Handball-EM: David Späth äußert sich zu respektloser Kritik nach Silbergewinn
Der Weg zur Silbermedaille bei der Handball-Europameisterschaft im Januar war für die deutsche Nationalmannschaft ein emotionaler Achterbahnritt voller Höhen und Tiefen. Zwei Schlüsselfiguren des Teams, Torwart David Späth und Rückraumspieler Juri Knorr, gewähren nun tiefe Einblicke in die öffentliche Kritik, die sogenannten Hatewellen und die teils verzerrte Wahrnehmung von außen, die das Turnier begleiteten.
Späth reagiert auf scharfe Expertenvorwürfe
Während der Handball-EM musste Nationaltorwart David Späth deutliche und nach seiner Ansicht respektlose Kritik von Experten einstecken. Trotz einer starken Paradenquote und überzeugender Leistungen wurde öffentlich behauptet, dass Bundestrainer Alfred Gislason mit Späths Aufstellung im Hauptrundenspiel gegen Dänemark das Spiel „abgeschenkt“ habe. Im exklusiven Interview mit dem kicker sprach der 23-Jährige knapp fünf Wochen nach dem Gewinn der Silbermedaille über diese teils respektlosen Aussagen.
„Ich habe großen Respekt vor Fußballern wie Florian Wirtz oder Nick Woltemade, die ebenfalls oft grundlos kritisiert werden. Das ist echt Wahnsinn, was sie durchmachen“, erklärte der DHB-Torhüter anerkennend. Er betonte jedoch, dass die Besetzung der Torwartposition im Handball nicht mit der im Fußball vergleichbar sei. Einen Torwartwechsel als Hauptgrund für eine mögliche Niederlage anzuführen – ähnlich wie wenn Manuel Neuer fehlen würde – hält Späth für eine Begründung von Menschen mit geringerem Handballverständnis.
Die kontroverse Torwartentscheidung gegen Dänemark
Ausgangspunkt der hitzigen Diskussion war die Torwartentscheidung für das Hauptrundenspiel gegen den späteren Europameister Dänemark. Späths Teamkollege Andreas Wolff hatte zuvor im Spiel gegen Norwegen mit 22 Paraden überragt und seinem Team maßgeblich zum Sieg verholfen. Im darauffolgenden Spiel begann jedoch überraschend David Späth.
„Ich habe gedacht: ‚Okay, schenken wir ab‘“, kommentierte Experte Pascal Hens diese Entscheidung damals. Auch Stefan Kretzschmar äußerte sich im Anschluss an das verlorene Spiel kritisch zur Wahl von Trainer Alfred Gislason und stellte den Torwartwechsel infrage. Späth wunderte sich darüber, dass dieselben Experten ihn vor dem Turnier noch hoch gelobt und das Torhüter-Duo als „auf Augenhöhe“ bezeichnet hatten, ihm später jedoch plötzlich die Qualität absprachen.
Starke Leistung trotz öffentlichem Druck
Trotz der Niederlage gegen die überlegene Mannschaft aus Dänemark zeigte David Späth selbst eine bemerkenswert starke Leistung. Nach knapp 45 Minuten Spielzeit lag seine Paradenquote bei nahezu 40 Prozent. „Ich glaube, besser geht es gegen Dänemark kaum“, stellte der Torwart von den Rhein-Neckar-Löwen begeistert fest.
Die öffentliche Kritik ging jedoch alles andere als spurlos an ihm vorbei. „Das hat mich fertiggemacht“, gab Späth offen zu und ergänzte: „Sie wissen gar nicht, was für eine Wirkung das auf den Spieler hat.“ Dabei hob er hervor, dass ihm die Rolle und die Qualität von Andreas Wolff als Weltklasse-Torhüter durchaus bewusst sei. Gleichzeitig betonte er aber auch seinen eigenen Wert für die Mannschaft.
Teamkollege Knorr zeigt Mitgefühl
Auch DHB-Shootingstar Juri Knorr wurde von der öffentlichen Kritik an seinem Teamkollegen beschäftigt. Beide verbindet eine enge Freundschaft, während des Turniers waren sie zudem Zimmerkollegen. Späth erzählte, dass sich sein Zimmernachbar „einiges anhören musste“.
Knorr äußerte im kicker-Interview großes Mitgefühl: „Es war eine extrem schwierige Situation für David. Er konnte in dem Spiel machen, was er wollte, aber er wird dieser Situation ausgesetzt werden.“ Der Rückraumspieler wies darauf hin, sich immer wieder bewusst zu machen, dass manche Dinge im Sport schlicht nicht kontrollierbar seien und die öffentliche Wahrnehmung oft von Emotionen geprägt sei.
Die Silbermedaille bei der Handball-Europameisterschaft bleibt somit nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern auch eine Lektion im Umgang mit medialem Druck und öffentlicher Kritik für die jungen DHB-Stars.



