Wladimir Klitschko wird 50: Box-Ikone kämpft für die Ukraine statt für ein Comeback
Wladimir Klitschko schlägt seine Jabs nach wie vor mit der Präzision eines Weltmeisters und bewegt sich federleicht durch den Ring – äußerlich wirkt die ukrainische Box-Legende keineswegs wie ein 50-Jähriger. Ein Sparring-Video, das Klitschko zu Jahresbeginn in den sozialen Medien teilte, befeuerte erneut Spekulationen über eine mögliche Rückkehr in den Profisport. Doch in der aktuellen Situation ist ein solches Comeback für den ehemaligen Schwergewichts-Champion völlig undenkbar.
Der einzige Kampf, der zählt: Die Verteidigung der Ukraine
„In meinem Kopf existiert nur ein einziges Comeback. Genau wie für jeden Ukrainer und jeden Europäer: das Comeback der russischen Truppen zurück nach Russland. In meinem emotionalen Zustand gibt es kein anderes Comeback“, erklärte Klitschko kürzlich im Gespräch mit Sandra Maischberger in der ARD. Seit nunmehr vier Jahren prägt der brutale russische Angriffskrieg auf seine ukrainische Heimat das Denken und Handeln des Sportidols maßgeblich.
Dies gilt auch an diesem Mittwoch, wenn Klitschko seinen runden Geburtstag begeht. Unermüdlich macht der Ex-Boxer seit Beginn der Invasion auf das unermessliche Leid seiner Landsleute aufmerksam. Ob direkt in Kiew, wo sein Bruder Vitali als Bürgermeister an vorderster Front gegen die Invasoren kämpft, in internationalen TV-Studios oder auf Podien wie der Münchner Sicherheitskonferenz: Klitschko ist eine unüberhörbare Stimme für sein Land.
Ungebrochener Siegeswille und tägliche Routine
„Wir verlieren unvorstellbar viel. Trotzdem wird unser Wille dadurch nur noch stärker. Selbst wenn es hundert Jahre dauern sollte – wir werden niemals aufgeben“, betonte Klitschko mit der Entschlossenheit, die ihn einst im Ring auszeichnete. Solange russische Soldaten ukrainischen Boden besetzen, bleiben Videos eines trainierenden „Dr. Steelhammer“ vor allem Zeugnis der disziplinierten Lebensweise eines ehemaligen Spitzensportlers. „Ich beherrsche es immer noch. Das ist für mich eine tägliche Routine“, so Klitschko. Wer jahrelang die Schwergewichtsklasse dominierte, verlernt dies offenbar nie.
Dennoch sei erwähnt, dass der Olympiasieger von Atlanta 1996 die Debatten um eine mögliche Rückkehr Ende 2024 selbst anheizte, als er auf X schrieb, ihn beschäftige zwar primär der Krieg, er sei aber sofort bereit, falls sich ein Kampf anbieten sollte. Die Box-Welt horchte umgehend auf. Schnell kursierten Gerüchte über ein Revanche-Duell mit Tyson Fury, der Klitschko 2015 überraschend entthront hatte.
Usyk äußert sich zu Spekulationen
„Ich würde mir diesen Rückkampf sehr gerne ansehen. Allerdings schätze ich die Wahrscheinlichkeit, dass Wladimir ausschließlich für sich selbst trainiert, auf etwa 70 Prozent ein“, sagte der aktuelle Schwergewichts-König Alexander Usyk kürzlich gegenüber dem Portal „Ready to fight“. Doch selbst wenn ein 70. Profikampf nie in Klitschkos Vita erscheinen sollte, hat der Ausnahmesportler mit 64 Siegen und nur fünf Niederlagen bereits Boxgeschichte geschrieben.
Ein filmreifes Karriereende und prägende Jahre in Deutschland
Besonders zwischen 2006 und 2015 beherrschte Klitschko die Schwergewichtsklasse nahezu nach Belieben. Nach spektakulären Vereinigungskämpfen gegen Sultan Ibragimow (2008) und David Haye (2011) hielt er zeitgleich die WM-Titel der Verbände WBA, WBO und IBF – und zog dabei Millionen Zuschauer vor die Fernseher bei RTL. Sein Einfluss auf die Box-Szene in Deutschland war immens.
Eigentlich fand Klitschkos Karriere ohnehin bereits ein filmreifes Finale. Der Kampf 2017 gegen Anthony Joshua vor 90.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion, bei dem sich beide Kontrahenten gegenseitig zu Boden schickten und letztlich der Brite triumphierte, gilt als moderner Klassiker. Was könnte da noch folgen? Ein Bruderduell gegen Vitali? Dafür ist es wohl etwas spät, zumal die Klitschkos derzeit mit existenzielleren Themen beschäftigt sind. Und überdies hatten sie einst ihrer Mutter das Versprechen gegeben, niemals als Gegner im Ring zu stehen.
An seinem 50. Geburtstag steht für Wladimir Klitschko somit fest: Der wichtigste Kampf seines Lebens findet nicht zwischen den Seilen statt, sondern für die Freiheit und Souveränität der Ukraine. Ein Comeback in den Boxsport ist für die Ikone zweitrangig geworden.



