Taktik-Vulkan Wollitz: Cleverer Wechselpoker bringt Cottbus der 2. Liga näher
Energie Cottbus träumt mehr denn je von der Rückkehr in die 2. Bundesliga! Nach dem wichtigen 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart II am Dienstag ist die Aufstiegshoffnung der Lausitzer greifbarer denn je. Verantwortlich dafür ist einmal mehr Trainer-Legende Claus-Dieter Wollitz, der mit einem mutigen taktischen Manöver den entscheidenden Impuls setzte.
Überraschende Aufstellung mit System
Viele FCE-Fans rieben sich bei der Bekanntgabe der Startelf zunächst verwundert die Augen. Trainer Wollitz ließ tatsächlich vier Leistungsträger von Beginn an auf der Bank Platz nehmen: Spielmacher Tolcay Cigerci, Kapitän Axel Borgmann, Außenstürmer Moritz Hannemann und Abwehrspieler Mladen Cvjetinovic. Eine mutige Entscheidung nach der torlosen Partie gegen Verl.
Doch die zweite Garde lieferte über weite Strecken eine überzeugende Leistung ab. Lediglich ein Aussetzer in der 51. Minute führte zum 0:1-Rückstand. Doch genau hier zeigte sich die taktische Meisterleistung des erfahrenen Trainers.
Der Dreifach-Wechsel als Spielentscheidung
In der 58. Minute zog Wollitz die entscheidende Karte und wechselte gleich drei Spieler auf einmal aus: Cigerci, Borgmann und Hannemann betraten das Spielfeld. Und der Joker-Wahnsinn ging voll auf! Innerhalb von nur sechs Minuten drehte Cottbus das Spiel.
Zunächst erzwang Tolcay Cigerci einen Elfmeter, den er selbst sicher verwandelte. Nur drei Minuten später traf Kapitän Axel Borgmann nach einem perfekten Querpass von Cigerci zum 2:1. Die eingewechselten Spieler entfachten ein regelrechtes Sturmfeuer, dem der VfB Stuttgart II nichts mehr entgegenzusetzen hatte.
Wollitz erklärt sein taktisches Konzept
Trainer Claus-Dieter Wollitz, von Fans liebevoll "Pele" genannt, erklärte nach dem Spiel sein ungewöhnliches Vorgehen: "Ich habe das am Morgen schon gespürt. Es war wichtig, die Spieler mitzunehmen, die zuletzt weniger gespielt haben. Ich habe unseren Ankerspielern gesagt: Wenn ihr das akzeptiert, werden wir belohnt."
Spielmacher Tolcay Cigerci bestätigte den taktischen Plan: "Matchplan war, dass wir in der zweiten Hälfte das Spiel drehen. Genauso ist es auch gekommen. Unglaublich! Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit dem Trainer. Es wird alles offen kommuniziert und ist ja auch aufgegangen."
Mehr als nur drei Punkte
Der Sieg bringt Energie Cottbus nicht nur drei wichtige Punkte im Aufstiegsrennen. Aktuell haben die Lausitzer fünf Punkte Vorsprung auf den dritten Platz und sieben Zähler Vorsprung auf Rang vier. Gleichzeitig stärkte die ungewöhnliche taktische Entscheidung den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Top-Stars konnten vor dem wichtigen Ost-Duell am Samstag gegen Hansa Rostock Kräfte sparen. In der englischen Woche mit mehreren Spielen in kurzer Folge könnte sich dieser Energiesparmodus als entscheidender Vorteil erweisen.
Risiko mit Weitblick
Wollitz zeigte sich nach dem Spiel beeindruckt von der Reaktion seiner Spieler: "Was mir die Spieler in und nach der Sitzung für Unterstützung gegeben haben. Da haben sie gesagt, wir leben das zu 100 Prozent. Wir haben totales Vertrauen. Weil ich weiß, welches große Risiko da drinsteckt, wenn es nicht funktioniert."
Doch das Risiko wurde belohnt. Nicht nur mit dem Sieg, sondern auch mit einem gestärkten Teamgeist und der Möglichkeit, die Leistungsträger geschont in das wichtige Spitzenspiel gegen Hansa Rostock gehen zu lassen. Ein taktischer Schachzug, der das Zeug hat, die gesamte Saison von Energie Cottbus zu prägen.



