Verflixtes Sanremo: Kann Pogacar mit Merckx-Tipps endlich siegen?
Viermal stand Tadej Pogacar beim monumentalen Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo schon kurz vor dem Triumph, doch jedes Mal fehlten die entscheidenden Sekunden. Jetzt soll der lang ersehnte Sieg endlich gelingen – sogar Radsport-Legende Eddy Merckx, siebenfacher Sieger der Classicissima, mischt sich mit strategischen Ratschlägen ein. Doch der große Rivale Mathieu van der Poel präsentiert sich erneut in brillanter Form und könnte zum Spielverderber werden.
Die letzten fehlenden Monumente
Mailand-Sanremo mit seinen fast 300 anspruchsvollen Kilometern gehört zu den wenigen Rennen, die in Pogacars beeindruckender Erfolgsbilanz noch fehlen. Ebenso wie die berüchtigte Kopfsteinpflaster-Hölle Paris-Roubaix, das zweite große Ziel des 27-jährigen Slowenen in dieser Frühjahrssaison. „Ich habe die Tour de France schon viermal gewonnen, und ob ich sie ein fünftes Mal gewinne...“, sagte Pogacar und betonte: „Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix zu gewinnen, wäre ein absolutes Highlight in meiner Karriere. Sollte ich diese Rennen jemals gewinnen, würde ich denken, dass man nicht viel mehr erreichen könnte.“
Aus seinem Trainingslager in Monaco unternahm Pogacar regelmäßig Abstecher nach Italien, um das Finale perfekt zu studieren. Den vorletzten Anstieg Cipressa, der auf 5,6 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 4,2 Prozent aufweist, soll er im Training sogar in sensationellen 8:51 Minuten bewältigt haben – sechs Sekunden schneller als im Rennen des Vorjahres.
Van der Poel als ständiger Widersacher
Fünfter, Vierter, Dritter, Dritter – so lautet Pogacars Bilanz der vergangenen vier Jahre bei Mailand-Sanremo. Meist stand ihm der niederländische Klassiker-Spezialist Mathieu van der Poel im Weg, der das Rennen 2023 und 2025 für sich entschied und 2024 seinem Teamkollegen Jasper Philipsen zum Sieg verhalf. Van der Poel zeigt sich aktuell in bester Verfassung: Zwei Etappensiege bei Tirreno-Adriatico, der Klassiker Omloop Nieuwsblad und ein achter WM-Titel im Cyclocross unterstreichen seine Dominanz.
„Es gibt nicht mehr viel zu tun“, sagt van der Poel vor dem erneuten Duell mit Pogacar, dem er dennoch Hoffnung auf ein Ende des Fluchs macht: „Letztes Jahr war er schon nah dran. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er das Rennen gewinnt.“ Im Vorjahr hatte Pogacar an der Cipressa eine kleine Lücke herausgefahren, doch van der Poel kämpfte sich zurück und bewies im Sprint seine Überlegenheit.
Merckx' taktischer Rat und del Toro als Edelhelfer
Eddy Merckx, der „Kannibale“ des Radsports, riet Pogacar in einem Interview mit der „Gazzetta dello Sport“ zu Geduld: „Auch wenn er zu langen Ausreißversuchen fähig ist, ist in Sanremo die Wahrscheinlichkeit, eingeholt zu werden, deutlich höher.“ Statt an der Cipressa solle Pogacar die entscheidende Attacke erst am letzten Anstieg Poggio setzen.
Die Taktik ist dennoch klar: Pogacars UAE-Team muss mit höllischem Tempo in die Anstiege fahren, um ihm den finalen K.o.-Schlag zu ermöglichen. Nachdem Edelhelfer Tim Wellens wegen eines Schlüsselbeinbruchs ausfällt, übernimmt Kronprinz Isaac del Toro diese Aufgabe. Der Mexikaner, Giro-Zweiter und künftiger Tour-Helfer, erklärt: „Ich fahre Mailand–Sanremo nur für Tadej.“
Laut Teamchef Mauro Gianetti ist Pogacar „stärker als je zuvor“, wie er nach dem Sieg beim Schotterrennen Strade Bianche vor zwei Wochen betonte. Auch die weiteren großen Klassiker – die Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich – will Pogacar in dieser Saison gewinnen. Eddy Merckx, der ihn schon früher als seinen Erben bezeichnete, sagt: „Er ist auch ein Killer auf dem Rad.“ Ob das am Samstag endlich zum ersehnten Sanremo-Sieg reicht, bleibt spannend.



