Himmelsstürmer Duplantis: Emotionale Rückkehr an den Ort seines ersten Weltrekords
Die Rückkehr an den Ausgangspunkt seiner atemberaubenden Weltrekordserie löst beim Leichtathletik-Superstar Armand „Mondo“ Duplantis besondere Emotionen aus. „Torun ist ein ganz besonderer Ort für mich, denn hier habe ich meinen ersten Weltrekord geknackt“, erklärte der schwedische Stabhochspringer im Vorfeld der Hallen-Weltmeisterschaften im polnischen Torun. „Es ist ein lebensverändernder Moment, wenn man plötzlich vom Nicht-Weltrekordhalter zum Weltrekordhalter wird – das war einer meiner größten Kindheitsträume.“
Historischer Startpunkt einer außergewöhnlichen Karriere
Am 8. Februar 2020 überquerte der damals 20-jährige Duplantis mit einer Höhe von 6,17 Metern erstmals die Weltrekordmarke in seiner mittlerweile legendären Karriere. Damals reiste er als Vize-Weltmeister nach Torun, wo von Freitag bis Sonntag die Hallen-WM ausgetragen wird. Heute, nach weiteren 14 Weltrekorden, gilt der zweifache Olympiasieger und dreifache Weltmeister, den alle nur noch „Mondo“ nennen, als praktisch unschlagbar.
„Zurückzukommen, ist etwas ganz Besonderes“, betonte der aktuell größte Star der Leichtathletik. Wenn Duplantis durch die Luft fliegt, scheint die Schwerkraft für ihn außer Kraft gesetzt. Elegant und fast mühelos überquert er die Latte in schwindelerregender Höhe. Erst in der vergangenen Woche beim Hallen-Meeting in Uppsala, seinem Heimatland, meisterte er die neue Bestmarke von 6,31 Metern. Zur Veranschaulichung: Der in den USA geborene Athlet springt damit auf das Dach eines zweistöckigen Hauses.
Neue Dimensionen: 6,32 Meter als nächstes Ziel
Kaum jemand zweifelt daran, dass dieser Rekord nur ein Etappenziel des Himmelsstürmers ist. Bereits am Samstag könnte Duplantis in Torun in die nächste Stabhochsprung-Dimension vordringen – ausgerechnet dort, wo seine Weltrekordreise begann. Der Superstar peilt in der Medaillenentscheidung 6,32 Meter an und arbeitet weiter an seinem Legendenstatus. Die Goldmedaille gilt praktisch als sicher, denn seine letzte Meisterschaftsniederlage liegt fast sieben Jahre zurück.
Selbst der Grieche Emmanouil Karalis, der in diesem Jahr seine persönliche Bestleistung auf 6,17 Meter steigerte und damit der zweitbeste Stabhochspringer aller Zeiten ist, wirkt neben Duplantis wie ein Statist. Der Schwede selbst ließ bereits durchblicken, dass er sogar 6,40 Meter für möglich hält. Bei seinem jüngsten Weltrekord verwendete er einen steiferen Stab und verlängerte seinen Anlauf von 20 auf 22 Schritte. „Das hat sich noch ein bisschen fremd angefühlt“, gestand Duplantis. Der neue Stab biete noch mehr Kraftpotenzial.
Technische Feinjustierung und theoretische Grenzen
Es mache Spaß, mit den verschiedenen Komponenten zu experimentieren und zu sehen, wohin ihn das führen könnte, sagte der Athlet in einer Medienrunde wenige Tage vor dem WM-Start. Als theoretische absolute Grenze gelten nach verschiedenen Modellen etwa 6,50 Meter. Viele Experten trauen Duplantis jedoch bereits 6,35 Meter zu. Sogar die 6,40 Meter, die er selbst einmal als „eine irre Grenze“ bezeichnete, scheinen für den Ausnahmesportler nicht ausgeschlossen.
Finanzieller Erfolg und musikalische Ambitionen
Die Höhenjagd von Duplantis, der mit Model und Influencerin Desiré Inglander verlobt ist, zahlt sich nicht nur mit einer Fülle von Goldmedaillen aus. Zentimeter um Zentimeter ist der Schwede auch zu einem Millionen-Vermögen gesprungen. Jede Steigerung um einen Zentimeter bringt zusätzliche Preisgelder von Veranstaltern und Sponsoren mit sich.
Seit dem vergangenen Jahr strebt Duplantis auch in den Musikcharts nach Höhen. Kürzlich veröffentlichte er seinen neuen Song „Feelin Myself“. „Das ist wahrscheinlich nicht der beste Song, den man beim Springen hören kann“, räumte er ein. „Aber ich mag ihn wirklich sehr.“
Leichtathletik: Wenige schillernde Stars neben Duplantis
Duplantis zählt zu den wenigen über die Leichtathletik hinaus strahlenden Superstars. Weitere Namen sind der 100-Meter-Olympiasieger Noah Lyles aus den USA, die ukrainische Hochspringerin Jaroslawa Mahutschich sowie die US-Amerikanerin Sydney McLaughlin-Levrone und die Niederländerin Femke Bol, die auf 400 Meter mit und ohne Hürden spezialisiert sind. Bei der Hallen-WM in Polen fehlen jedoch McLaughlin-Levrone, Bol und Lyles – ebenso wie einige deutsche Top-Athleten.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband tritt mit einem Mini-Aufgebot von nur 14 Sportlerinnen und Sportlern an. Prominentester Name im DLV-Team ist Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye, die zu den Medaillenanwärterinnen gehört. Andere wie Weitsprung-Star Malaika Mihambo verzichten auf die WM, um sich auf die Freiluft-Saison mit der Europameisterschaft im britischen Birmingham als Höhepunkt zu konzentrieren.



