HSV erleidet nächste Blamage: Beyer führt Bergischen HC zum Sieg gegen schlappe Hamburger
Ausgerechnet ein künftiger Hamburger Spieler hat den HSV in der Daikin Handball-Bundesliga blamiert. Noah Beyer (28), der im Sommer zum HSV wechseln wird, führte den Bergischen HC mit herausragender Leistung zum 35:33-Sieg gegen sein zukünftiges Team. Für Trainer Torsten Jansen (49) bedeutet dies die nächste enttäuschende Niederlage gegen ein vermeintliches Kellerkind, nur kurz nach der 33:35-Pleite gegen Tabellenschlusslicht Leipzig.
Zerfahrenes Spiel mit vielen technischen Fehlern
Über weite Strecken bot die Partie ein zerfahrenes Duell voller technischer Patzer, Ballverluste und jener sogenannten „Eier-Tore“, die Jansen besonders ärgern. „Wir stehen leider mit leeren Händen da, was mich unheimlich wurmt“, sagte der sichtlich frustrierte Coach nach dem Spiel. Zwei wichtige Punkte seien futsch, „die wir zu Hause holen wollen und müssen“.
Vorne hielt Moritz Sauter (23) mit zehn Treffern dagegen, doch die größte Baustelle liegt eindeutig in der Defensive. 109 Gegentore in den letzten drei Spielen und insgesamt 834 nach 26 Partien markieren den Höchstwert der gesamten Liga. Der HSV verteidigt nicht auf Erstliga-Niveau, sondern öffnet Räume, die Gegner konsequent ausnutzen. Zu große Abstände zwischen den Spielern, zu wenig Zugriff und zu selten rechtzeitige Hilfe für den Nebenmann kennzeichnen die defensive Schwäche.
Torwartprobleme und individuelle Schwächen
Torwart Robin Haug (27) wirkte dabei häufig unglücklich. Bei gegnerischen Durchbrüchen war er oft ohne ausreichende Unterstützung, dazu kamen einige Würfe, die ein Nationaltorhüter halten muss. Besonders ärgerlich war der kurzfristige Ausfall von Mo El-Tayar (29) aufgrund von Krankheit.
Defensiv stand besonders Elias Kofler (25) im Fokus, der immer wieder Ziel der BHC-Angriffe war und im Eins-gegen-eins zu oft chancenlos wirkte. Auch offensiv kam von ihm nichts dazu: kein Torerfolg bei drei technischen Fehlern.
Entscheidender Moment in der 47. Minute
Der Knackpunkt der Partie ereignete sich in der 47. Minute. Der BHC spielte auf Zeit, nur noch ein Pass war erlaubt – eigentlich hatte der HSV den Angriff des Aufsteigers verteidigt. Doch Noah Beyer entzog sich geschickt der Manndeckung, bekam den letzten Ball zugespielt und traf zum 26:26. Statt einer möglichen Zwei-Tore-Führung stand es plötzlich wieder unentschieden.
Jansen sprach anschließend von „ein bisschen pennen“ – eine wohl untertriebene Beschreibung. Beyer selbst, der mit fünf Treffern bei fünf Würfen eine makellose Quote vorweisen konnte, kommentierte: „Der Sieg ist Gold wert.“
Frust und Selbstkritik beim HSV
Der HSV-Trainer analysierte nüchtern: „Wir haben eine Phase, wo wir mit einem Tor führen, diese Euphorie aber nicht nutzen. Stehen da gefühlt drei Minuten in der Abwehr, dann Zeitspiel und dann so ein Geeier mit Noah, der dann den Ball bekommt. Das in Summe macht einen dann fertig. Plus das eine oder andere Eier-Tor mit 5 km/h.“
Sein Kapitän Niklas Weller (32) zeigte sich ebenfalls verärgert: „Es sind Kleinigkeiten, die uns in den entscheidenden Phasen das Genick brechen. Es muss uns in engen Spielen zu Hause auch mal gelingen, die zwei Punkte zu holen, scheißegal wie.“
Schwierige Aussichten für die Hamburger
Schlechte Laune und Frust beherrschen derzeit die Stimmung beim HSV. Der Blick nach vorn macht die Hamburger Lage nicht entspannter: Zuerst wartet das nächste Kellerkind Minden, dann folgt das Nord-Derby gegen den THW Kiel. Wenn der HSV defensiv so weiterwurschtelt wie in den letzten Spielen, könnte der Weg in der Tabelle tatsächlich weiter nach unten führen.
HSV-Tore: Sauter 10, Geenen 6, Jørgensen 5/1, Andersen 5/1, Lassen 4, Weller 3, Norlyk 1.



