Juri Hollmanns Nahtoderfahrung nach Giro-Sturz: Operationen ohne Narkose und Dopingkontrolle im Rollstuhl
Hollmann über Nahtoderfahrung nach Giro-Sturz: Operationen ohne Narkose

Radprofi Juri Hollmann berichtet von Nahtoderfahrungen nach schwerem Giro-Sturz

Der deutsche Radprofi Juri Hollmann hat erstmals ausführlich über seinen lebensbedrohlichen Unfall beim Giro d'Italia im Mai 2025 gesprochen. Der 26-Jährige stürzte auf der sechsten Etappe mit fast 70 km/h ungebremst gegen ein Straßenschild und erlitt dabei einen Armbruch sowie einen Trümmerbruch des Beckens.

"Glück im Unglück" und schneller Transport in Spezialklinik

"Die Wahrscheinlichkeit, das zu überleben, ist nicht so hoch. Also habe ich das Schild ziemlich gut getroffen. Man kann von Glück im Unglück reden", sagte Hollmann im Gespräch mit Ex-Profi Rick Zabel. Nach dem Aufwachen im Krankenhaus von Neapel wurde der verletzte Sportler zügig mit einem Privatjet in eine Spezialklinik im belgischen Herentals gebracht.

Lebensbedrohliche Komplikationen und ungewöhnliche Operationen

Dort wurde zunächst der deformierte Arm operiert, doch einen Tag später erlitt Hollmann eine lebensgefährliche Lungenembolie aufgrund einer Thrombose. Er musste per Nottransfer ins Uniklinikum Antwerpen verlegt werden, wo Blutklumpen die gesamte Lunge verstopft hatten. "Das war ganz schön knapp", erinnerte sich der Berliner.

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Besonders ungewöhnlich waren die Operationen, die nicht unter Vollnarkose durchgeführt wurden. "Das Verrückte war, dass ich den Schmerz, den ich gespürt habe, von mir wegfahren konnte. Es war wie ein Halbschlaf", beschrieb Hollmann seine Erfahrung. Im späteren Gespräch mit Therapeuten erfuhr er, dass es sich dabei wahrscheinlich um eine klassische Nahtoderfahrung handelte. "Diese Wärme zu spüren, obwohl man Schmerzen hat, ist sehr typisch dafür."

Monatelange Reha und überraschende Dopingkontrolle

Erst nach überstandener Embolie konnte das zertrümmerte Becken operiert werden. Für die Rekonstruktion waren vier Platten und 24 Schrauben notwendig. Fünf Wochen verbrachte Hollmann in Belgien, gefolgt von acht Wochen Rehabilitation in Berlin. Insgesamt saß er drei Monate im Rollstuhl, da sein Bein zunächst "nervlich tot" war.

Mitten in dieser schwierigen Phase stand etwa sechs Wochen nach dem Unfall plötzlich ein Dopingkontrolleur vor der Tür. "Ich habe über drei Liter Blut verloren bei der Becken-OP, ich war in Belgien dauerhaft mit einer Morphinpumpe unterwegs. Ich weiß nicht, was ich alles bekommen habe. Die Dopingkontrolle muss dreifach positiv gewesen sein", sagte Hollmann. In solchen Fällen gelten für Sportler zwar Ausnahmeregeln, doch der Radprofi hatte Mitleid mit dem Kontrolleur: "Der macht nur seinen Job, für ihn war es extrem unangenehm."

Ungewisse Zukunft und positive Einstellung

Noch immer kämpft Hollmann um eine Rückkehr als Profi-Radsportler. Aktuell darf er aufgrund der Nervenschäden nur maximal zwei Stunden auf dem Rad sitzen. Dennoch zeigt sich der 26-Jährige optimistisch: "Wenn ich allerdings vollständig gesund werde und es trotzdem nicht zurückgeschafft habe, bin ich trotzdem happy." Seine Erfahrungen haben ihn nach eigenen Angaben nachhaltig geprägt und seine Perspektive auf das Leben verändert.

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