Biathlon-Star Vanessa Voigt: Zwischen Erholung und Verpflichtung
Nach den Olympischen Winterspielen 2026 hat die deutsche Biathletin Vanessa Voigt deutliche Worte zu den Schattenseiten des Profisports gefunden. Die 28-jährige Sportlerin, die bei den Spielen in der Mixed-Staffel Bronze gewann, sprach nach dem Massenstart in Antholz über ihre Entscheidung, eine Social-Media-Pause einzulegen. Grund dafür waren zahlreiche Hasskommentare, die sie nach einem vierten Platz im olympischen Einzel erreicht hatten.
Die Last der digitalen Welt
„Ich war die letzten Tage wirklich die glücklichste Person. Dieses Instagram, das braucht einfach kein Mensch“, erklärte Voigt mit spürbarer Erleichterung. Die Athletin hatte die App für die letzten Rennen in Antholz sogar komplett von ihrem Smartphone gelöscht, um sich vollständig auf ihre sportlichen Leistungen konzentrieren zu können. Diese radikale Maßnahme zeigte Wirkung: Voigt erreichte im Massenstart einen respektablen siebten Platz und konnte die negativen Einflüsse erfolgreich ausblenden.
Dennoch betonte die Biathletin, dass die meisten Nachrichten durchaus positiv und unterstützend seien. „Es sind nur Kommentare, und die meisten sind wirklich lieb und positiv“, räumte sie ein. Doch die wenigen negativen Botschaften – selbst wenn es nur drei oder vier seien – blieben besonders hartnäckig im Gedächtnis haften und beeinträchtigten ihr psychisches Wohlbefinden.
Institutionelle Kritik am digitalen Umgang
Voigts Erfahrungen sind kein Einzelfall im deutschen Biathlon. Erst vor kurzem hatte Felix Bitterling, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbands (DSV), den Umgang mit Athletinnen und Athleten in sozialen Netzwerken scharf kritisiert. Nach den insgesamt enttäuschenden Leistungen bei den Olympischen Spielen prangerte er persönliche Beleidigungen und Hassbotschaften an.
„Ob man deswegen jemanden persönlich beleidigen, ihm erzählen muss, er hätte kein Recht zu leben, und so weiter, das glaube ich nicht“, erklärte Bitterling gegenüber SPORT1. Er äußerte die Hoffnung, dass solche digitalen Übergriffe in Zukunft strafrechtlich verfolgt werden könnten, um Sportler besser zu schützen.
Die unausweichliche Rückkehr
Für Vanessa Voigt ist die dauerhafte Abwesenheit von sozialen Medien jedoch keine realistische Option. „Ich weiß, dass ich es mir jetzt wieder runterladen werden muss“, gestand die Biathletin. Diese Entscheidung fällt nicht aus persönlichem Vergnügen, sondern aus vertraglichen Verpflichtungen heraus.
Die Sponsoren der Sportlerin haben klare Erwartungen an ihre Präsenz in digitalen Kanälen. „Wahrscheinlich wird es mich erstmal komplett überfordern wieder, aber jetzt kommen dann auch wieder die Sponsoren ins Spiel, das ist vertraglich alles festgelegt“, erläuterte Voigt die Situation. Für Profisportler gehöre diese Art der Öffentlichkeitsarbeit einfach zum Beruf dazu, aus der man nicht einfach aussteigen könne.
Dennoch plant die Athletin, mit der Rückkehr anders umzugehen. Sie möchte lernen, bestimmte Kommentare bewusst zu überlesen und sich nicht von jedem negativen Beitrag beeinflussen zu lassen. Ihre kurze Auszeit hat gezeigt, wie wertvoll ungestörte Konzentration auf den Sport sein kann – auch wenn die digitale Welt sie bald wieder einholen wird.



