Nach EM-Kritik: Juri Knorr spricht über Gislasons beeindruckende Reaktion
Als dem deutschen Handball-Team nach der 27:30-Niederlage gegen Serbien im Januar das Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft drohte, lagen die Nerven aller Beteiligten blank. Besonders betroffen war Spielmacher Juri Knorr, der anschließend Bundestrainer Alfred Gislason öffentlich kritisierte – ein Schritt, über den er nun erstmals ausführlich spricht.
Die umstrittene Auszeit und die Kritik
Der Isländer Gislason hatte in jenem entscheidenden EM-Spiel mit einer unglücklichen Aktion den von Knorr erzielten Ausgleich zwei Minuten vor Spielende zunichte gemacht, weil er den Buzzer für die Auszeit zu früh gedrückt hatte. Doch noch mehr genervt hatte Knorr damals, dass er aus seiner Sicht in der entscheidenden Phase zu wenig Spielzeit bekam.
„Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann“, hatte der 25-Jährige damals geäußert und damit ein mediales Echo losgetreten. Im Rückblick erklärt Knorr: „In dem Moment dachte ich, dass ich gar nicht so viel gesagt habe. Auf der anderen Seite hätte mir natürlich bewusst sein müssen, in welchem Moment und welchem Kontext ich was sage.“
Die Einsicht und der Unterschied zwischen innen und außen
Der Nationalspieler reflektiert heute differenzierter über seine damaligen Äußerungen: „Es macht einfach einen Unterschied, ob du nach außen oder nach innen hin kein Blatt vor den Mund nimmst. Ich habe einfach angesprochen, was ich in dem Moment wahrgenommen habe, aber das sollte man eher innerhalb des Mannschaftskreises tun.“
Diese Erkenntnis markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt für den jungen Spieler, der in der Handball-Bundesliga bereits zu den Leistungsträgern zählt.
Gislasons überraschende Reaktion
Obwohl Knorr damals mit seiner Kritik an die Öffentlichkeit gegangen war, nahm ihm Bundestrainer Gislason die Worte nicht übel – im Gegenteil. Knorr enthüllt: „Ich habe das Gespräch gesucht am nächsten Tag, und er ist einfach sehr entspannt damit umgegangen, hat mir das nicht übel genommen und mich fast noch darin bestärkt, Dinge anzusprechen.“
Diese Reaktion beeindruckte den Spielmacher nachhaltig: „Das war schon beeindruckend, weil es gerade in unserer Sportwelt, wo ein so hoher Leistungsdruck herrscht, nicht selbstverständlich ist, dass so damit umgegangen wird, wenn man etwas gegen die Führungsperson sagt.“
Die Lehren aus dem Vorfall
Aus dem gesamten Vorfall hat Knorr wichtige Lehren gezogen: „Das habe ich daraus sicherlich auch gelernt. Ich würde es in der Form wahrscheinlich auch nicht wieder machen. Ich bin Alfred Gislason aber dankbar und beeindruckt von seiner Reaktion.“
Sein abschließendes Fazit über den Bundestrainer fällt entsprechend positiv aus: „Es zeigt seine Größe in dem Moment, dass er das nicht persönlich genommen hat.“
Die Episode zeigt nicht nur die menschliche Größe des Trainers, sondern auch die Entwicklung eines jungen Spielers, der aus Konfliktsituationen lernt und diese für sein weiteres Wachstum nutzt. In einer Sportwelt, die oft von kurzfristigem Erfolgsdruck geprägt ist, stellt dieser respektvolle Umgang miteinander ein bemerkenswertes Beispiel dar.



