Olympia-Kuriosität: Russin läuft mit deutschen Skiern weg - Hennig Dotzler reagiert gelassen
Die olympische Karriere von Katharina Hennig Dotzler endete mit einer skurrilen Episode, die wohl in die Annalen des Wintersports eingehen wird. Bei der Premiere des 50-Kilometer-Langlaufrennens für Frauen bei den Winterspielen in Tesero nahm die unter neutraler Flagge startende Russin Darija Neprjajeva versehentlich die Skier der deutschen Athletin.
Ein unfreiwilliger Ski-Diebstahl mit Folgen
„Ich habe erst im Ziel richtig erfahren, was passiert ist“, erklärte die 29-jährige Hennig Dotzler nach dem Rennen. Die Sächsin belegte am Ende den neunten Platz, während Neprjajeva nach ihr ins Ziel kam und später disqualifiziert wurde. Noch im Zielbereich entschuldigte sich die Russin bei ihrer deutschen Konkurrentin mit ausdrucksstarken Gesten.
„Sie hat sich bei mir entschuldigt. Sie war ganz durcheinander“, schilderte Hennig Dotzler die Situation. Trotz der ungewöhnlichen Umstände zeigte sich die Deutsche verständnisvoll: „Das tut mir ehrlich gesagt auch ein bisschen leid, weil das macht ja keiner mit Absicht.“
Teamchef Schlickenrieder: „Das ist was für die Geschichtsbücher“
Wie seine Athletin zeigte sich auch Teamchef Peter Schlickenrieder nach dem letzten Langlaufrennen dieser Winterspiele nicht verärgert. „Das sind die Geschichten, die oftmals mehr wiegen als eine Medaille. Das wirst du dein Leben nicht vergessen“, sagte der 56-Jährige. „Das ist was für die Geschichtsbücher, für die Enkelkinder.“
Schlickenrieder zog einen anschaulichen Vergleich: „Das ist, wie wenn man bei der Formel 1 in die falsche Boxengasse fährt, wenn der Ferrari beim McLaren reinfährt.“ Im 50-Kilometer-Rennen ist es üblich, dass die Sportlerinnen ihre Skier zwischendurch wechseln. Neprjajeva hatte jedoch die falsche Wechselbox genutzt und damit zum falschen Material gegriffen.
Technikerteam musste kurzfristig reagieren
Die deutschen Skitechniker standen vor einer logistischen Herausforderung. „Zu diesem Zeitpunkt war das Technikerteam bereits in der Mittagspause, der Wachstruck war im Prinzip heruntergefahren. Wir mussten also alles wieder hochfahren, einen halben Truck neu aufbauen“, erklärte Cheftechniker Lukas Ernst.
Die improvisierte Lösung funktionierte: Rund 20 Kilometer vor Rennende konnte Hennig Dotzler ihre Skier wechseln und das Rennen regulär beenden. Das schwedische Podium dominierte das Rennen, das Ebba Andersson mit mehr als zwei Minuten Vorsprung vor der Norwegerin Heidi Weng gewann.
Hintergrund: Diskussion um das neue Wettkampfformat
Der kuriose Vorfall überlagerte die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des neuen Wettkampfformats für Frauen bei Winterspielen, das das traditionelle 30-Kilometer-Rennen abgelöst hat. Tags zuvor hatte sich Hennig Dotzler noch deutlich gegen die Neuerung ausgesprochen.
„Diese ganzen Strecken-Anpassungen: Das hat für mich nichts mit Gleichberechtigung zu tun“, hatte die Olympiasiegerin im Team Sprint von 2022 erklärt. „Wir Frauen haben einen anderen Körper. Die Biologie ist eine andere. Da fühle ich mich auch nicht diskriminiert. Das ist halt einfach so. Wir haben halt andere Stärken. Deswegen finde ich, muss eine Frau nicht 50 Kilometer laufen.“
Bilanz des deutschen Langlauf-Teams
Für das deutsche Langlauf-Team steht am Ende ein Podestplatz in der Olympia-Bilanz von Italien. Laura Gimmler und Coletta Rydzek sicherten sich Bronze im Team Sprint. Bei den Winterspielen vor vier Jahren in China hatte es nicht nur Gold in dieser Disziplin, sondern auch Silber in der Frauen-Staffel gegeben.
An beiden Medaillen war Victoria Carl beteiligt gewesen. Die 30-Jährige ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt und konnte daher nicht an den aktuellen Spielen teilnehmen. Trotz des kuriosen Zwischenfalls bleibt Hennig Dotzler positiv: „Es war irgendwie bezeichnend, so wie ein Sportlerleben ist: Es gibt Aufs und Abs, wo man mit zurechtkommen muss und wo man einen kühlen Kopf bewahren muss.“



