Radsport-Pionierin Ines Varenkamp lüftet intime Geheimnisse ihrer Karriere
Ines Varenkamp (62) zählt zu den bedeutendsten Radsport-Pionierinnen Deutschlands. In den 1980er-Jahren gehörte sie zur absoluten Weltspitze, erreichte zweimal den zwölften Platz bei Olympischen Spielen (1984 und 1988) und bestritt sowohl den Giro d'Italia als auch die legendäre Tour de France. Doch der größte Schatz ihrer beeindruckenden Laufbahn sind nicht allein die sportlichen Erfolge, sondern vor allem die unvergesslichen Abenteuer und persönlichen Erlebnisse.
Flirt-Geschichten und emotionale Höhepunkte bei der Tour de France
Varenkamp erinnert sich mit einem Schmunzeln an besondere Momente während der anstrengenden Wettkämpfe: „Die Begleitfahrzeuge bei der Tour haben sich immer darum gerissen, die Frauen begleiten zu dürfen. Dann wurden die Scheiben heruntergedreht und man guckte: Oh, der hat mal ein hübsches Gesicht. Und die Fahrer schauten dann auf die Fahrerinnen aus Holland, ein Teamfahrzeug weiter vorne waren die Deutschen und so weiter. Da wurde auch ein bisschen geflirtet. Das hat bei den enormen körperlichen Anstrengungen wirklich gutgetan.“
Aber neben diesen leichten Momenten gab es auch tiefgreifende emotionale Erfahrungen. „Es ist natürlich eine mörderische Anstrengung, diese drei Wochen Tour de France. Doch wenn man durch diese Menschengassen fährt und in die Gesichter der Zuschauer blickt – da quält man sich fast zu Tode, aber es ist gleichzeitig unbeschreiblich bewegend.“ Aktuell teilt Varenkamp ihre Geschichte und diesen Pioniergeist als Teil der „Bike Film Tour“, die durch deutsche Kinos tourt und die Faszination des Radsports einem breiten Publikum näherbringt.
Olympia-Traum: Von München 1972 zur eigenen Teilnahme
Ihr persönlicher Weg ist zugleich ein beeindruckendes Plädoyer für die Olympischen Spiele und deren inspirierende Wirkung auf junge Sportler. Ohne die Olympischen Spiele 1972 in München hätte es ihre Karriere vermutlich nie gegeben. Varenkamp erklärt: „Ich habe 1972 als neunjähriges Mädchen die Olympischen Spiele in München im Fernsehen gesehen und war sofort mega begeistert. Von diesem Moment an stand für mich fest: Ich will selbst einmal zu den Olympischen Spielen.“
Ihre Begeisterung ging so weit, dass sie für die Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth sogar ein Bild malte, es ihr zuschickte und um ein Autogramm bat. Zurück kam eine Autogrammkarte mit der handschriftlichen Notiz auf der Rückseite: „Viel Glück für Moskau“ – dem Austragungsort der Spiele 1980. Jahre später, 1984, saßen beide zufällig im selben Flugzeug nach den Olympischen Spielen in Los Angeles. Varenkamp nutzte die Gelegenheit und erzählte Nasse-Meyfarth von diesem besonderen Austausch in ihrer Kindheit.
Ursprünglich begann Varenkamp ihre sportliche Laufbahn in der Leichtathletik, wechselte aber mit 17 Jahren zum Rennrad. „Ich fand irgendwie die Rennhosen blöd, das Leichtathletik-Outfit gefiel mir einfach besser“, gesteht sie lachend. Trotz dieser anfänglichen Vorbehalte blieb sie dem Radsport treu und erfüllte sich schließlich ihren großen Olympia-Traum – ein Beweis für ihre Ausdauer und Leidenschaft.



