Totaler Pokal-Kollaps: Magdeburgs bittere Niederlage gegen Lemgo
Was für eine Enttäuschung für den SC Magdeburg! Nach der Halbfinal-Pleite gegen den Bergischen HC erlebt der Champions-League-Sieger im DHB-Pokal das nächste Debakel. Im Spiel um Platz drei unterliegt der SCM dem TBV Lemgo-Lippe mit 31:35 (15:16) und muss sich mit dem undankbaren vierten Rang begnügen. Eine bittere Pille für den Tabellenführer der Handball-Bundesliga, der vor den beiden Pokal-Niederlagen in dieser Saison national nur gegen den THW Kiel verloren hatte.
Wiegerts Rotations-Experiment scheitert kläglich
Magdeburg-Trainer Bennet Wiegert (44) reagierte auf die Halbfinal-Schlappe mit drastischen Personalwechseln. Während er im Spiel gegen den BHC noch konsequent an seinem Aufgebot festgehalten hatte, rotierte er nun heftig durch die Mannschaft. Spieler wie Oscar Bergendahl (31), Matthias Musche (33) und Tim Hornke (35), die zuvor kaum zum Einsatz kamen, starteten in der Begegnung gegen Lemgo. Auch Torhüter Matej Mandic (23) stand zwischen den Pfosten, obwohl er zuletzt in herausragender Form agiert hatte.
Doch die taktischen Veränderungen zeigten nicht die gewünschte Wirkung. Der SCM fand einfach kein Tempo in sein Spiel und lag bereits in der 18. Minute mit 8:10 zurück. TBV-Trainer Florian Kehrmann (48) lobte seine Mannschaft in der ersten Auszeit euphorisch: „Wir machen das sensationell!“
Möstls Paradenfestival und eine denkwürdige Fair-Play-Geste
Beide Torhüter zeigten von Beginn an starke Leistungen. Constantin Möstl (26) von Lemgo und Magdeburgs Matej Mandic kamen nach nur 21 Minuten bereits auf jeweils fünf Paraden. Doch im weiteren Spielverlauf entwickelte sich Möstl zur absoluten Schlüsselfigur. Der Lemgo-Keeper brachte es am Ende auf unglaubliche 16 gehaltene Bälle und wurde damit zum entscheidenden Matchwinner.
Eine besonders bemerkenswerte Szene ereignete sich in der ersten Halbzeit: Lemgos Samuel Zehnder (26) stand zum Siebenmeter bereit und wartete auf den Anpfiff. Als dieser ausblieb, wollte er sich neu positionieren – genau in diesem Moment ertönte doch noch der Pfiff. Da sich Zehnder bewegte, wurde der Versuch abgebrochen und der Ballbesitz wechselte eigentlich zu Magdeburg. Doch der SCM zeigte eine großartige Fair-Play-Geste und überließ den Ball dem Gegner, sodass Lemgo im Angriff bleiben konnte.
SCM-Kapitän Christian O'Sullivan (34) kommentierte diese Entscheidung später: „Lemgo hat da nichts falsch gemacht. Das war vom Gefühl her richtig, den Ball da zurückzugeben.“
Historischer Treffer und Lemgos unaufhaltsamer Lauf
Das Tor zum 14:12 für Lemgo in der 24. Minute war ein ganz besonderer Moment: Es handelte sich um den ersten Profi-Treffer von Len Kehrmann (19), dem Sohn des Lemgo-Trainers Florian Kehrmann! Die Mannschaft aus Ostwestfalen ging mit 16:15 in die Pause und baute ihre Führung nach dem Seitenwechsel kontinuierlich aus.
Besonders dominant zeigte sich Rückraumspieler Tim Suton (29), der mit acht Treffern bester Werfer auf Lemgoer Seite war. Bereits 15 Minuten vor Spielende führte der TBV mit 27:20 – ein kaum zu fassender Vorsprung gegen den hoch favorisierten Gegner aus Magdeburg.
Bittere Bilanz für den SCM
Magdeburgs Probleme bei Siebenmetern setzten sich fort. Nach insgesamt sieben Fehlwürfen im Halbfinale verballerten auch Omar Ingi Magnusson (29) und Matthias Musche die ersten beiden Strafwürfe gegen Lemgo. Trainer Bennet Wiegert versuchte seine Mannschaft noch zu motivieren: „Männer, bleibt jetzt zusammen!“ Doch der Appell verhallte wirkungslos.
Für den TBV Lemgo-Lippe bedeutet der dritte Platz im DHB-Pokal einen wichtigen sportlichen Erfolg. Als Pokal-Dritter überspringt die Mannschaft eine Runde und startet in der nächsten Saison direkt im Achtelfinale. Für den SC Magdeburg hingegen bleibt nur die Ernüchterung: Der Champions-League-Sieger und HBL-Tabellenführer muss sich mit dem undankbaren vierten Platz begnügen – eine bittere Enttäuschung in einer ansonsten erfolgreichen Saison.



