Die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die Weltmeisterschaft in eine separate Firma auszugliedern und Anteile zu verkaufen, stoßen auf erbitterten Widerstand. Alexander Wehrle, Vorstandschef des VfB Stuttgart und Aufsichtsratsvorsitzender des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat eine klare Botschaft an den Weltverband: „Erneut eine rote Linie überschritten“ – so kommentierte Wehrle die Strategie Infantinos im Interview mit RTL und Sky.
Wehrle zweifelt Infantinos Fußballverständnis an
Wehrle stellte grundlegend infrage, ob Infantino überhaupt eine emotionale Bindung zum Fußball habe. „Hat Gianni Infantino mal wirklich professionell Fußball gespielt? Ich glaube, in der fünften Liga in der Schweiz. Und war er eigentlich mal in der Fankurve? Weiß er eigentlich, was Fußball bedeutet? Fußball als Spiel, also dieses verbindende Element“, sagte der 48-Jährige. Für Wehrle ist der Plan, den Fußball zu „verkaufen“ – wie er es formulierte – der Beweis, dass Infantino die Seele des Sports nicht verstehe.
Investorenpläne der FIFA: 13 Milliarden Euro sind nicht genug?
Der DFB-Funktionär zeigte sich verwundert über die wirtschaftliche Logik des Vorhabens. „Wenn man sich überlegt, dass die FIFA eigentlich ein Verein ist, in Zürich ansässig und jetzt im letzten Zyklus 13 Milliarden Euro erlöst hat. Dann frage ich mich, warum er jetzt eine Tochtergesellschaft gründen will, um noch mal ein paar Milliarden einzuwerben?“, so Wehrle. Er befürchtet, dass ein einzelner Mann den Weltfußball zerstören könne. Die Gründung einer Tochterfirma diene offenbar einzig der Gewinnmaximierung – ein Ziel, das mit den Statuten eines gemeinnützigen Vereins nicht vereinbar sei. „Eigentlich ist die FIFA dafür notwendig, das internationale Regelwerk zu kontrollieren und Turniere zu organisieren. Ich glaube nicht, dass ein Verein die übergeordnete Maxime ausgibt, gewinnmaximierend zu sein. Aber hier ist irgendwas verrutscht und jetzt ist Schluss damit“, betonte Wehrle.
Unterstützung für die UEFA-Boykottdrohung
Wehrle stellte sich hinter die Europäische Fußballunion (UEFA), die angekündigt hatte, künftige FIFA-Turniere zu boykottieren, sollte Infantino sein Vorhaben durchsetzen. „Ich finde es gut von der UEFA, die sich klar positioniert hat. Ich hoffe auch, dass andere Kontinentalverbände dazu kommen, denn so können wir nicht weitermachen“, sagte er. Der DFB werde sich das nicht gefallen lassen – weder aus deutscher noch aus europäischer Perspektive. Wehrle appellierte an die anderen Kontinentalverbände endlich aufzuwachen, da Infantino selbst den FIFA Council nicht mehr einbeziehe und „in einer Gutsherrenart“ entscheide.
Wehrle fordert Neuanfang ohne Infantino
Abschließend äußerte der Stuttgarter einen deutlichen Wunsch: „Ich hoffe wirklich und wünsche mir, dass jetzt nicht nur der DFB aufsteht. Wenn ich Infantino persönlich treffen würde, dann würde ich ihm sagen: ‚Vielen Dank für das Engagement der letzten zehn Jahre. Aber wir sollten über einen Neubeginn sprechen.‘ Ich wünsche mir die FIFA ohne Infantino, denn die letzten Jahre waren einfach eine falsche Entwicklung.“ Die Kritik aus Deutschland reiht sich ein in eine wachsende internationale Opposition gegen die Kommerzialisierung des Weltfußballs. Ob Infantino von seinen Plänen abrückt, bleibt abzuwarten.



