Vom Sand in die Halle: Kretzschmars Titel-Mission
Sie ist Weltmeisterin im Sand, doch in der Halle fehlt ihr noch der große Wurf. Lucie-Marie Kretzschmar (25), Tochter der Handball-Legende Stefan Kretzschmar (53), steht mit ihrem Verein Bensheim/Auerbach vor einer historischen Chance. Beim Haushahn Final4 in Stuttgart will die Rückraumspielerin endlich den ersten großen Vereinserfolg ihrer Karriere feiern - und damit gleichzeitig den ersten Titel in der Geschichte des Klubs überhaupt.
Die dritte Chance auf Pokal-Gold
Nach Silber im Jahr 2023 und Bronze 2025 nimmt Kretzschmar nun den dritten Anlauf auf den DHB-Pokal. „Diesmal soll der Triumph her“, erklärt die 25-Jährige entschlossen. Das Turnier in der Porsche Arena verspricht Spannung pur, denn erstmals seit Jahren ist der Favoritenstatus nicht klar verteilt. „Solange Ludwigsburg dabei war, brauchte jeder andere Teilnehmer ein mittelgroßes Wunder“, erinnert sich Kretzschmar an die Dominanz des inzwischen insolventen Vereins.
Offenes Feld im Final Four
Die Beachhandball-Weltmeisterin teilt die Chancen für alle vier Teams gleichmäßig auf: „25 Prozent für jeden - das ist eine gute Zahl.“ Ihr Team Bensheim/Auerbach muss im Halbfinale am Sonnabend (16.15 Uhr auf DF1 und Dyn) zunächst den Thüringer HC bezwingen, mit dem sie in der Bundesliga die Plätze 3 und 4 belegen. „Wir hatten diese Saison viele Aufs und Abs“, analysiert Kretzschmar die bisherige Leistung.
Ein besonderer Faktor: Bensheim/Auerbach ist das einzige der vier Final-Four-Teams, das nicht europäisch im Einsatz war. „Ich weiß nicht, ob das unser Vorteil oder Nachteil ist“, so Kretzschmar. „Einerseits hatten wir nicht die Belastung im Januar und Februar, andererseits haben sich die anderen drei einspielen können und internationale Wettkampfhärte gesammelt.“
Teamgeist trotz Ausfällen
Die Flames reisen mit personellen Sorgen nach Stuttgart. Lisa Friedberger, Kim Irion und Nyala Baijens werden nicht spielen können, während hinter Ndidi Agwunedu und Mareike Thomaier noch Fragezeichen stehen. Doch Kretzschmar bleibt kämpferisch: „Die Ausfälle schweißen uns als Team noch enger zusammen. Auch wenn wir nicht komplett sind, gibt es an einem solchen Wochenende keine Müdigkeit und keine Schmerzen.“
Selbst die verletzten Kolleginnen sind mit nach Stuttgart gereist, um das Team von der Tribüne aus zu unterstützen. „Wir sind mit voller Kapelle gekommen“, betont Kretzschmar. „Und wir haben die besten Fans der Liga, die uns das ganze Spiel, die ganze Saison unterstützen. Daher wäre es besonders schön, wenn wir mit der roten Wand den Pokal gewinnen würden.“
Historische Gelegenheit
Für Lucie-Marie Kretzschmar wäre der Pokalsieg nicht nur die Krönung ihrer Vereinskarriere, sondern auch der Beweis, dass sie ihre Erfolgsmentalität vom Beachhandball in die Halle übertragen kann. Die Welt- und Europameisterin im Sand hat bereits bewiesen, dass sie große Spiele gewinnen kann - nun will sie diese Erfahrung für ihren Verein nutzbar machen.
„Wenn wir unsere Leistung bringen, sind alle drei Gegner schlagbar“, ist die 25-Jährige überzeugt. Nach den Enttäuschungen der Vorjahre könnte das Final-Four-Wochenende in Stuttgart zur Geburtsstunde eines neuen Handball-Erfolgsteams werden - mit Lucie-Marie Kretzschmar als treibender Kraft.



