Radprofi Juri Hollmann: Drei Monate im Rollstuhl und Nahtoderfahrung nach Giro-Sturz
Hollmanns Überlebenskampf: Nahtoderfahrung nach Giro-Sturz

Schwerer Sturz beim Giro d'Italia: Juri Hollmanns Überlebenskampf

Der Radprofi Juri Hollmann hat erstmals ausführlich über seinen dramatischen Sturz beim Giro d'Italia im Mai vergangenen Jahres gesprochen. Der 26-Jährige erlitt bei dem Unfall auf der sechsten Etappe schwere Verletzungen und kämpfte monatelang um seine Gesundheit.

Kollision mit fast 70 km/h und lebensgefährliche Folgen

Hollmann kollidierte mit nahezu 70 Stundenkilometern ungebremst mit einem Straßenschild. "Die Wahrscheinlichkeit, dass zu überleben ist nicht so hoch. Also habe ich das Schild ziemlich gut getroffen", erklärte der Berliner im Gespräch mit Ex-Profi Rick Zabel. Man könne von Glück im Unglück reden, so der Sportler weiter.

Die Verletzungen waren gravierend:

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  • Trümmerbruch des Beckens
  • Armbruch
  • Blutklumpen in der Lunge

Die Ärzte vermuten, dass der Oberschenkelknochen durch den Aufprall ins Becken gedrückt und dieses gesprengt hat.

Nahtoderfahrung während der Operationen

Besonders eindrücklich schilderte Hollmann seine Erfahrungen während der medizinischen Behandlungen. Nach der ersten Operation in Belgien erlitt er eine lebensbedrohliche Lungenembolie und musste ins Uniklinikum Antwerpen verlegt werden. "Blutklumpen hatten die ganze Lunge zugesetzt. Das war ganz schön knapp", erinnerte sich der Radprofi.

Während späterer Operationen, die nicht unter Vollnarkose durchgeführt wurden, machte Hollmann eine besondere Erfahrung: "Das Verrückte war, dass ich den Schmerz, den ich gespürt habe, von mir wegfahren konnte. Es war wie ein Halbschlaf". Therapeuten erklärten ihm später, dass es sich dabei wahrscheinlich um eine klassische Nahtoderfahrung handelte.

Monatelanger Rehabilitationsprozess

Der Weg zurück ins Leben war lang und beschwerlich:

  1. Fünf Wochen stationäre Behandlung in Belgien
  2. Acht Wochen Rehabilitation in Berlin
  3. Drei Monate im Rollstuhl
  4. Vier Platten und 24 Schrauben zur Beckenrekonstruktion

"Der Arzt meinte, ich müsse mich gedulden. Mein Bein war nervlich tot", berichtete Hollmann über die schwierige Anfangsphase.

Ungewöhnliche Dopingkontrolle während der Reha

Etwa sechs Wochen nach dem Unfall stand plötzlich ein Dopingkontrolleur vor der Tür der Reha-Einrichtung. Hollmann zeigte Verständnis für die ungewöhnliche Situation: "Der macht nur seinen Job, für ihn war es extrem unangenehm". Aufgrund der massiven Medikamentengabe während der Behandlung hätte die Kontrolle dreifach positiv ausfallen müssen, doch für solche Ausnahmefälle gelten Sonderregelungen.

Ungewisse Zukunft im Profisport

Aktuell kämpft Hollmann noch immer um eine mögliche Rückkehr als Radprofi. Aufgrund von Nervenschäden darf er derzeit maximal zwei Stunden auf dem Rad sitzen. Seine Einstellung dazu ist bemerkenswert: "Wenn ich allerdings vollständig gesund werde und es trotzdem nicht zurückgeschafft habe, bin ich trotzdem happy".

Die Geschichte des Radprofis zeigt nicht nur die Gefahren des Sports, sondern auch die immense Willenskraft, die für eine solche Genesung notwendig ist.

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