Deutscher Olympia-Boss übt scharfe Kritik an Deutscher Bahn
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Otto Fricke, hat in einem ungewöhnlich deutlichen Ton eine Werbekampagne der Deutschen Bahn zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo kritisiert. Der Spitzenfunktionär bezeichnete das Vorgehen des Staatsunternehmens als "schofelig" und warf der Bahn vor, mit der Aktion Geld zu verdienen, während der Sport selbst leer ausgehe.
"Ambush Marketing"-Vorwurf gegen Staatsunternehmen
Die Deutsche Bahn hatte in der Zeit vom 16. Januar bis zum 5. Februar 2026 eine spezielle "Probe Bahncard Gold" zum Preis von 19,90 Euro angeboten. Das Versprechen: Für jeden Tag, an dem deutsche Athletinnen und Athleten bei den laufenden Olympia-Wettbewerben eine Goldmedaille gewinnen, können Inhaber dieser Bahncard am folgenden Tag alle Fernverkehrszüge in Deutschland kostenlos nutzen.
Fricke, der vor seiner Tätigkeit beim DOSB haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion war, kritisierte diese Kampagne als "nicht die feine Art". Der 60-Jährige bezeichnete das Vorgehen explizit als "Ambush Marketing" – also als Trittbrettfahrer-Werbung, bei der die Bahn von der Popularität der Olympischen Spiele profitiere, ohne entsprechende Mittel in den Sport zu investieren.
DOSB fordert finanzielle Beteiligung
Der DOSB-Vorstandschef betonte, dass Einnahmen aus solchen Werbeaktionen eigentlich in den Sport fließen sollten. "Es braucht finanzielle Hilfe, damit der deutsche Sport sich bei Olympia gut präsentieren kann", so Fricke. Der Sportverband habe sich bereits schriftlich bei der Deutschen Bahn beschwert, jedoch keine zufriedenstellende Antwort erhalten.
Nun hofft Fricke weiter auf ein Entgegenkommen des Bahnkonzerns. Dieser könne auch gerne in den Breitensport investieren, schlug der DOSB-Chef vor. Die Kritik richtet sich insbesondere daran, dass es sich bei der Deutschen Bahn um ein Staatsunternehmen handelt, das nach Ansicht Frickes eine besondere Verantwortung gegenüber dem deutschen Sport haben sollte.
Deutsche Bahn zeigt sich unbeeindruckt
Die Deutsche Bahn ließ in einer offiziellen Stellungnahme wissen, das Unternehmen habe "größten Respekt vor allen sportlichen Spitzenleistungen bei den Winterspielen 2026". Ein Sprecher teilte mit: "Wir können die in diesem Zusammenhang geäußerte Kritik daher nicht nachvollziehen."
Im Rahmen der umstrittenen Werbekampagne waren laut Bahn-Angaben mehrere deutsche Wintersport-Legenden in einem TV-Spot aufgetreten. Darunter befanden sich Olympiasieger wie Kati Wilhelm (Biathlon), Viktoria Rebensburg und Markus Wasmeier (beide Ski alpin), Sven Hannawald (Skispringen) sowie André Lange (Bob) und Paralympics-Idol Gerd Schönfelder.
Die Kontroverse zeigt die angespannte Finanzlage vieler Sportverbände in Deutschland und wirft grundsätzliche Fragen zur Kommerzialisierung von Sportereignissen auf. Während Unternehmen wie die Deutsche Bahn die Popularität großer Sportevents für Marketingzwecke nutzen, fehlt es den Sportorganisationen oft an notwendigen finanziellen Mitteln für die Förderung des Nachwuchses und die Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe.



