Yemisi Ogunleye kehrt mit verfeinerter Kugelstoß-Technik zu alter Stärke zurück
Für Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye ist jeder Stoß mit der Kugel „wie eine Choreo“. Bei den deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund tritt sie als klare Favoritin an – trotz einer kürzlich modifizierten Wurftechnik, die sie zu alter Stärke zurückführen soll.
Auftakt mit persönlicher Bestleistung im Visier
Noch vor dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München in der Nachbarschaft will Yemisi Ogunleye mit einer starken Leistung im Kugelstoßen glänzen. Ihr Auftritt markiert den Höhepunkt des ersten Tages der dreitägigen nationalen Titelkämpfe in der Helmut-Körnig-Halle, die sich direkt neben dem Signal Iduna Park des BVB befindet. Im vergangenen Jahr gelang Ogunleye an diesem Ort mit 20,27 Metern ihre persönliche Bestleistung, eine Marke, die sie in dieser Saison erneut anpeilt.
Die Vorfreude der Athletin ist spürbar groß: „Die Zuschauer waren letztes Jahr einzigartig und haben viel Stimmung gemacht“, erinnerte sich Ogunleye zurück. Die Vorbereitung auf die neue Saison verlief aus gesundheitlicher Sicht problemlos, was die Mannheimerin vor den Meisterschaften mit einem optimistischen Daumen nach oben signalisierte.
Technische Verfeinerung mit tänzerischen Elementen
Obwohl Ogunleye in der aktuellen Hallensaison bereits mit 19,86 Metern in Nordhausen überzeugte und damit weltweit auf Platz drei liegt, hat sie ihre Wurftechnik grundlegend überarbeitet. Die Saison ohne Olympische Spiele und Weltmeisterschaften bot die ideale Gelegenheit, an Bewegungsabläufen zu feilen. Besonderes Augenmerk legte die Drehstoßerin auf den Schwungarm, die Fußstellung und das Timing.
„Die größte Baustelle ist das Warten, bis ich die Kugel ausstoßen darf“, erklärte Ogunleye. Der gesamte Ablauf gleicht einer choreografierten Sequenz: „Es fühlt sich ein bisschen tänzerisch an – das ist wie eine Choreo, die ich immer wieder abspielen muss.“ Für die 27-Jährige, die als schnelle Athletin bekannt ist, geht es vor allem darum, diese Geschwindigkeit effektiv auf die Kugel zu übertragen.
Herausforderungen nach dem Olympiasieg
Das Jahr 2025 stellte Ogunleye vor ungewohnte Herausforderungen abseits der Sportbahn. Nach dem sensationellen Goldgewinn bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris sah sie sich mit einer Flut von Medienterminen und Anfragen konfrontiert. Trainerin Iris Manke-Reimers kommentierte: „Da ist ganz viel auf sie eingestürzt.“ Zwar empfand Ogunleye diese Erfahrungen als wertvoll, doch sie bedeuteten gleichzeitig eine zusätzliche Belastung im Trainingsalltag.
Der sechste Platz bei der Weltmeisterschaft in Tokio war zwar keine Enttäuschung, doch eine weitere Medaille blieb nach Olympia-Gold, WM- und EM-Silber in der Halle sowie EM-Bronze vorerst aus. Kurz vor den Hallen-Meisterschaften wirkt Ogunleye jedoch entspannt und gelöst – eine wichtige Grundvoraussetzung für Spitzenleistungen.
Nationale und internationale Konkurrenz
Neben den internationalen Rivalinnen sieht sich Ogunleye auch im nationalen Rahmen mit starken Konkurrentinnen konfrontiert. Katharina Maisch und Alina Kenzel gehören zu den deutschen Kugelstoßerinnen, die ebenfalls um Medaillen kämpfen. „Ich freue mich, wenn wir die Welt ein bisschen unsicher machen können“, sagte Ogunleye mit Blick auf die kommenden Wettkämpfe.
Ihr nächstes großes Ziel ist die Hallen-Weltmeisterschaft in Polen vom 20. bis 22. März, wo sie Medaillenchancen hat. Der Saisonhöhepunkt folgt dann im August mit der Europameisterschaft in Birmingham, wo Ogunleye erneut zeigen will, dass sie mit ihrer verfeinerten Technik zurück zu alter Stärke gefunden hat.



