Trainer-Rücktritte nach der WM: Eine Welle der Veränderung
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat nicht nur sportliche Höhen und Tiefen gebracht, sondern auch das Trainerkarussell kräftig in Gang gesetzt. Nach dem Aus ihrer Teams haben mehrere Nationaltrainer ihren Rücktritt erklärt oder wurden entlassen. Die Bandbreite reicht von emotionalen Abschieden bis hin zu offenen Briefen und sogar einer Morddrohung. Ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen.
Portugal: Martinez geht, Ronaldo bleibt zunächst
Nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien bestätigte Roberto Martinez das Ende seiner Amtszeit als portugiesischer Nationaltrainer. Der Fokus lag zuvor auf Cristiano Ronaldo, der seine Zukunft zunächst offenließ. Als Nachfolger wird Jorge Jesus gehandelt, mit dem Ronaldo bei Al-Nassr zuletzt die saudische Meisterschaft gewann.
Niederlande: Koeman tritt nach Sechzehntelfinal-Aus zurück
Ronald Koeman erklärte weniger als 24 Stunden nach der Niederlage gegen Marokko im Sechzehntelfinale seinen Rücktritt. „Wir alle haben von einer Weltmeisterschaft geträumt, bei der wir Geschichte schreiben würden. Das ist nicht gelungen. Niemand ist darüber enttäuschter als ich“, schrieb er auf Instagram.
Südkorea: Morddrohung gegen Hong Myung-bo
Hong Myung-bo, der 2024 auf Jürgen Klinsmann folgte, erhielt nach dem Vorrundenaus sogar eine Morddrohung. Hintergrund sind Berichte über Vetternwirtschaft bei seiner Ernennung. Auch Verbandspräsident Chung Mong-gyu trat am Montag zurück.
Ghana: Queiroz zieht Konsequenzen
Nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Kolumbien trat Carlos Queiroz zurück. Der 73-Jährige hatte das Amt erst im April von Otto Addo übernommen und nahm an seiner fünften WM in Serie als Coach teil.
Ecuador: Beccacece mit Würde verabschiedet
Sebastián Beccacece verabschiedete sich nach dem 0:2 im Sechzehntelfinale gegen Mexiko mit „großer Dankbarkeit“. Trotz monatelanger Kritik in Ecuador gelang ihm ein gelungener Schlusspunkt, immerhin schlug man Deutschland 2:1.
Schottland: Clarke dankt Spielern in offenem Brief
Steve Clarke hatte die Schotten erstmals nach 28 Jahren zur WM geführt, doch nach dem Vorrundenaus war Schluss. In einem offenen Brief dankte er seinen Spielern: „Sie verdienen jedes Lob und jede Anerkennung, und es war mir eine große Ehre, ihr Trainer zu sein.“
Jordanien: Sellami nach historischer WM entlassen
Jamal Sellami führte Jordanien erstmals zu einer WM, doch nach einer punktlosen Vorrunde wurde er entlassen. Verbandspräsident Prinz Ali bin Al Hussein betonte, er bleibe „ein geliebter Sohn“.
Tschechien: Koubek rudert zurück
Miroslav Koubek betonte zunächst, er denke nicht über Rücktritt nach, doch vier Tage später erklärte er seinen Rücktritt. Er machte die heimische Presse verantwortlich: „Zu meiner Entscheidung hat auch die Medienkampagne beigetragen, die auf Halbwahrheiten und Erfindungen beruhte.“
Deutschland: Nagelsmann tritt zurück, Klopp im Gespräch
Julian Nagelsmann erklärte nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay zunächst, er stehe bereit. Doch vier Tage später trat er zurück. Als Nachfolger wird Jürgen Klopp gehandelt, die Verhandlungen laufen noch.
Uruguay: Bielsa hört wie angekündigt auf
Marcelo Bielsa hatte bereits vor dem Turnier seinen Abschied angekündigt. Nach siegloser Vorrunde und einer denkwürdigen 100-Minuten-Pressekonferenz war Schluss. „Wovon ich absolut überzeugt bin, ist, dass es niemanden interessiert, was ich weiß“, sagte er.
Mexiko: Aguirre übergibt an Marquéz
Javier Aguirre bestätigte nach dem dramatischen 2:3 im Achtelfinale gegen England das Ende seiner dritten Amtszeit. Der Trainerposten geht wie geplant an Rafael Marquéz, der bereits zwei Jahre im Betreuerstab arbeitete.
Frankreich: Deschamps hört auf, Zidane bereit
Didier Deschamps wird nach 14 Jahren als französischer Nationaltrainer aufhören, unabhängig vom WM-Ergebnis. Als Nachfolger steht Zinédine Zidane bereit, sein Weltmeister-Kollege von 1998.
Tunesien: Doppelter Trainerwechsel ohne Erfolg
Nach dem 1:5 gegen Schweden wurde Sabri Lamouchi entlassen. Unter Nachfolger Hervé Renard gab es 0:4 gegen Japan und 1:3 gegen die Niederlande – punktlos raus. Renard beendete sein Engagement mit den Worten: „Es war mir eine Ehre, die Farben Tunesiens zu tragen.“



