Nord-Derby in der Handball-Bundesliga: Flensburg setzt sich gegen HSV Hamburg durch
Die SG Flensburg-Handewitt hat im kleinen Nord-Derby der Daikin Handball-Bundesliga einen wichtigen Auswärtssieg errungen. Vor 9.713 Zuschauern in der Hamburger Barclays Arena setzten sich die Gäste mit 38:35 (20:14) gegen den HSV Hamburg durch und festigten damit den zweiten Tabellenplatz. Die Partie war von dänischer Dominanz geprägt, denn insgesamt zehn Spieler – fünf auf jeder Seite – stammten aus dem Land des amtierenden Europa- und Weltmeisters.
Flensburger Startvorteil und Hamburger Fehlleistungen
Die Flensburger, die nach der Handball-EM in Gummersbach mit einer 29:33-Niederlage einen Kaltstart erlebt hatten, zeigten sich von Beginn an überlegen. Trotz anfänglicher Anpassungsprobleme zu Beginn beider Halbzeiten sorgten eigene Fehler des HSV, die starke Leistung von EM-Final-Torhüter Kevin Möller mit zehn Paraden und die individuelle Klasse der SG für klare Verhältnisse. Der HSV, der sich unter der Woche noch gegen Tabellenletzten Leipzig mit 33:35 blamiert hatte, fand lange Zeit keine Mittel gegen die Übermacht der Gäste.
Hamburgs Trainer Torsten Jansen versuchte vieles – etwa den siebten Feldspieler oder eine 5+1-Abwehr – doch ohne den erhofften Erfolg. Zur Pause stand es bereits 14:20, und die Partie schien entschieden. Jacob Lassen warf am Ende zwar sechs Tore für den HSV, hatte aber erneut mit Schwächephasen zu kämpfen. Ohne den verletzten Dominik Axmann fehlte dem Team zudem eine wichtige Stütze.
Hamburger Aufbäumen und Flensburger Reaktion
Doch nach der Pause kam überraschend Leben in die Begegnung. Flensburg öffnete die Partie wieder, warf plötzlich selbst Bälle weg und scheiterte an Hamburgs Norwegen-Torwart Robin Haug, der nach der Pause für Mo El-Tayar das Tor hütete. Der HSV fightete sich mit einem beeindruckenden 6:0-Lauf auf 22:23 (40. Minute) heran und verwandelte die Arena in einen lärmenden Tempel. Die deutliche Ansprache von Trainer Torsten Jansen in der Kabine zur Pause zeigte offenbar Wirkung.
Die knapp 10.000 Zuschauer, soweit auf Hamburger Seite, keimten wieder Hoffnung. Doch diese sollte nur von kurzer Dauer sein. Denn Flensburg erlaubte sich lediglich zehn schwache Minuten, wechselte dann den Torwart, brachte Benjamin Buric ins Spiel und packte wieder energischer zu. Diese Reaktion reichte am Ende, um das Derby gegen den nun kämpfenden HSV erfolgreich zu gestalten.
Stimmen nach dem Spiel
SG-Kapitän Johannes Golla zeigte sich im Interview mit SPORT BILD zufrieden, aber auch selbstkritisch: „Der Handball ist so schnell, da kann auch mal ein Vorsprung recht schnell schmelzen. Natürlich stellen wir es uns im Idealfall anders vor. Aber es war trotzdem ein unangenehmes Auswärtsspiel, das wir doch souverän gemeistert haben.“ Bezüglich der Niederlage in Gummersbach gab er offen zu: „Ja, Gummersbach war schon ein Schock. Dass man da verlieren kann, steht außer Frage. Die Art und Weise hat uns aber schon etwas schockiert.“
HSV-Trainer Torsten Jansen war dagegen verärgert über die erste Halbzeit seiner Mannschaft: „Ich habe keinen Bock mehr, über irgendwelche taktischen Sachen zu sprechen, sondern da geht es um die reine Basis. Und wenn die da ist und das alles passt, dann können wir uns gerne auch über irgendwelche taktischen Sachen oder über dies oder jenes unterhalten. Aber wenn man so spielt wie in der ersten Halbzeit, dann ist es egal, gegen wen man spielt. Auch wenn es heute Flensburg war, man bekommt 20 Gegentore. Mit der zweiten Halbzeit kann ich dann absolut leben. Die Basis stimmte, so muss man auftreten.“
Ausblick auf die kommenden Spiele
Für Flensburg wartet am Dienstag das große Schleswig-Holstein-Derby in der European League, wenn der Erzrivale THW Kiel zum 114. Duell nach Flensburg kommt. Zehn schlechte Minuten wie in Hamburg könnten in diesem hochkarätigen Aufeinandertreffen bereits zu viel sein. Für den HSV Hamburg wird es indes nicht einfacher: In einer Woche empfängt das Team die MT Melsungen, und die Mannschaft muss dringend zu mehr Konstanz finden, um in der Bundesliga voranzukommen.



