VAR-Kontroverse überschattet dramatisches 3:3 zwischen Karlsruhe und Dynamo Dresden
Das hochdramatische 3:3-Unentschieden zwischen dem Karlsruher SC und Dynamo Dresden wird nachträglich von einer intensiven Diskussion über zwei höchst umstrittene Elfmeterentscheidungen überschattet. Während die Dresdner Mannschaft in der zweiten Halbzeit einen deutlichen Leistungsabfall zeigte, mehren sich die Stimmen, dass dies nur die halbe Wahrheit darstellt und der Videoassistent entscheidend in das Spielgeschehen eingriff.
Erster Elfmeter: Blocksituation mit Fragezeichen
Fakt ist, dass der Karlsruher SC zwei seiner drei Treffer vom Punkt erzielte. Der erste Strafstoß fiel in einer komplexen Situation nach einem Eckball. Dynamo-Torwart Tim Schreiber brachte Karlsruhes Christoph Kobald mit den Knien zu Fall, worauf Schiedsrichter Florian Badstübner nach kurzer Überlegung auf Elfmeter entschied. „Für mich eine schwierige Entscheidung. Ich gehe hin, aber nicht zum Ball, sondern in eine Blocksituation. Er sucht halt den Kontakt“, kommentierte Schreiber die Szene im Nachhinein.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich unmittelbar zuvor KSC-Profi Simic den Ball an die eigene Hand köpfte. Zwar ist dies zunächst nicht strafbar, es gibt jedoch eine Ausnahme: Wenn der Arm vom Körper gestreckt ist und sich der Spieler damit unnatürlich größer macht. Die TV-Bilder belegen deutlich, dass genau dieser Fall vorlag. Niklas Hauptmann analysierte: „Am Ende springt der Ball so genau vor die Füße seines Mitspielers.“ Die Entscheidung bleibt strittig und hätte durchaus anders ausfallen können.
Zweiter Elfmeter: VAR-Prüfung mit gravierendem Fehler
Die größere Kontroverse entzündete sich jedoch am späten Ausgleichstreffer zum 3:3 in der vierten Minute der Nachspielzeit. An der Strafraumgrenze kam es zu einem Kontakt zwischen Dynamo-Verteidiger Alexander Rossipal und KSC-Profi Lilian Egloff. Schiedsrichter Badstübner entschied zunächst auf Foul des Dresdners und Freistoß für Karlsruhe.
Videoassistent Patrick Hanslbauer schaltete sich ein und teilte Badstübner mit, dass sich der Vorfall auf der 16-Meter-Linie und somit im Strafraum ereignet hatte. Der Referee korrigierte seine Entscheidung daraufhin und gab Strafstoß. Das Problem: Der VAR prüfte offenbar nur den Ort des vermeintlichen Fouls, nicht jedoch die Frage, wer überhaupt wen gefoult hatte.
Auf den verlangsamten TV-Bildern ist eindeutig zu erkennen, dass Egloff auf Rossipals Fuß trat – und nicht umgekehrt. Diese entscheidende Tatsache wurde bei der VAR-Prüfung übersehen. Statt eines Elfmeters für Karlsruhe hätte es eigentlich einen Freistoß für Dynamo Dresden geben müssen. Hier ging im Kölner Keller offenbar Schnelligkeit vor Gründlichkeit.
Trainer-Stimmen und statistische Ungleichheit
Interessant ist der Widerspruch zwischen den unmittelbaren Reaktionen und der nachträglichen Analyse. Dynamo-Trainer Thomas Stamm lobte direkt nach der Partie die Leistung von Schiedsrichter Badstübner: „Das war eine sehr gute Schiedsrichter-Leistung. Sehr klar mit einer guten Linie in beide Richtungen.“ Möglich, dass er nach dem Studium der Fernsehbilder mittlerweile eine etwas andere Meinung vertritt.
Oft ist im Fußball davon die Rede, dass sich Glück und Pech im Laufe einer Saison ausgleichen. Sollte dies tatsächlich zutreffen, müsste Dynamo Dresden in den kommenden Spielen eher Elfmeter für statt gegen sich erhalten. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Bisher steht die SGD mit sieben verursachten Strafstößen in der 2. Liga an der Spitze – mit nur einem erhaltenen Elfmeter jedoch ganz am Ende der Tabelle.
Die Diskussion um die VAR-Einsätze und die Transparenz von Schiedsrichterentscheidungen wird durch dieses Spiel weiter angefacht. Während der Karlsruher SC mit dem späten Punktgewinn zufrieden sein kann, bleibt bei Dynamo Dresden ein bitterer Nachgeschmack, der über die reinen Punkteverhältnisse hinausgeht und grundsätzliche Fragen zur Anwendung der Videotechnologie im Fußball aufwirft.



