Arda Saatci: Eine Inspiration, kein Scheitern beim Ultralauf
Arda Saatci: Inspiration, kein Scheitern

Arda Saatci hat bei der "Cyborg Season 2026" sein selbstgestecktes sportliches Ziel deutlich verpasst. Doch der Berliner Ultraläufer schafft stattdessen etwas viel Größeres. Ein Kommentar.

Nur 458,3 Kilometer nach 96 Stunden

„Nur“ 458,3 Kilometer nach 96 Stunden, „erst“ nach 123:21:10 Stunden im Ziel: Auf den ersten Blick ist Arda Saatci bei seiner Cyborg Challenge 2026 gescheitert. 600 Kilometer wollte der deutsche Extremläufer mit türkischen Wurzeln innerhalb von vier Tagen vom Death Valley bis nach Los Angeles an die Pazifikküste laufen. Am Ende dauerte es etwas mehr als fünf Tage, bis er seine Mutter am Santa Monica Pier in die Arme nehmen und mit ihr das versprochene Eis essen konnte.

Weltweite Begeisterung im Ziel

Die Bilder, wie ihm auf den letzten Metern nicht nur Hunderte Menschen zujubelten, sondern auch Dutzende in seinem Schlepptau hinter ihm her joggten, gingen um die Welt: Mehr als eine Million Zuschauer gleichzeitig verfolgten den Zieleinlauf live auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen. Am Pier wurde Saatci mit „Arda, Arda“-Sprechchören gefeiert, in den Online-Kommentaren seine Leistung bejubelt. Er selbst zeigte sich beinahe sprachlos, ehe er sagte: „Es lohnt sich immer, nach den Sternen zu greifen, auch wenn es nicht immer perfekt klappt.“

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Hindernisse auf dem Weg

Perfekt geklappt hatte auch bei seiner Challenge wahrlich nicht alles: Ein Umweg wegen eines Erdrutsches, heftiger Gegenwind und Halluzinationen durch Schlafentzug waren nur einige der Hindernisse, die Saatci überwinden musste. Wie sehr ihm all das zu schaffen machte, zeigte sich nach 96 Stunden, als er statt am Santa Monica Pier noch gut 140 Kilometer von Los Angeles entfernt war. In Tränen aufgelöst entschuldigte er sich bei seinem Team, dass er das angepeilte Ziel nicht erreicht habe, obwohl um ihn herum jeder alles gegeben habe.

Der eindrucksvollste Moment

„Der Einzige, der nicht mitgespielt hat in der Geschichte, war ich“, urteilte er über sich selbst: „Was soll ich euch sagen? Ihr wollt Arda sehen, ihr habt ihn – mit allen seinen Schwächen und Stärken.“ Bei allem Jubel nach seiner Ankunft und aller Hochachtung vor Saatcis Leistung war das der wahrscheinlich eindrucksvollste Moment der gesamten Challenge. Auch wenn manch einer das Event und die gesamte Inszenierung als reine Marketingmaßnahme von Red Bull kritisieren mag: Diese Bilder bleiben jedem, der sie gesehen hat, in Erinnerung.

Bilder des Menschen Saatci

Auf einmal wurde der „Cyborg“, dieser Modellathlet, der 2024 über 3000 Kilometer von New York nach Berlin gelaufen war und 2025 in Japan 72 Marathons in 43 Tagen absolviert hatte, zu einem ganz normalen Menschen. Und gleichzeitig zeigte er, warum der Sport nicht nur die schönste, sondern vielleicht auch die wichtigste Nebensache der Welt ist: weil er einem so viel über das Leben an sich beibringen kann.

Selbstkritik und Durchhaltevermögen

Als klar war, dass er sein selbstgestecktes Ziel nicht erreichen würde, machte er nicht andere oder die Umstände dafür verantwortlich, sondern suchte die Schuld nur bei sich selbst. Im nächsten Moment richtete er den Blick schon nach vorne. „Ich habe gegen die Zeit verloren, aber gegen meinen Schweinehund verliere ich niemals“, schwor Saatci auf einer einsamen Straße in einem Wohngebiet irgendwo in Kalifornien und versprach: „Wir bringen die Sache hier zu Ende, egal, wie lange!“ Er gab nicht auf und hielt Wort – und bewies direkt nach dem Zieleinlauf noch einmal Größe. „Wir haben’s geschafft. Wir haben es einfach geschafft“, jubelte er mit Blick auf den Pazifik. WIR, nicht ICH.

Ein Beispiel für den Sport

Selbstkritik, Durchhaltevermögen und Teamgeist: drei zentrale Charaktereigenschaften, die einem wohl nichts anderes so nahebringen können, wie es der Sport vermag. „Ich hoffe, ich habe euch nicht enttäuscht“, hatte Saatci noch unter Tränen gesagt, als die 96 Stunden abgelaufen waren. Spätestens wenn er all die Reaktionen auf seinen Lauf gesehen haben wird, wird auch er verstehen, was er wirklich erreicht hat.

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Eine Leistung, die begeistert

Arda Saatci hat in 123 Stunden, 21 Minuten und zehn Sekunden rund 6000 Höhenmeter zurückgelegt und ist dabei eine Strecke von 604,6 Kilometern gelaufen, gleichbedeutend mit etwas mehr als 14 Marathons in nur fünf Tagen. Er ist nicht gescheitert. Er hat Millionen Zuschauer begeistert und inspiriert, insbesondere hierzulande auch viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Er ist ein Gewinner, der Schwäche gezeigt hat. Der gezeigt hat, welch starken Charakter der Sport hervorbringen kann. Davon dürfen sich viele vermeintlich große Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen gerne eine Scheibe abschneiden.