England hat sich in einem dramatischen und spektakulären WM-Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Mexiko mit 3:2 durchgesetzt. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel (52) spielte dabei 50 Minuten in Unterzahl und schrieb dennoch Geschichte: Es war die erste Niederlage Mexikos im legendären Azteken-Stadion seit dessen Eröffnung im Jahr 1966 (zuvor 7 Siege, 4 Remis).
Bellinghams Doppelpack innerhalb von 98 Sekunden
Jude Bellingham war der Matchwinner für England. Der Ex-BVB-Star erzielte einen Doppelpack in der 36. und 38. Minute. Zunächst nickte er eine Flanke von Bukayo Saka am zweiten Pfosten ein, nachdem Declan Rice den Ball nach vorne getrieben hatte. Nur 98 Sekunden später eroberte Harry Kane den Ball gegen Mexikos Top-Talent Mora und legte für Bellingham quer, der nur noch einschieben musste.
Die mexikanischen Fans sangen nach dem Doppelschlag „Si se puede“ („Ja, wir können“), um ihr Team zu motivieren. Mit Erfolg: Noch vor der Pause verkürzte Julian Quiñones auf 1:2, als Ezri Konsa eine Freistoßflanke genau vor seine Füße klärte und er den Ball unter die Latte knallte (43.).
Rote Karte für Quansah und Elfmeter-Drama
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit vergab Raúl Jiménez gleich zwei Top-Chancen zum Ausgleich (45.+1, 45.+3), und Bellingham rettete in höchster Not, indem er Mexikos César Montes den Ball vom Fuß spitzelte (45.+4). Nach der Pause traf O'Reilly zunächst den Pfosten (49.), dann flog Leverkusens Jarell Quansah nach VAR-Check mit Rot vom Platz, weil er mit offener Sohle das Bein von Gallardo traf (54.). Dies führte zu einer Rudelbildung zwischen den Bänken, und das Foul wurde unüblicherweise auf der Videowand gezeigt.
Harry Kane verwandelte einen Foulelfmeter zum 3:1 (60.), nachdem Rangel an Gordon gefoult hatte. Doch Kane verursachte wenig später selbst einen Elfmeter, als er bei einem Klärungsversuch Gutierrez am Fuß traf. Jiménez verwandelte zum 2:3 (69.). Mexiko drückte in Überzahl auf den Ausgleich, aber England konzentrierte sich auf die Defensive und zitterte den Vorsprung ins Ziel.
Chaotische Rahmenbedingungen vor dem Spiel
Schon vor dem Spiel gab es Wirbel: Tuchel sah in der Höhenlage des Aztekenstadions auf 2.240 Metern einen Nachteil für sein Team. Wegen eines Gewitters konnte Schiedsrichter Alireza Faghani das Spiel bei 18 Grad und strömendem Regen erst mit einer Stunde Verspätung anpfeifen. In der Nacht zuvor hatten mexikanische Fans vor dem Team-Hotel der Three Lions mit Trommeln, Feuerwerkskörpern und Musik Lärm gemacht, um die Spieler um den Schlaf zu bringen. Die 80.824 Zuschauer im Aztekenstadion sorgten für einen Hexenkessel: Unmittelbar vor dem Anpfiff wurden 149 Dezibel gemessen – vergleichbar mit einem startenden Düsenjet.
Viertelfinale gegen Norwegen
England trifft im Viertelfinale am kommenden Samstag (23 Uhr) in Miami auf Norwegen. Für Mexiko setzt sich der Achtelfinal-Fluch fort: Sie haben nun zum achten Mal in Serie ein WM-Achtelfinale verloren.



