Der Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat auch in Hessen tiefe Bestürzung ausgelöst. Gleichzeitig wächst der Zusammenhalt: In Darmstadt versammelten sich am Sonntagabend 350 Menschen zu einer spontanen Mahnwache. „Das hat schon mal sehr dabei geholfen zu kontextualisieren, zusammen zu sein, auch ein bisschen zu verarbeiten und zu zeigen, dass wir uns jetzt erst recht nicht verstecken werden“, sagte Jan Bambach vom Organisationsteam des Darmstädter CSD.
Reaktionen auf den Anschlag in Berlin
Am Samstagabend war der CSD in Berlin abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in Passanten gefahren war. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen verletzt. Der mutmaßliche Täter Abdul B. wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz getötet. Viele aus dem Darmstädter CSD-Team befanden sich in Berlin. „Das war eine absolut unschöne Nacht“, erinnerte sich Bambach. „Wir haben uns große Sorgen um sie gemacht.“ Als die Entwarnung kam, organisierte das Team die Mahnwache.
In Frankfurt hatte der CSD bereits früher im Sommer stattgefunden. In mehreren hessischen Städten stehen die Demonstrationen jedoch noch an: in Schlüchtern am kommenden Samstag, in Darmstadt am 15. August sowie später in Bad Hersfeld und Friedberg (Wetterau) am 22. August.
Sicherheitskonzepte und neue Herausforderungen
Der Darmstädter CSD am 15. August steht unter dem Motto „Zeig dich für uns alle“. „Das Motto hat jetzt noch einmal eine neue Bedeutung bekommen“, so Bambach. An den politischen Forderungen werde sich dadurch nichts ändern. „In der Community gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Meine ist die, dass ein CSD kein Safe Space ist. Wir sind in der Öffentlichkeit, und es können sehr viele unberechenbare Dinge passieren.“ Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Anschlags sei aber sehr niedrig.
Das Sicherheitskonzept für den CSD in Darmstadt war bereits vor langer Zeit erarbeitet worden. „Wir hatten ein Konzept, das uns sicher genug schien“, sagte Bambach. Am Sonntag erhielt das Team jedoch vom Ordnungsdezernenten die Nachricht, dass man sich erneut zusammensetzen werde. „Unser Ziel ist es, maximale Sicherheit zu haben.“ Derzeit seien etwas mehr als 30 Ordner und Ordnerinnen im Einsatz.
„Wir lassen uns nicht einschüchtern“
In der Wetterau bereitet Sonja Romeis den CSD in Friedberg vor. „Wir sind natürlich schwer erschüttert“, sagte sie. „Unsere ganzen Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen.“ Bereits im vergangenen Jahr seien die Teilnehmer von „rechtsextremen Gegendemonstranten bedroht“ worden. „Deswegen ist uns auch schon vorher bewusst gewesen, dass CSDs immer noch sehr stark bedroht werden.“
Berlin reihe sich in eine lange Reihe queerfeindlicher Straftaten ein, „die jetzt einen Höhepunkt bekommen haben“. Romeis zeigte sich wütend: „Wir sind sehr wütend darüber, dass das so ist – und auch, dass die Politik nichts dagegen macht.“ Dennoch werde der CSD in Friedberg nach aktuellem Stand stattfinden. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir sind weiterhin laut.“ Bambach ergänzte: „Viele von uns haben diese ‚Jetzt erst recht‘-Mentalität. Und da gehe ich gerne mit.“



