Erlösung für Lewis Hamilton: Erster Ferrari-Podestplatz in Shanghai
Nach einem bewegten und enttäuschenden ersten Jahr bei Ferrari hat Lewis Hamilton endlich Grund zur Freude. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister feierte beim Großen Preis von China seinen ersten Podestplatz für das italienische Traditionsteam und wirkte danach so gelöst wie seit langem nicht mehr.
Ein Jahr der Zweifel und der Wendepunkt
Die Saison 2025 war für Hamilton eine echte Herausforderung gewesen. Sein Debüt bei Ferrari verlief enttäuschend: Das Auto war kaum konkurrenzfähig, Teamkollege Charles Leclerc meist schneller, und Hamiltons eigene Form sowie sein Selbstvertrauen befanden sich im Sinkflug. Der Brite kämpfte nicht nur mit technischen Problemen, sondern auch mit sich selbst und stellte sich ernsthafte Sinnfragen.
Einige Experten, darunter der ehemalige Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher, rieten Hamilton sogar, über einen Rücktritt nachzudenken. Die Kritik, er habe den richtigen Zeitpunkt verpasst und beschädige sein eigenes Vermächtnis, wurde immer lauter. Hamilton zog sich daraufhin für über einen Monat komplett aus der Öffentlichkeit zurück, um Abstand zu gewinnen.
Neue Regeln, neues Glück
Mit der neuen Ferrari-Generation für die aktuelle Saison kehrte langsam der Optimismus zurück. Die Wintertests in Barcelona bestätigten erste positive Eindrücke aus dem Simulator: Die kleineren, leichteren und wendigeren Wagen lagen Hamilton deutlich besser als die trägen Ground-Effect-Boliden der Vorjahre.
Doch auch die neuen Regularien mit Fokus auf Energierückgewinnung bereiteten anfangs Probleme. Bis kurz vor dem Saisonstart in Melbourne zählte Hamilton neben Max Verstappen und Fernando Alonso zu den lautesten Kritikern. Als er jedoch erkannte, dass ihm diese Vorgaben in manchen Situationen sogar zugutekommen könnten, verstummten seine Beschwerden.
Der Durchbruch in China
In Shanghai zeigte Hamilton dann seine beste Leistung seit seinem Wechsel zu Ferrari:
- Im Qualifying platzierte er sich als Dritter vor Teamkollege Leclerc
- Nach dem Start übernahm er kurzzeitig sogar die Führung
- Im Rennen verteidigte er Platz drei konsequent gegen Leclerc
- Nach einer leichten Berührung in Runde 35 fiel die Entscheidung endgültig
„Das war eines der spaßigsten Rennen, das ich seit Langem hatte, vielleicht sogar das spaßigste überhaupt“, strahlte Hamilton nach dem Rennen. Seine Worte klangen nach reiner Erleichterung.
Besondere Podiumsgemeinschaft
Besonders bewegend war für Hamilton die Podiumsgemeinschaft mit Kimi Antonelli. Der erst 19-jährige Mercedes-Fahrer gewann in Shanghai sein erstes Formel-1-Rennen und wurde damit zum zweitjüngsten Grand-Prix-Sieger der Geschichte.
Auf der Pressekonferenz sprach Hamilton zunächst gar nicht über seinen eigenen Erfolg, sondern darüber, wie sehr er sich für den jungen Nachfolger bei Mercedes freue. Als Antonelli trocken bemerkte, dass er bei Hamiltons erstem Sieg 2007 gerade ein Jahr alt gewesen sei, schüttelten beide lachend den Kopf.
Rückkehr zu alter Stärke
„Ich bin in diese Saison mit dem Selbstvertrauen gestartet, das ich früher einmal hatte“, erklärte Hamilton. „Und hier in China kam noch die unglaubliche Unterstützung der Fans dazu – vielleicht die größte, die ich je erlebt habe. Das hat mich zusätzlich motiviert.“
Der Brite betonte, dass er sich physisch und mental in der besten Verfassung seines Lebens fühle. Entscheidend war auch die verbesserte Zusammenarbeit mit den Ferrari-Ingenieuren: „Ich bin froh, dass sie mir zugehört und vieles von dem umgesetzt haben, was ich mir für das neue Auto gewünscht habe.“
Auf dem Podium traf Hamilton auch auf einen alten Vertrauten: Peter „Bono“ Bonnington, sein langjähriger Renningenieur aus den WM-Jahren bei Mercedes, der jetzt Antonelli betreut. „Der alte Lewis scheint wieder zurück zu sein, das ist unglaublich schön“, kommentierte Bonnington.
Nach diesem wichtigen psychologischen Erfolg bleibt für Hamilton nun nur noch ein Ziel: der erste Sieg für Ferrari. Die Saison hat gerade erst begonnen, und der siebenfache Weltmeister wirkt endlich wieder wie der alte Hamilton.



