Der Skandal um die aufgehobene Sperre des amerikanischen Stürmers Folarin Balogun versetzt die Europäische Fußball-Union (UEFA) in helle Aufregung. In einem scharf formulierten Statement übt der Verband deutliche Kritik an der Entscheidung des Weltverbandes FIFA, die automatische Sperre für ein Spiel nach einer Roten Karte gegen Balogun auszusetzen. „Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten“, heißt es in der Stellungnahme der UEFA. „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“
UEFA betont: Kein Ermessensspielraum bei Roter Karte
Der Fußball-Weltverband FIFA hatte die Rotsperre des US-Torjägers Balogun aufgehoben. Der 25-Jährige hatte im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. Die UEFA stellt in ihrer Reaktion klar, dass die Regeln in diesem Fall keinen Interpretationsspielraum zulassen. „Der Fußball stützt sich, wie jede andere Sportart auch, auf Regeln, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal lassen Regeln Raum für Interpretationen. In diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessensentscheidung und erfordert keine Entscheidung einer zuständigen Instanz, um in Kraft zu treten“, hebt die UEFA hervor. „Es handelt sich um einen in den Vorschriften verankerten Grundsatz, der keinen Ausnahmen unterliegen darf.“ Andere Spieler in ähnlichen Situationen hätten ihre Sperre verbüßt.
„Integrität des Spiels steht auf dem Spiel“
Die UEFA warnt eindringlich vor den Konsequenzen dieser Entscheidung für den gesamten Fußball. „Wenn die Rechtssicherheit der Regeln nicht mehr von ihren Hütern gewährleistet wird, steht die Integrität des Spiels auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs wird untergraben“, mahnt der europäische Dachverband. Zudem würden durch die Aufhebung der Sperre gefährliche Präzedenzfälle geschaffen. Gerade Turniere wie die Weltmeisterschaft hätten die Macht, „positive oder negative Auswirkungen auf den Sport als Ganzes zu haben“. Die USA treffen in der Nacht zum Dienstag (2.00 Uhr, ARD und MagentaTV) im WM-Achtelfinale auf Belgien. Ob Balogun dabei zum Einsatz kommt, ist noch offen.



