IOC-Wirrwarr um Gedenkenshelm: Ukrainischer Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych von Olympia ausgeschlossen
IOC-Wirrwarr: Ukrainischer Skeleton-Fahrer wegen Gedenkenshelm ausgeschlossen

Peinliches Regel-Wirrwarr des IOC: Ukrainischer Athlet wegen Gedenkenshelm von Olympia ausgeschlossen

Ein emotionaler Morgen in Cortina d'Ampezzo endete mit einer umstrittenen Entscheidung: Der ukrainische Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych (27) wurde von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Der Grund für den Rauswurf war sein speziell gestalteter Helm, auf dem 20 Bilder ukrainischer Sportler zu sehen waren, die im Krieg ums Leben kamen.

IOC-Präsidentin verkündet persönlich den Ausschluss

Kirsty Coventry (42), Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, suchte persönlich das Gespräch mit dem Athleten. Rund 75 Minuten vor Rennbeginn zog sie sich mit Heraskevych in einen privaten Bereich zurück. „Ich wollte ihn wirklich starten sehen. Es war ein emotionaler Morgen“, erklärte Coventry später mit stockender Stimme. Doch trotz der emotionalen Beteiligung stand am Ende fest: Der Ukrainer darf nicht antreten.

Das IOC hatte dem Athleten zuvor ein Kompromissangebot unterbreitet. Er hätte den Helm vor und nach dem Wettkampf zeigen dürfen, jedoch nicht während des eigentlichen Rennens. Heraskevych lehnte diese Bedingung ab und beharrte auf seinem Recht, den Gedenkenshelm auch während der Fahrt zu tragen.

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Verwirrung um olympische Regeln

Besonders peinlich für das IOC: Die Begründung für den Ausschluss schwankte zwischen verschiedenen Regelwerken. Zunächst wurde Regel 50 der Olympischen Charta genannt, die politische Botschaften verbietet. Später verwies das Komitee auf Regel 40, die Meinungsfreiheit unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

„Ich habe keine Begründung bekommen, sondern ich wurde nur auf Regel 50 verwiesen“, erklärte Heraskevych verwirrt. Selbst auf einer Pressekonferenz brachte ein IOC-Sprecher beide Regeln durcheinander, was die Glaubwürdigkeit der Entscheidung zusätzlich untergrub.

Internationale Kritik an IOC-Entscheidung

Die Entscheidung stieß auf breite internationale Kritik. Athleten Deutschland, der Interessenverband deutscher Spitzensportler, erklärte: „Heraskewytschs Vorhaben sehen wir als Akt der friedlichen Erinnerung und des Respekts. Eine Disqualifikation ist dafür nicht gerechtfertigt.“

Lettlands Trainer Ivo Steinbergs (32) sprach von einem „Desaster“ und kritisierte die mangelnde Solidarität unter den Athleten: „Ich gehe herum und frage die anderen, ob sie dabei sind. Aber die meisten hier denken nur an sich.“

Deutscher Rodler Felix Loch (36) äußerte sich im ZDF deutlich: „Er möchte nichts Politisches bewirken, er möchte an seine Freunde erinnern. Das machen viele andere Sportler auch, da ist es kein Problem. Ich finde das nicht richtig, es ist eine sehr, sehr schlechte Entscheidung.“

Rechtliche Schritte und politische Dimension

Die Angelegenheit wird nun vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Mailand verhandelt. Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens enden die Olympischen Spiele für Vladyslav Heraskevych vorzeitig.

Politisch sorgt die Entscheidung für erhebliche Diskussionen. Coventry, die Nachfolgerin von Thomas Bach (72), hat mit ihrer ersten wichtigen Entscheidung als IOC-Präsidentin Jubel in Russland ausgelöst. Kritiker werfen der simbabwischen Sportfunktionärin vor, sich auf die falsche Seite der Geschichte gestellt zu haben.

Coventry selbst betonte zwar ihre persönliche Betroffenheit: „Niemand – am wenigsten ich – widerspricht der Botschaft. Es ist eine starke Botschaft des Gedenkens.“ Doch ihre Handlungen stehen im Widerspruch zu diesen Worten.

Ein Helm als Symbol

Für Vladyslav Heraskevych bleibt sein Helm mit den Bildern der ukrainischen Kriegsopfer das zentrale Symbol dieser Olympischen Spiele. Während der Athlet selbst vorzeitig abreisen muss, wird sein Gedenkenshelm in der Erinnerung bleiben – als stummes Zeugnis eines Konflikts, der auch den Sport erreicht hat.

Die schwammigen Formulierungen in den IOC-Regelwerken ermöglichten diesen Ausschluss, doch wie viele Beobachter betonen, wäre auch eine andere Entscheidung möglich gewesen. Die olympische Bewegung steht damit erneut vor der Frage, wie sie mit politischen Realitäten umgehen will, ohne ihre eigenen Ideale zu verraten.

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