Russlands harte Linie gegen Staatsbürgerwechsel im Sport
Der russische Sportminister und NOK-Chef Mikhail Degtyaryov (44) hat eine klare Botschaft an Sportler mit russischen Wurzeln, die für andere Nationen antreten: „Die Staatsbürgerschaft zu wechseln, ist purer Verrat.“ Diese deutliche Aussage unterstreicht die angespannte Lage im russischen Sportestablishment, nachdem zahlreiche Athleten ihre Heimat verlassen haben.
Nikita Volodin im Fokus der Kontroverse
Einer der prominentesten Fälle ist der Eiskunstläufer Nikita Volodin (26). Der gebürtige Sankt Petersburger gewann bei den Olympischen Spielen in Mailand 2026 mit seiner deutschen Partnerin Minerva Hase (26) die Bronzemedaille im Paarlauf. Volodin, der im Spätsommer 2025 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt und seitdem zwei Pässe besitzt, steht exemplarisch für eine wachsende Gruppe von Sportlern, die Russland den Rücken kehren.
Seine sportlichen Erfolge sind beeindruckend:
- WM-Silber 2025
- WM-Bronze 2024
- EM-Gold 2025
- EM-Silber 2026
- Olympia-Bronze 2026
Degtyaryovs drastische Pläne
Der Minister kündigte konkrete Maßnahmen an: „Wir versorgen sie mit Essen, Bildung, Trainern und Sportanlagen. Und dann, zack, werfen sie ihre Pässe weg und verschwinden.“ Sein Ziel ist es, diesen Sportlern die Einreise nach Russland zu verwehren und ihnen die Nutzung russischer Sportstätten zu verbieten. Ob ein entsprechender Gesetzesantrag in die Duma eingebracht wird, ist noch unklar, doch Degtyaryov betont: „Hier darf es keine Kompromisse geben.“
Die schwierige Situation der Athleten
Für Volodin und andere Betroffene bedeutet dies eine prekäre Lage. Der Eiskunstläufer schweigt aus verständlichen Gründen zu politischen Themen, insbesondere zum Krieg in der Ukraine. Seine Familie – Eltern und eine siebenjährige Schwester, die Eisschnelllauf betreibt – lebt weiterhin in Russland. Auch seine Freundin, die ihn in Mailand besuchte, könnte bei öffentlichen Stellungnahmen Volodins in Schwierigkeiten geraten.
Breites Phänomen im internationalen Sport
Insgesamt stehen 38 gebürtige Russen bei den Olympischen Spielen in verschiedenen Disziplinen auf der Liste des Ministers. Besonders im Tennis ist der Trend ausgeprägt:
- Elena Rybakina (26) startet für Kasachstan
- Daria Saville (31) und Daria Kassatkina (28) für Australien
- Anastassia Potapova (24) seit Jahresbeginn für Österreich
- Alexander Bublik (28) und Alexander Shevchenko (25) für Kasachstan
- Varvara Gracheva (25) seit 2023 für Frankreich
Auch in anderen Sportarten wie Radsport, Shorttrack, Schwimmen und Fußball haben zahlreiche Athleten ihre Nationalität gewechselt. Degtyaryovs Reaktion zeigt, wie sehr diese Entwicklung die russische Sportführung erzürnt und zu drastischen Gegenmaßnahmen führt.



