Emotionaler EM-Rückblick in Dortmund: DHB-Team spürt Vorfreude auf Heim-WM 2027
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle einen bewegenden Rückblick auf ihren EM-Silber-Erfolg erlebt. Während die Bilder der magischen Wochen in Dänemark über den Hallenwürfel flimmerten, schauten Kapitän Johannes Golla und seine Mannschaftskollegen gebannt nach oben – für einen Moment war die Europameisterschaft wieder lebendig.
„Hype mitgenommen“: Spieler genießen Rückkehr vor heimischem Publikum
„Das Video hat einige Erinnerungen zurückgebracht“, berichtete Johannes Golla nach dem ersten Auftritt seit dem Gewinn von EM-Silber. Linksaußen Lukas Mertens ergänzte: „Das Beste war tatsächlich, die Bälle ins Publikum zu schleudern – das hat Spaß gemacht. Die Halle war ausverkauft – und so ein bisschen haben wir den Hype jetzt auch mitgenommen.“ Nach dem furiosen 41:38 (21:18) gegen Afrikameister Ägypten wandten sich die Spieler den zahlreichen Autogrammjägern zu, wobei Mertens betonte: „Was hier noch an Kindern steht, wir haben schon einiges richtig gemacht.“
Verbandsehrung und Blick nach vorn: Heim-WM 2027 als großes Ziel
Der Deutsche Handballbund ehrte die Mannschaft mit einer Flasche Champagner, einem Musikact und warmen Worten für die Leistung von vor eineinhalb Monaten. Doch der Blick ist bereits nach vorn gerichtet: Die Heim-Weltmeisterschaft 2027 steht als nächstes großes Ziel im Fokus. „Wir haben 2024 erlebt, wie wir mit einer unerfahrenen Mannschaft von unseren Fans getragen wurden“, sagte Golla mit Blick auf den vierten Platz bei der Heim-EM vor zwei Jahren. „Jetzt sind wir schon einen Schritt weiter – und deswegen ist die Hoffnung groß, dass wir gemeinsam mit dem Land und vollen Hallen hinter uns auch ein gutes Turnier spielen können.“
Offensiv stark, defensiv Luft nach oben: Analyse des Ägypten-Spiels
Den ersten Härtetest gegen den physisch starken Afrikameister bestand die DHB-Auswahl offensiv mit Bravour – 41 Tore sprechen eine deutliche Sprache. Defensiv zeigten sich jedoch Schwächen, wie Lukas Mertens analysierte: „Wir haben einen überragenden Angriff gespielt, aber es hat heute in der Abwehr ein bisschen gehakt.“ Bundestrainer Alfred Gislason sah das ähnlich: „41 Tore sind sehr gut, 38 zu kassieren, sind viel zu viel.“ Besonders in der zweiten Hälfte kassierte das Team 20 Gegentore, wobei Ägypten kurz vor Schluss bis auf einen Treffer herankam.
Knorr als Schlüsselfigur und kommende Herausforderungen
Spielmacher Juri Knorr, der mit neun Treffern zeitweise wie entfesselt spielte, verhinderte, dass das 79-Tore-Spektakel doch noch zugunsten der Nordafrikaner kippte. „Ich mag diesen Spielstil. Ich gewinne lieber so als 21:20“, sagte Knorr grinsend. Schon am Sonntag will die Mannschaft im zweiten Duell mit Ägypten weiteres Selbstvertrauen sammeln, bevor mit Dänemark – Olympiasieger und amtierender Welt- und Europameister – am 17. Mai in Köln der nächste hochkarätige Gegner wartet. „Mit Ägypten haben wir eine sehr gute Mannschaft – und dann wartet Dänemark. Das ist natürlich gut für uns“, sagte Knorr mit Blick auf die kommenden Aufgaben.
Lehren ziehen, aber Sieg nicht entschuldigen
Johannes Golla forderte, „zwei, drei Dinge“ anzupassen und die „richtigen Lehren“ aus dem Spiel zu ziehen. Bevor auch er weitere Autogrammwünsche erfüllte, ergänzte der Kapitän jedoch mit Nachdruck: „Wir müssen uns für einen Länderspielsieg nicht entschuldigen.“ Die Silber-Helden haben den Hype der EM mitgenommen und brennen darauf, bei der Heim-WM 2027 vor heimischem Publikum weitere Sternstunden zu schreiben.



