Emotionaler Premierensieg: Kimi Antonelli triumphiert in Shanghai
Nach einer atemberaubenden Vorstellung auf der Rennstrecke von Shanghai brach der junge Kimi Antonelli in Tränen aus. Der Teenager von Mercedes feierte in seinem erst 26. Formel-1-Rennen seinen ersten Sieg in der Königsklasse des Motorsports und stieg fast ungläubig auf die oberste Stufe des Podests. Mit nur 19 Jahren und 202 Tagen bescherte der Italiener den Silberpfeilen den zweiten Doppelerfolg in dieser noch jungen Saison, nachdem er Teamkollege George Russell auf Platz zwei verwies.
Historischer Moment für italienischen Motorsport
Der italienische „Corriere della Sera“ titelte begeistert: „Tränen, Stolz, ein Märchen.“ Tatsächlich markiert Antonellis Triumph den ersten Formel-1-Sieg eines Italieners seit Giancarlo Fisichella im Jahr 2006. „Mir fehlen die Worte, mir kommen die Tränen. Mein Team hat mir geholfen, diesen Traum wahr werden zu lassen“, sagte der sichtlich aufgewühlte Rennfahrer nach dem Zieleinlauf.
Hamilton feiert Podest-Premiere für Ferrari
Während Antonelli die Zukunft verkörpert, konnte Formel-1-Altstar Lewis Hamilton einen persönlichen Meilenstein feiern. Der Rekordchampion raste als Dritter erstmals für Ferrari auf das Podium und beendete damit eine enttäuschende Premierensaison bei der Scuderia. Hamilton lieferte sich ein packendes Duell mit Teamkollege Charles Leclerc und zeigte, dass mit dem wiedererstarkten Ferrari-Team wieder zu rechnen ist.
Der 41-jährige Brite zeigte sich großzügig gegenüber seinem Nachfolger bei Mercedes: „Ich freue mich so sehr für dich, Kumpel, und es ist mir eine große Ehre, diesen Moment mit ihm teilen zu dürfen. Er hat meinen Platz in diesem großartigen Team eingenommen, daher ein großes Lob an Mercedes.“
Bonnington: „Hier Vergangenheit, da Zukunft“
Renningenieur Peter Bonnington, der erfolgreich mit Hamilton zusammengearbeitet hat und sich nun um das Nachwuchstalent kümmert, brachte die besondere Situation auf den Punkt: „Mit Lewis und Kimi verbinde ich eine tolle Geschichte. Hier ist einer der Großen der Vergangenheit und da ist einer der Großen der Zukunft.“ Bonnington gratulierte Antonelli mit den Worten: „Klasse gemacht, Kumpel. Erster Rennsieg. Daran wirst du dich für immer erinnern.“
Rekordjagd und Nervenkitzel
Bereits am Tag vor seinem Sieg hatte Antonelli mit seiner ersten Pole Position Sebastian Vettel (21 Jahre und 72 Tage) als jüngsten Pole-Mann in der Formel-1-Geschichte abgelöst. Allerdings bleibt Max Verstappen der jüngste Rennsieger aller Zeiten – der Niederländer war bei seinem ersten Karriereerfolg 2016 in Barcelona mit 18 Jahren und 228 Tagen noch etwas jünger.
Der Sieg in Shanghai verlief nicht ganz ohne Nervenkitzel. Kurz vor Rennende sorgte ein Bremsplatten für eine Schrecksekunde, wie Antonelli später zugab: „Das hat mir einen kleinen Herzinfarkt eingebracht.“
Wolff: „Marschroute mit Höhen und Tiefen“
Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der Antonelli bereits mit elf Jahren ins Nachwuchsprogramm geholt hatte, zeigte sich stolz auf die Entwicklung seines Schützlings: „Er hat einen unglaublichen Weg gemacht, aber auch Rückschläge erlebt. Im vergangenen Jahr haben viele gesagt, dass das alles zu früh komme.“ Wolff erklärte die Strategie: „Aber genau das war die Marschroute: ein Jahr lang mit Höhen und Tiefen. Er ist jung, man muss ihm diese Fehler verzeihen. Und jetzt fährt er im zweiten Grand Prix das Rennen gnadenlos nach Hause.“
Desaster für McLaren und Verstappen
Während Mercedes jubelte, erlebten andere Teams ein frustrierendes Wochenende. Konstrukteurschampion McLaren musste bereits vor dem Start kapitulieren – sowohl Lando Norris als auch Oscar Piastri konnten wegen Elektronikproblemen an ihren Power Units nicht antreten. Piastri bedauerte trocken: „Es ist schon eine Weile her, dass ich zwei Formel-1-Rennen nur von der Seitenlinie aus verfolgt habe.“
Auch Max Verstappen durchlitt mit Red Bull ein weiteres Frust-Wochenende. Der viermalige Weltmeister musste zehn Runden vor Schluss mit defekter Kühlung parken, nachdem er sich auf Position sechs befunden hatte. Verstappen beklagte: „Dieses Wochenende war besonders schlimm. Es würde schon mal helfen, wenn wir endlich einen normalen Start hinlegen könnten.“
Lob vom Konkurrenten
Trotz eigener Probleme fand Verstappen anerkennende Worte für den Sieger: „Er ist schnell. Das wird nicht sein letzter Sieg sein, aber der erste ist natürlich immer sehr emotional.“
Dominante Vorstellung
Antonelli kontrollierte das Rennen von vorne und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf Teamkollege Russell 5,5 Sekunden, auf Hamilton sogar 25,2 Sekunden und auf Leclerc 28,8 Sekunden. Der junge Italiener bleibt bescheiden: „Wir stehen erst am Anfang, wir geben weiter Vollgas. Ich freue mich jetzt auf den Rest der Saison. Ich konzentriere mich auf jedes einzelne Rennen, also werden wir sehen, wo wir am Ende des Jahres stehen.“
Hülkenberg beendet Rennen
Nico Hülkenberg konnte eine Woche nach seinem Technik-Aus in Melbourne den Großen Preis von China immerhin zu Ende fahren, verpasste im Audi als Elfter aber knapp einen Punkt. „Es ist gut, das Rennen beendet zu haben. Die Kilometer und die Infos sind viel wert“, resümierte der deutsche Fahrer.
Die Fans in Shanghai kamen trotz der Absagen der Grands Prix in Bahrain und Saudi-Arabien aufgrund der militärischen Eskalation im Nahen Osten auf ihre Kosten und erlebten ein packendes Rennen mit einem historischen Sieger.



