Deutscher Olympischer Sportbund übt scharfe Kritik an Bahn-Werbeaktion
Eine spezielle Werbekampagne der Deutschen Bahn zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo hat beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für erheblichen Unmut gesorgt. DOSB-Vorstandschef Otto Fricke äußerte sich in deutlichen Worten über das Vorgehen des Staatsunternehmens und bezeichnete die Aktion als "nicht die feine Art".
Bahncard-Gold-Aktion als Stein des Anstoßes
Im Vorfeld der Winterspiele hatte die Deutsche Bahn eine besondere "Probe Bahncard Gold" zu einem Startpreis von 19,90 Euro angeboten. Das besondere Angebot: Für jeden deutschen Goldmedaillengewinn bei den laufenden Olympia-Wettbewerben konnten Inhaber dieser Bahncard am darauffolgenden Tag alle Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn kostenlos nutzen. Während diese Aktion bei Bahnkunden auf Interesse stieß, sorgte sie bei der Spitze des deutschen Sports für massive Verärgerung.
Fricke kritisiert "Ambush Marketing" und fehlende finanzielle Beteiligung
DOSB-Vorstandschef Otto Fricke, der vor seinem Wechsel zum Sportbund haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion war, übte fundamentale Kritik an der Kampagne. "Dass das ein Staatsunternehmen macht, das ist schofelig", sagte der 60-Jährige wörtlich. Fricke moniert insbesondere, dass es sich bei der Aktion um sogenanntes "Ambush Marketing" handele – also eine Form der Trittbrettfahrer-Werbung, bei der die Bahn von den sportlichen Erfolgen deutscher Athleten profitiere, ohne dass entsprechende Einnahmen in den Sport zurückfließen würden.
Der DOSB habe sich bereits schriftlich bei dem Konzern beschwert, jedoch keine zufriedenstellende Antwort erhalten. Fricke betonte die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung, damit sich der deutsche Sport bei Olympia angemessen präsentieren könne. "Es braucht finanzielle Hilfe, damit der deutsche Sport sich bei Olympia gut präsentieren kann", so der DOSB-Chef, der weiter auf ein Entgegenkommen der Bahn hofft.
Bahn weist Kritik zurück und verweist auf Respekt vor Sportlern
Die Deutsche Bahn ließ auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur wissen, das Unternehmen habe "größten Respekt vor allen sportlichen Spitzenleistungen bei den Winterspielen 2026". Aus diesem Respekt heraus sei die besondere Bahncard vom 16. Januar bis 5. Februar zum Kauf angeboten worden. "Wir können die in diesem Zusammenhang geäußerte Kritik daher nicht nachvollziehen", teilte ein Unternehmenssprecher mit.
Im Rahmen der umstrittenen Werbekampagne waren laut Bahn auch zahlreiche deutsche Wintersport-Legenden in einem TV-Spot aufgetreten. Darunter befanden sich Olympiasieger wie Kati Wilhelm (Biathlon), Viktoria Rebensburg und Markus Wasmeier (beide Ski alpin), Sven Hannawald (Skispringen) sowie André Lange (Bob) und Paralympics-Idol Gerd Schönfelder.
Forderung nach Investitionen in den Breitensport
Otto Fricke zeigte sich dennoch gesprächsbereit und schlug der Bahn alternative Wege der Zusammenarbeit vor. Der Konzern könne auch gerne in den Breitensport investieren, so der DOSB-Vorstandschef. "Wo, das kann sich die Bahn ja überlegen", sagte Fricke und unterstrich damit die Bereitschaft zu konstruktiven Lösungen. Die aktuelle Situation belaste jedoch das Verhältnis zwischen dem deutschen Spitzensport und dem staatlichen Verkehrsunternehmen erheblich.
Die Kontroverse zeigt einmal mehr die schwierige Finanzierungssituation des deutschen Sports auf olympischer Ebene und wirft Fragen nach angemessenen Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Sportverbänden auf. Während die Bahn mit ihrer Kampagne offenbar Kunden binden wollte, fühlt sich der DOSB in seinen legitimen Interessen übergangen und fordert eine faire Beteiligung an den wirtschaftlichen Erfolgen, die mit olympischen Medaillengewinnen erzielt werden.



