Lewis Hamilton feiert ersten Ferrari-Podestplatz nach bewegter Anfangszeit
Hamilton: Erster Ferrari-Podestplatz nach Krise

Erster Ferrari-Podestplatz beendet Hamiltons Durststrecke

Lewis Hamilton wusste nach dem Rennen in Shanghai kaum, wohin mit seiner Freude. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister feierte seinen ersten Podestplatz für Ferrari – und gleichzeitig konnte er den Triumph seines Nachfolgers bei Mercedes miterleben. Der erst 19-jährige Kimi Antonelli gewann sein erstes Grand-Prix-Rennen und wurde damit zum zweitjüngsten Sieger der Formel-1-Geschichte.

Gelöstheit nach monatelangen Zweifeln

Hamilton, mittlerweile 41 Jahre alt, wirkte nach dem dritten Platz in China spürbar erleichtert. Er umarmte beinahe jeden, der ihm über den Weg lief, und strahlte eine Zufriedenheit aus, die man lange nicht mehr bei ihm gesehen hatte. "Das war eines der spaßigsten Rennen, das ich seit Langem hatte, vielleicht sogar das spaßigste überhaupt", bekannte der Brite nach dem Zieleinlauf.

Diese Worte klingen nach reiner Erleichterung – und das aus gutem Grund: Die Saison 2025 war für Hamilton eine einzige berufliche und persönliche Herausforderung gewesen. Sein Debütjahr beim italienischen Traditionsteam entwickelte sich zum Reinfall:

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  • Das Ferrari-Auto war kaum konkurrenzfähig
  • Teamkollege Charles Leclerc zeigte sich meist schneller
  • Hamiltons eigene Form und Zuversicht befanden sich im Sinkflug

Der Rekordweltmeister kämpfte nicht nur mit der Technik, sondern auch mit sich selbst. Am Ende stellte er sich sogar die existenzielle Frage, warum er sich das alles überhaupt noch antun sollte.

Kritische Stimmen und persönlicher Rückzug

Einige Experten, darunter der ehemalige Formel-1-Fahrer und heutige TV-Kommentator Ralf Schumacher, rieten Hamilton bereits öffentlich, über einen vorzeitigen Rücktritt nachzudenken. Die Stimmen wurden lauter, die behaupteten, er habe den richtigen Zeitpunkt verpasst und beschädige nun sein eigenes sportliches Vermächtnis.

Der kritisierte Fahrer suchte seinen eigenen Weg durch die Krise: Er zog sich für mehr als einen Monat komplett ins Private zurück – weg von der Öffentlichkeit, weg von sozialen Medien, weg vom permanenten Leistungsdruck. Hamilton hoffte inständig, dass mit der neuen Ferrari-Generation für die aktuelle Saison sowohl der Erfolg als auch der Spaß am Rennsport zurückkehren würden.

Technische Veränderungen bringen Wendepunkt

Erste Eindrücke aus dem Simulator hatten Hamilton vorsichtig optimistisch gestimmt, und die Wintertests in Barcelona schienen diesen Eindruck zu bestätigen. Die etwas kleineren, leichteren und wendigeren Wagen lagen ihm deutlich besser als die trägen Ground-Effect-Boliden, mit denen die Formel 1 seit 2022 unterwegs war.

Interessanterweise schienen die neuen Regeln mit Fokus auf Energierückgewinnung Hamilton anfangs nicht zu liegen. Bis kurz vor dem Saisonstart in Melbourne zählte er noch zu den lautesten Kritikern, gemeinsam mit den Superstars Max Verstappen und Fernando Alonso. Doch als Hamilton erkannte, dass ihm diese technischen Vorgaben in manchen Situationen sogar zugutekommen könnten, verstummten seine Beschwerden schlagartig.

Überzeugende Leistung in Shanghai

In Melbourne wurde Hamilton vor einer Woche bereits Vierter, nun folgte beim zweiten Saisonrennen in China der dritte Platz. Besonders bemerkenswert: Im Qualifying sieht Hamilton jetzt deutlich besser aus gegen seinen Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc – ausgerechnet in jener Disziplin, die lange als Paradefach des Monegassen galt.

Hamilton hatte sich im Qualifying von Shanghai als Dritter vor Teamkollege Leclerc platziert und übernahm nach dem Rennstart sogar kurz die Führung. Dank ihrer kleineren, schneller ansprechenden Turbolader sind die Ferraris in der Startphase derzeit allen anderen Teams überlegen. Im Rennverlauf selbst zeigte sich jedoch Mercedes als stärkste Kraft.

Der erfahrene Brite erkannte in Shanghai rasch die Kräfteverhältnisse, verzettelte sich nicht in aussichtslosen Duellen mit den Mercedes-Fahrern und konzentrierte sich stattdessen darauf, Platz drei gegen seinen Teamkollegen zu verteidigen. Nach mehreren Positionswechseln und einer leichten Berührung – "nur ein kleiner Kuss", grinste Hamilton später – fiel die Entscheidung in Runde 35: Leclerc verbremste sich heftig und kam danach nicht mehr heran.

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Generationen-Treffen auf dem Podium

Auf der anschließenden Pressekonferenz sprach Hamilton auf die Frage nach seinen Gefühlen zum ersten Ferrari-Podium zunächst gar nicht über sich selbst – sondern darüber, wie sehr er sich freue, gemeinsam mit seinem jungen Mercedes-Nachfolger Antonelli auf dem Podium zu stehen. Er erinnere sich noch gut an seinen eigenen ersten Sieg 2007, sagte Hamilton.

Worauf Antonelli trocken entgegnete: "Da war ich gerade ein Jahr alt." Beide schüttelten lachend den Kopf. "Unglaublich, oder?", meinte Hamilton sichtlich amüsiert über diese Generationen-Kollision.

Rückkehr zu alter Stärke

"Ich bin in diese Saison mit dem Selbstvertrauen gestartet, das ich früher einmal hatte", analysierte Hamilton seine aktuelle Verfassung. "Und hier in China kam noch die unglaubliche Unterstützung der Fans dazu – vielleicht die größte, die ich je erlebt habe. Das hat mich zusätzlich motiviert."

Physisch und mental fühle er sich "in der besten Verfassung, in der ich je war". Der Winter habe intensive Arbeit mit den Ferrari-Ingenieuren gebracht: "Ich bin froh, dass sie mir zugehört und vieles von dem umgesetzt haben, was ich mir für das neue Auto gewünscht habe." Dieser Satz lässt sich durchaus als kleiner Seitenhieb auf die Kommunikationsprobleme aus dem Krisenjahr 2025 verstehen.

Auf dem Podium stand als Mercedes-Vertreter noch ein alter Vertrauter: Peter "Bono" Bonnington, Hamiltons langjähriger Renningenieur aus den WM-Jahren, der jetzt für Antonelli zuständig ist. "Der alte Lewis scheint wieder zurück zu sein, das ist unglaublich schön", kommentierte Bonnington die Entwicklung seines ehemaligen Schützlings.

Zum alten Hamilton gehörte allerdings stets auch der Sieg. Zeit dafür bleibt noch reichlich – die Saison hat gerade erst begonnen, und der siebenfache Weltmeister scheint endlich wieder in seiner Element zu sein.