Die verbotene Zehn: Christian Streichs ungewöhnliche Mannschaftsphilosophie
Im Fußballgeschäft sind bestimmte Rückennummern identitätsstiftend und mit Legenden verbunden. Während Cristiano Ronaldo (41/al-Nassr FC) weltweit als CR7 bekannt ist, gilt die Nummer 10 als die historisch bedeutsamste Spielmacher-Nummer. Größen wie Pele, Diego Maradona, Lothar Matthäus oder Lionel Messi (38/Inter Miami CF) trugen sie. Doch für Max Kruse blieb diese begehrte Zahl bei einem Verein unerreichbar – aus einem überraschenden Grund.
Kruses lebenslange Suche nach der Traumnummer
„Wenn ich zu einem Verein gewechselt bin, habe ich immer angefragt, ob die Zehn frei ist oder frei wird, weil das die Nummer ist, die ich gerne trage“, erklärt der Ex-Nationalstürmer in seinem Podcast „Flatterball“, den er gemeinsam mit Ex-Profi Martin Harnik (38/TuS Dassendorf) betreibt. Kruse gesteht jedoch: „Das war nicht immer möglich. Aber, wie man an meiner Vergangenheit sieht, fast immer.“
Tatsächlich erhielt er die begehrte 10 bei Fenerbahçe Istanbul, Werder Bremen, Union Berlin und Borussia Mönchengladbach. Nur beim SC Freiburg scheiterte sein Wunsch auf ungewöhnliche Weise. „Dort wurde sie nicht vergeben“, so Kruse. Stattdessen musste er mit der Nummer 20 vorliebnehmen.
Streichs radikaler Ansatz: Keine Stars in der Mannschaft
Der Grund für diese Ablehnung lag bei Christian Streich (60), der den SC Freiburg von Ende 2011 bis Sommer 2024 trainierte. Der ehemalige Cheftrainer hatte die Rückennummer 10 komplett aus dem Sortiment gestrichen. „Ich hatte da natürlich nach der Zehn gefragt. Aber er hat gesagt: Nein, die Zehn wird bei mir nicht vergeben“, erinnert sich Kruse.
Die Begründung des Trainers war ebenso ungewöhnlich wie konsequent: „Christian Streich hat immer gesagt, dass er keinen Star in seiner Mannschaft haben will“, erklärt Kruse und fügt an: „Christian Streich ist halt speziell. Da steckt man nicht drin. Er ist der einzige, der das nicht gemacht hat.“
Weitere Stationen ohne die begehrte Zehn
Nicht nur in Freiburg blieb Kruse die Lieblingsnummer verwehrt. Beim VfL Wolfsburg – sowohl während seiner ersten als auch zweiten Zeit bei den Niedersachsen – war die 10 bereits vergeben. Zunächst trug sie Aaron Hunt (39/Spielerberater), später Lukas Nmecha (27/Leeds United). Kruse musste daher auf die Nummern 11 und 9 ausweichen.
„Das hat alles von vorne bis hinten nicht gepasst: die Nummer nicht und der ganze Stopp Wolfsburg nicht“, resümiert der Stürmer. Vielleicht erklärt dies auch seine heutige Distanz zum Verein: „Ich hätte gerne so viele Vereine wie möglich aus dem Norden in der 1. Liga, von Wolfsburg mal abgesehen. Die sehe ich auch nicht im Norden ...“
Von der Acht zur Zehn: Kruses nummerische Entwicklung
Interessanterweise begann Kruses Karriere nicht mit der Nummer 10. In seiner Jugend trug er die Rückennummer 8 – unter anderem deshalb, weil die begehrte Zehn während der gemeinsamen Zeit mit Martin Harnik von seinem Freund persönlich besetzt war. Erst im Laufe seiner professionellen Laufbahn entwickelte sich die 10 zu seiner bevorzugten Nummer, die er bei den meisten Stationen auch erhielt – mit den bemerkenswerten Ausnahmen Freiburg und Wolfsburg.
Christian Streichs Entscheidung, die legendäre Spielmacher-Nummer komplett zu streichen, bleibt damit eine kuriose Fußnote in der Bundesliga-Geschichte und ein Beispiel für den unkonventionellen Führungsstil des langjährigen Freiburg-Trainers.



