Handball-Endspurt: Füchse Berlin im Triumphrausch - SC Magdeburg kämpft mit Pokal-Trauma
Die Füchse Berlin und der SC Magdeburg verfolgen in der laufenden Saison noch ambitionierte Ziele in der Handball-Bundesliga und der Champions League. Die emotionale Verfassung der beiden Kontrahenten könnte jedoch kaum unterschiedlicher sein, wie aktuelle Entwicklungen zeigen.
Berliner Füchse im Stimmungshoch nach Pokalerfolg
Der Pokalsieger Füchse Berlin hat in dieser Spielzeit noch bedeutende Vorhaben vor sich. In einer Kölner Bar stießen die Handballer der Hauptstädter beim gemütlichen Abendessen mit Familien und Freunden auf den zweiten Pokal-Triumph nach 2014 an. Doch bereits auf der Rückreise in die Hauptstadt konzentrierten sich die Gedanken von Mathias Gidsel und seinen Teamkollegen auf die Herausforderungen im Saison-Endspurt.
Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning betonte die Bedeutung des Pokals, richtete jedoch umgehend den Blick auf die großen Ziele: „Der Pokal ist etwas ganz Besonderes. Ich möchte ihn nicht missen. Aber für uns ist es - auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten - elementar wichtig, in der Champions League zu spielen.“
Zwei Wege führen für die Berliner in die Königsklasse: Entweder über mindestens Platz drei in der Bundesliga oder durch den Gewinn des laufenden Champions-League-Wettbewerbs. Beides erscheint für den Tabellendritten, der im Viertelfinale der Champions League auf den ungarischen Topclub Veszprem trifft, durchaus realistisch.
Disziplinierte Feierkultur mit Fokus auf die Zukunft
Hanning setzte bewusst einen engen Rahmen für die Pokal-Feierlichkeiten: „Für uns ist es der dritte nationale Titel innerhalb von zwölf Monaten. Das muss und darf natürlich gefeiert werden. Aber nur im Rahmen dessen, was jeder für sich vertreten kann, ohne den Fokus zu verlieren.“
Der Erfolg beim Final4 soll die Berliner nicht lähmen, sondern zusätzlich motivieren. „Jetzt können wir mit viel Selbstvertrauen und Rückenwind in die restlichen Saisonspiele gehen. Das kann uns sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League helfen“, analysierte der Füchse-Boss. Trainer Nicolej Krickau bestätigte diese positive Grundstimmung: „Ich spüre eine Gewinnerkultur in der Mannschaft.“
Bereits am Donnerstag geht es mit dem Topspiel gegen den Tabellenvierten VfL Gummersbach weiter. Dort wieder auf höchstem Niveau zu agieren, werde „eine heroische Aufgabe“, so Hanning. Anschließend stehen die Königsklassen-Duelle mit Veszprem an - „das schwierigste Los von allen, die kommen konnten“, befand der 58-Jährige.
Welthandballer Mathias Gidsel zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Veszprem ist ein extrem starker Gegner, aber wir wissen, wie wir sie schlagen können.“ Mit Blick auf das Finalturnier, das ebenfalls in Köln stattfindet, fügte der 27-jährige Däne hinzu: „Ich hoffe, dass wir im Juni wiederkommen.“
Magdeburgs psychologische Herausforderung nach Pokal-Absturz
Von solchen optimistischen Zukunftsvisionen ist der SC Magdeburg nach dem enttäuschenden Pokal-Aus weit entfernt. Dabei bleibt auch für den designierten Meister, der mit sieben Punkten Vorsprung vor Verfolger SG Flensburg-Handewitt in die letzten sechs Saisonspiele geht, in der Champions League noch alles möglich. Die Elbestädter treffen im Viertelfinale mit Pick Szeged ebenfalls auf einen ungarischen Vertreter.
Erfolgstrainer Bennet Wiegert ist nach den Niederlagen gegen den Bergischen HC und den TBV Lemgo Lippe jedoch zunächst als Psychologe gefragt. „Habe ich Sorgen? Natürlich. Wenn man solch ein Wochenende spielt, zieht das nicht einfach so an einem vorbei. Das gilt es zu verarbeiten“, erklärte der 44-Jährige.
Er selbst werde die Enttäuschung über die enttäuschenden Auftritte „einige Wochen oder sogar Monate mit mir herumtragen“, prophezeite Wiegert. Gleichzeitig hofft er, dass seine Spieler das negative Erlebnis „so schnell wie möglich aus den Köpfen bekommen und abschütteln. Das wird nicht so easy, wie mancher vielleicht denkt. Einfach so den Mund abwischen, das ist es nicht.“
Die unterschiedliche mentale Verfassung der beiden Topteams verspricht einen spannenden Saison-Endspurt im deutschen Handball, bei dem sowohl sportliche Klasse als auch psychologische Stabilität entscheidend sein werden.



