Mindestens 47 Ultra-Gruppierungen aus ganz Deutschland haben den DFB-Bossen ein knallhartes Ultimatum gestellt. Zum Saisonauftakt der Regionalligen eskalierte der monatelange Streit um die Reform des deutschen Ligen-Systems. Die Fans des FC Bayern München sorgten mit einer XXL-Choreo für Aufsehen, während in der Regionalliga Nordost alle 18 Klubs streikten. Die Botschaft der Ultras ist eindeutig: „Das ist eure letzte Saison!“
Hintergrund des Protests: Das gescheiterte Kompassmodell
Seit Jahren gibt es fünf Regionalligen – Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern – aber nur vier direkte Aufsteiger in die 3. Liga. Um dies zu ändern, wurde das sogenannte Kompassmodell entwickelt: eine Reduzierung auf vier Regionalligen, die jeweils einen Aufsteiger stellen. Trotz einer deutschlandweiten Mehrheit unter den Vereinen wurde das Modell nicht umgesetzt, weil nicht jeder einzelne Regionalverband zustimmte. Die Fans sehen die Schuldigen vor allem in den Regionalverbandsbossen, die gleichzeitig Vizepräsidenten des DFB sind.
Ultimatum der Ultras: „Köpfe müssen rollen“
In einem gemeinsamen Schreiben, das von mindestens 47 Ultra-Gruppierungen unterzeichnet wurde – darunter Anhänger des FC Bayern München, des Hamburger SV und von Union Berlin – heißt es: „Viel zu lange litten die Regionalligisten unter dem Opportunismus der Verbandsfunktionäre, ließen sich gegeneinander ausspielen und letztlich betrügen. Der Reformwille ist geheuchelt, der letzte Funke Vertrauen meilenweit ins Abseits gestellt. Der deutsche Fußball braucht strukturelle und personelle Veränderungen.“
Die Fans zielen dabei explizit auf die Regionalverbandschefs Peter Frymuth (Westen), Ralph-Uwe Schaffert (Norden) und Dr. Christoph Kern (Bayern). Die nachträgliche Änderung der fertigen Kompromisslösung – acht Startplätze wurden gestrichen – bezeichnen sie als „Skandal“ und „bodenlosen Schachzug der Regionalfürsten“. In der härtesten Passage des Schreibens heißt es: „Liebe Fans, wir haben spätestens jetzt einen Punkt erreicht, an welchem Köpfe rollen müssen. Die Regionalverbände haben ihre Maske abgelegt und der korrupte DFB scheint dem Gebären seiner Vizepräsidenten nichts Ehrliches entgegenzusetzen.“
Bayern-Fans zeigen Wende-Choreo
Beim Auftakt der zweiten Mannschaft des FC Bayern München in der Regionalliga Bayern präsentierten die Fans eine aufwendige Choreografie. Zu sehen war DFB-Präsident Bernd Neuendorf dicht an dicht mit dem bayerischen Verbandsboss Dr. Christoph Kern, der das Kompassmodell mit einem Magneten umpolt. Darunter stand in wechselnder Schrift: „Sie haben uns lang genug genarrt – jetzt gibt's Feuer der Gegenwart!“ Die Bayern-Fans unterstrichen damit ihre Forderung nach einer sofortigen Umsetzung der Reform.
Bundesweite Proteste und Streiks
In der Regionalliga Nordost kam es zu einem koordinierten Streik aller 18 Klubs. In den ersten zwei bis drei Minuten rollte in keinem der neun Stadien der Ball. Die Stadionsprecher wiesen auf den Anzeigetafeln auf die Problematik hin und hielten Ansprachen. Im Anschluss gab es donnernden Applaus von den Rängen. Besonders ins Visier geriet der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV), der den Antrag zur Einführung des Kompassmodells hätte stellen können, dies aber bisher nicht tat. In Aue erklang laute „Scheiß NOFV“-Sprechchöre.
In mehreren Kurven tauchten Spruchbänder gegen die Regionalverbandsbosse auf. In Erfurt, bei Fans von Lok Leipzig, Jena und Zwickau hieß es: „Das wird eure letzte Saison! Vereine und Fans wehren sich.“ Hallesche Ultras legten nach: „Eure Uhr tickt!“ Die Fans von Lok Leipzig warfen beim Auswärtsspiel in Luckenwalde kleine Siegerpokale auf das Feld – als Symbol für wertlose Trophäen, solange der Aufstieg verwehrt bleibt.
Machtkampf im DFB: Regionalbosse gegen Spitze
Hintergrund des Protests ist ein interner Machtkampf im DFB. Die Regionalbosse, die gleichzeitig DFB-Vizepräsidenten sind, wollen ihre fünf Regionalligen erhalten und stattdessen die 3. Liga auf 22 Teams mit fünf Aufsteigern aufstocken. Die DFB-Spitze um Bernd Neuendorf und DFL-Chef Hans-Joachim Watzke favorisiert dagegen das viergleisige Kompassmodell, konnte sich aber bisher nicht durchsetzen. Die Fans werfen den Regionalfürsten vor, aus Angst vor Machtverlust jede Reform zu blockieren.
Die Ultra-Gruppierungen kündigen an, ihre Proteste in den kommenden Wochen bundesweit fortzusetzen. Sie werben um das Verständnis aller Fußball-Fans und stellen klar: Solange die Reform nicht umgesetzt wird, werden die Stadien zum Schauplatz des Widerstands.



