Sabine Schmitz: Die unerreichte Königin des Nürburgrings
Heute vor fünf Jahren, am 16. März 2021, schied eine der größten Persönlichkeiten des deutschen Motorsports viel zu früh aus dem Leben. Sabine Schmitz, die als erste und bis heute einzige Frau das legendäre 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann, verstarb im Alter von nur 51 Jahren nach einem langen Kampf gegen den Krebs. Ihre Geschichte ist untrennbar mit der berühmten Rennstrecke in der Eifel verbunden, die sie wie keine andere prägte.
Historische Triumphe in der Grünen Hölle
Im Jahr 1996 schrieb Sabine Schmitz unter ihrem damaligen Nachnamen Reck Motorsport-Geschichte. Als erste Frau überhaupt triumphierte sie beim extrem anspruchsvollen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring – ein Erfolg, den sie im folgenden Jahr 1997 eindrucksvoll wiederholte. Bis zum heutigen Tag bleibt sie die einzige Frau in der Siegerliste dieses prestigeträchtigen Rennens. Diese doppelten Siege etablierten sie als unangefochtene Königin der Nordschleife und machten sie zur Legende im Motorsport.
Ein Leben für und mit dem Nürburgring
Die Motorsport-Karriere von Sabine Schmitz begann praktisch vor ihrer Haustür. Geboren in Adenau und aufgewachsen in Nürburg, verbrachte sie ihr gesamtes Leben in unmittelbarer Nähe zur berühmten Rennstrecke. Mehr als 33.000 Runden drehte sie auf der 20,832 Kilometer langen Nordschleife – eine Zahl, die ihre tiefe Verbundenheit mit dieser legendären Rennstrecke unterstreicht.
Im von ihrer Familie geführten Hotel Tiergarten in Nürburg, genauer gesagt im angeschlossenen Restaurant Pistenklause, verkehrten regelmäßig die Größen des Motorsports. Hier entwickelte die gelernte Hotelfachfrau und Sommelière ihre Leidenschaft für den Rennsport. Ihre Mutter Ursula erzählte gerne, wie die kleine Sabine besonders auf dem Schoß von Rennsport-Legende Niki Lauda saß – eine Anekdote, die ihre frühe Verbindung zur Motorsport-Welt illustriert.
Vielseitige Karriere und persönliches Engagement
Nach ihren spektakulären Rennerfolgen blieb Sabine Schmitz dem Nürburgring auf vielfältige Weise verbunden:
- Jahrelang steuerte sie Touristen als Fahrerin des legendären Ring-Taxis über die anspruchsvolle Strecke
- Sie moderierte verschiedene Motorsport-TV-Formate, darunter die Kultsendung Top Gear
- Gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Klaus Abbelen gründete sie 2005 den Rennstall Frikadelli Racing
Der schwere Kampf gegen den Krebs
Ende 2017 erhielt Sabine Schmitz die niederschmetternde Diagnose: Vulvakarzinom. Die anschließende Chemotherapie löste bei ihr einen septischen Schock aus, der sie in akute Lebensgefahr brachte. Mit ihrem typischen Humor kommentierte sie diese schwere Zeit: „Ich sollte wohl in die Hölle, das war nicht so schön. Die ‚Grüne‘ wäre ja noch gegangen.“ Trotz dieses Rückschlags kämpfte sie sich zurück ins Leben und kehrte sogar auf die Rennstrecke zurück.
Doch Mitte 2020 kehrte der Krebs mit voller Härte zurück. Im Frühjahr 2021 verlor Sabine Schmitz ihren härtesten Kampf. Das Team von Frikadelli Racing drückte in einem bewegenden Statement die tiefe Trauer aus: „Wir sind unglaublich trauernd und dankbar für die tolle gemeinsame Zeit.“
Ein bleibendes Vermächtnis
Ein halbes Jahr nach ihrem Tod wurde Sabine Schmitz eine besondere Ehre zuteil: Auf dem Nürburgring wurde im Beisein ihrer Familie die Sabine-Schmitz-Kurve eingeweiht. Diese Linkskurve der Nordschleife trägt nun für immer ihren Namen und bewahrt ihr Andenken.
Im Jahr 2023 sorgte Frikadelli Racing für einen besonders emotionalen Moment, als das Team erstmals das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann. Klaus Abbelen widmete diesen Triumph unmittelbar seiner verstorbenen Frau: „Diesen unerwarteten Erfolg widmen mein Team und ich vor allem Sabine, die sicher im Himmel zugeschaut und uns die Daumen gedrückt hat.“
Sabine Schmitz bleibt als Pionierin, als Königin der Nordschleife und als unvergessene Persönlichkeit des deutschen Motorsports in Erinnerung. Ihre historischen Erfolge, ihre Leidenschaft für den Nürburgring und ihr mutiger Kampf gegen die Krankheit machen sie zu einer wahren Legende, deren Vermächtnis weit über den Motorsport hinausreicht.



