Wahnsinn in letzter Sekunde: Das Handball-Drama zwischen TuSEM Essen und dem HC Elbflorenz Dresden endete mit einem Einspruch. Innerhalb von Minuten verwandelte sich frenetischer Jubel in tiefe Trauer. Die knapp 2000 Zuschauer in der Essener Sporthalle „Am Hallo“ und die Akteure auf der Platte wussten nicht, wie ihnen geschah. Beim Zweitligaspiel zwischen TuSEM Essen und dem HC Elbflorenz Dresden war in der Schlusssekunde ein Chaos ausgebrochen. Die abstiegsgefährdeten Essener verloren beim 32:33 noch einen sicher geglaubten Punkt. Stand jetzt könnten die Vorgänge möglicherweise Folgen haben.
Was war passiert?
Die letzten 40 Sekunden liefen, Dresden hatte beim Spielstand von 32:32 Ballbesitz. Die Uhr tickte herunter, zwei Sekunden vor dem Ende warf Dresdens Doruk Pehlivan an den Pfosten. Den Abpraller lenkte Essens Tom Wolf mit der linken Hand ins Toraus. Die Schlusssirene ertönte, und Essen jubelte über einen Punkt im Abstiegskampf. Doch dann kam nach minutenlangen Diskussionen die irre Wendung. Gelb für Essens Co-Trainer Florian Buddenborg, Siebenmeter für Dresden, 32:33 – der Punkt war futsch. Die Folge: TuSEM Essen legte direkt nach dem Spielende einen Einspruch gegen die Wertung ein. Damit bekam der deutsche Ex-Meister 72 Stunden Zeit, um einen voll ausformulierten Protest bei der Handball-Bundesliga (HBL) einzureichen.
Die Entscheidung der Schiedsrichter
Die Begründung für die Entscheidung der Schiedsrichter Nils Blümel und Jens Vortmann (ehemaliger Bundesliga-Torwart) zusammen mit dem technischen Delegierten Frank Böllhoff: Nach dem Pfostentreffer drückte die Essener Bank den Auszeit-Buzzer. Weil Essen nach Ansicht der Spielleitung jedoch keinen klaren Ballbesitz hatte, hätte die Auszeit nicht genommen werden dürfen. Die Schiedsrichter werteten das als „unsportlichen Eingriff“, was in den letzten 30 Sekunden laut Regelwerk einen Siebenmeter vorschreibt. Essens Trainer Kenji Hövels äußerte sich verärgert: „Unserer Meinung nach hatten wir den Abpraller. Ob es tatsächlich so war, weiß ich ehrlicherweise nicht, weil ich es nicht genau gesehen habe. Trotz allem ist das ein unwürdiges Ende und für mich höchst fraglich, ob man das vom Kampfgericht so entscheiden muss. Wenn man sich das Spiel anschaut, ist das eben schon unwürdig, so zu entscheiden. Da fehlt mir jegliches Verständnis.“
Reaktionen und Ausblick
Der Einspruch von TuSEM Essen könnte nun weitreichende Folgen haben. Sollte der Protest erfolgreich sein, könnte das Spiel neu angesetzt oder die Wertung geändert werden. Dies wäre im Abstiegskampf der zweiten Handball-Bundesliga von großer Bedeutung. Die HBL wird nun den Fall prüfen und über die Rechtmäßigkeit des Siebenmeters entscheiden. Bis dahin bleibt die Stimmung in Essen gedrückt, während Dresden den umstrittenen Sieg feiert.



