Undav-Luxus für Nagelsmann: Startelf oder WM-Joker?
Undav-Luxus: Startelf oder WM-Joker?

Nach seinem nächsten großen Joker-Auftritt musste Deniz Undav im sommerlich heißen Winston-Salem wieder beim Reservisten-Training ran. Die Startelf-Spieler beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste durften dagegen gemütlich bei Musik im Fitnessraum regenerieren. Wann kommt Deutschlands neuer Fußball-Liebling bei der WM auch in diesen Genuss? Fans, Experten und Medien treibt die Frage um, wann Julian Nagelsmann den Stuttgarter Torjäger erstmals von Anfang an aufbietet. Ist der Zeitpunkt am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD und MagentaTV) im Finalstadion von East Rutherford zum Abschluss der Gruppenphase gegen Ecuador gekommen?

Darum muss Undav in die Startelf

In einer Fußball-Mannschaft muss Leistung das oberste Kriterium sein, gerade bei der Besetzung der ersten Elf. Leistung muss sich lohnen und honoriert werden, vor einem Turnier vergebene Rollenprofile müssen angepasst werden. Fußball ist ein Tagesgeschäft, Form und Momentum sind zentrale Bausteine. Beides kann Undav vorweisen: Zwei Spiele, drei Tore, zwei Vorlagen – braucht es weitere Argumente? An Undav führt in der Offensive kein Weg mehr vorbei. Der 29-Jährige ist neben dem Dortmunder Felix Nmecha im Mittelfeld der bislang stärkste deutsche WM-Akteur. „Wenn man so eine Waffe hat, muss man sie auch das eine oder andere Mal nutzen“, sagte Angriffskollege Kai Havertz.

Undav würde sich natürlich aufstellen – und erst recht die Fans, die ihren „Deutschland-Deniz“ in Toronto mit Sprechchören forderten, als das 0:1 nach der Pause Bestand hatte. Undav kam und wendete das Spiel. Was sagt der Lautsprecher des Teams selbst zum Starter-Debüt bei der WM? „Das liegt am Bundestrainer. Er trifft die Entscheidung. Ich versuche einfach, meinen Job zu machen“, sagte er erstaunlich leise. Er kann es auch, wenn er beginnen darf: Beim 4:0 gegen Finnland direkt vor der Abreise in die USA traf er in der 34. und 57. Minute – und nicht erst, als der Gegner müde gespielt war.

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Der Undav-Luxus: Startelf oder Joker?

Den Stürmer mit der besten Quote (neun Tore in elf Länderspielen) draußen zu lassen, ist ein Luxus, den sich der viermalige Weltmeister spätestens in den K.o.-Runden nicht mehr leisten kann. Undav strotzt vor Selbstvertrauen. Ist es nicht sinnvoller, durch Undav-Tore zu führen, statt mit Joker Undav einem Rückstand hinterherzulaufen? Ein weiteres Argument: Wenn Undav beginnt, könnte immer noch ein anderer als Joker zünden – womöglich Nick Woltemade, der beste deutsche Torschütze in der WM-Qualifikation. Nagelsmann sprach die Pro-Argumente für Matchwinner Undav in Toronto selbst an: „Man kann sagen, ja klar, super Leistung, lass ihn mal von Beginn an spielen.“ Er kündigte an, das auch intern zu diskutieren, „auch mit Deniz“.

Darum sollte Undav der Edel-Joker bleiben

Warum ändern, was zweimal hervorragend funktioniert hat? Kai Havertz, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Leroy Sané spielen die Verteidiger erstmal müde. Dann kommt der frische Super-Joker Undav, findet Räume und knipst. Jürgen Klopp arbeitet bei der WM als TV-Experte und kann sich als langjähriger Erfolgstrainer in Nagelsmanns Gedanken hineinversetzen. Es sei „legitim“, über eine Startelf-Rolle für Undav zu diskutieren. Nagelsmann aber sei dafür verantwortlich, „dass wir die Startelf pushen können in dem Moment, wo man müde wird“. Da müsse man nachlegen können, das habe funktioniert. Daraus folgert Klopp: „Mir würde kein Grund einfallen, warum man das ändern sollte. Wir konnten gegen die Elfenbeinküste auf einmal eine völlig neue Situation mit zwei Stürmern herstellen.“

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Ähnlich argumentiert Nagelsmann: „Du kannst sagen, warum soll ich seinen Flow jetzt brechen?“ Undavs Einfluss auf Spiel und Ergebnis war beide Male sofort zu sehen. „Sobald die Räume ein bisschen aufgehen, ist er einfach super schlau im Bewegen. Jeder Spieler möchte natürlich von Beginn an spielen. Aber tief im Herzen, glaube ich, ist er auch ganz zufrieden, wie es gerade läuft, weil er da schon eine sehr tragende Rolle hat.“ Selbst wenn Undav gegen Ecuador anfangen darf, könnte er danach im Sechzehntelfinale und möglichen weiteren K.o.-Runden wieder als Joker wertvoller sein – dann kann es auch über 120 Minuten gehen, und Power von der Bank wird noch bedeutsamer. Hinzu kommt: Hängt eine Mannschaft mal durch, kann eine Undav-Einwechslung für einen Ruck im Team und auf den Rängen sorgen. Als Joker kann ein Fußballer unsterblich werden – wie Mario Götze, eingewechselt und Siegtorschütze im WM-Finale 2014 gegen Argentinien in der Verlängerung.

Gibt es eine Kompromiss-Lösung gegen Ecuador?

Ja. Nach dem schon fixen Gruppensieg Undav einfach mal beginnen lassen: Liefert er auch dann eine Topleistung ab und trifft oder bereitet Tore vor, ist er auch eine Starter-Option für die Spiele danach. Läuft es nicht, bleibt er Joker.