Athleten Deutschland fordern Reformen nach Olympischen Winterspielen
Die unabhängige Sportlervertretung Athleten Deutschland drängt nach den Olympischen Winterspielen von Mailand und Cortina auf umfassende Reformen im deutschen Spitzensport. In einer aktuellen Stellungnahme am Sonntag machte der Verein deutlich, dass die Diskussion über das deutsche Abschneiden im Medaillenspiegel erneut grundlegende Defizite der Sportförderung offengelegt habe.
Defizite in der Spitzensportförderung
„Die Diskussion über das Abschneiden im Medaillenspiegel hat erneut die Defizite der Spitzensportförderung offengelegt“, heißt es in der Erklärung des Lobbyvereins. Konkret werden zersplitterte Zuständigkeiten, steigende Kosten, Nachwuchsmangel sowie hohe Eigenbeteiligungen in einigen Sportarten für Athletinnen und Athleten als zentrale Probleme benannt.
Das deutsche Team war in Italien mit 26 Medaillen – darunter 8x Gold, 10x Silber und 8x Bronze – unter den Erwartungen geblieben und landete im Medaillenspiegel nur auf Platz fünf. Diese Platzierung unterstreicht nach Ansicht der Athletenvertretung die Dringlichkeit von Veränderungen.
Forderungen nach sozialer Absicherung und Basisförderung
Geschäftsführer Johannes Herber betonte: „Das Sportfördergesetz und die geplante Spitzensportagentur sind ein erster Schritt, um die Förderung stringenter und zielgerichteter zu gestalten.“ Gleichzeitig müsse die Bundesregierung zentrale Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen.
„Dazu gehört der Ausbau der sozialen Absicherung und eine deutliche Erhöhung der Basisförderung“, so Herber weiter. „800 Euro Sporthilfe-Förderung sind als Mitglied des Olympiakaders entschieden zu wenig, um professionell und fokussiert Sport auf Weltspitzenniveau zu betreiben.“
Weitere Reformbereiche und politische Reaktionen
Die Athleten Deutschland sehen weiteren Reformbedarf in folgenden Bereichen:
- Good Governance in den Sportverbänden
- Schutz der Sportlerinnen und Sportler in starken Abhängigkeitsverhältnissen
- Bewältigung von Hass in Sozialen Netzwerken
„Hatespeech ist kein Randphänomen, sondern eine reale Belastung“, sagte Herber und verwies auf die Fürsorgepflicht der Verbände. Positiv erwähnte er den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für dessen „KI-Filter gegen Beleidigungen und Drohungen“.
Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) warnte in ihrem Fazit zu den Spielen bereits vor den bekannten Reflexen: „Wir brauchen echte Reformen – bloße Forderungen nach mehr Geld werden uns nicht weiterhelfen“, sagte die Politikerin.
Die Athleten Deutschland betonen, dass es nach den Olympischen Winterspielen von Mailand und Cortina nicht nur um Medaillen gehe, sondern um eine nachhaltige Verbesserung der Rahmenbedingungen für Deutschlands Spitzensportlerinnen und Spitzensportler.



