und Fassungslosigkeit geprägt. „Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land“, schrieb der LSVD – Verband Queere Vielfalt auf Instagram. Für Sonntag um 14 Uhr ist eine Trauerveranstaltung am Pariser Platz geplant.
Ermittlungen und Sicherheitsmaßnahmen
Spezialkräfte der Bundespolizei waren am Sonntagmorgen am Anhalter Bahnhof im Einsatz. Im Stadtteil Tiergarten wurde die mutmaßliche Wohnung des Tatverdächtigen versiegelt – bei einer Durchsuchung in der Nacht war niemand angetroffen worden. Der weiße Sprinter steht noch am Tatort im Tiergarten und wird von der Polizei untersucht.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde nach Regierungsangaben in die Lagebesprechung des Innenministeriums zugeschaltet. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) brach ihren Urlaub ab. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh versprach, die Tat „mit aller Härte zu verfolgen“ und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf forderte „lückenlose Aufklärung“ und rief zu Zusammenhalt auf.
Betroffenheit in der Community
CSD-Moderatorin Ricarda Hofmann schrieb auf Instagram: „Gerade fehlen mir eigentlich die Worte. Was heute passiert ist, hat etwas in mir verändert.“ Die Rapperin Ikkimel, die am Freitag beim CSD aufgetreten war, rief zur Einheit auf: „Liebe ist niemals der Fehler, Angst und Hass niemals eine Antwort.“ Die Queerbeauftragte des Bundes, Sophie Koch (SPD), erklärte: „Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit.“



