Millionenschwere Partnerschaft: Tipico unterstützt Deutsche Sporthilfe
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die olympische und paralympische Athletinnen und Athleten in Deutschland finanziell unterstützt, hat eine bedeutende Partnerschaft mit dem Wettanbieter Tipico geschlossen. Der zunächst auf drei Jahre angelegte Vertrag soll dazu beitragen, die jüngste Olympia-Flaute zu beenden und deutsche Spitzensportler gezielter zu fördern.
„Die Idee ist beim Bier entstanden“
Tipico-CEO Axel Hefer (48) verrät im Gespräch mit SPORT BILD den ungewöhnlichen Ursprung der Kooperation: „Die Idee, dass wir die Sporthilfe unterstützen, ist tatsächlich bei einem Bier entstanden, vor rund einem Jahr beim DFL-Neujahrsempfang.“ Gemeinsam mit einem Bekannten, der sich olympisch engagiert, habe man über die schwachen deutschen Leistungen bei den Olympischen Spielen diskutiert – insbesondere das „dramatische“ Abschneiden in Paris. „Wir waren uns einig: Da muss man doch etwas machen“, so Hefer.
Substanziell siebenstellige Förderung
Sporthilfe-Vorstand Karsten Petry (50), der ab Juli Marketing-Vorstand beim VfB Stuttgart wird, bestätigt das finanzielle Volumen: „Das ist substanziell siebenstellig“ pro Jahr. Anders als die übliche pauschale Grundförderung von etwa 700 bis 1000 Euro monatlich setzt das Tipico-Sponsoring auf individuelle Förderung. „Es geht darum, sehr gute Athleten noch besser zu machen“, erklärt Petry.
Neu: Bewerbungsverfahren für Sportler
Das Förderkonzept ist neuartig: Athleten können sich mit einem schriftlichen Bewerbungsformular und einem Video für individuelle Fördermaßnahmen bewerben. „Wenn ein Top-Athlet das Gefühl hat, er brauche vor einem wichtigen Wettkampf noch ein Höhentrainingslager oder ein spezielles Trainingsmittel, dann kann er damit auf uns zukommen“, erläutert Petry. Ein Gutachterausschuss der Sporthilfe bewertet die Anträge, anschließend muss der jeweilige Fachverband zustimmen und bestätigen, dass der Athlet realistische Chancen auf große Erfolge hat.
Kritik an ineffizienten Strukturen
Beide Partner üben deutliche Kritik an den aktuellen Förderstrukturen im deutschen Spitzensport. Petry bemängelt: „Durch unterschiedliche Programme fließen pro Jahr mindestens 640 Millionen Euro an Steuergeldern in den Spitzensport. Es ist grausam, wie bei uns mit Steuergeldern in diesem Bereich umgegangen wird.“ Die föderale Zersplitterung führe zu Doppel- und Dreifachstrukturen. Hefer ergänzt: „Gelder werden verschwendet, zu viel versickert durch ineffiziente Strukturen.“ Der Tipico-Fördertopf sei hingegen ein perfektes Beispiel für zielgerichtete Individualförderung.
Langfristige Karrierebegleitung
Die Sporthilfe setzt auf langfristige Unterstützung: „Wir begleiten die Athleten ihre gesamte Karriere. Vom Karrierestart weg, ohne exaktes Enddatum bis hin zur Karriere nach der Laufbahn im Sport“, betont Petry. Als Beispiel nennt er eine 70-jährige Paralympics-Teilnehmerin im Reitsport. Die Prämien für Medaillengewinner (30.000 Euro für Gold, 20.000 für Silber, 10.000 für Bronze) bleiben bestehen – und müssen seit kurzem nicht mehr versteuert werden.
Tipico zieht sich aus Vereinssponsoring zurück
Auf die Frage, ob Tipico als Aufsichtsratschef von Schalke 04 auch dort als Hauptsponsor einsteigen könnte, antwortet Hefer klar: „Wir haben uns entschlossen, uns aus dem Vereinssponsoring zurückzuziehen.“ Stattdessen konzentriere man sich auf die Sporthilfe-Partnerschaft. Zum Image von Wettanbietern merkt Hefer an, dass Deutschland seit 2021 die strengste Regulierung weltweit habe und Tipico strikt nach diesen Regeln handle.
Die Partnerschaft zwischen Tipico und der Deutschen Sporthilfe markiert einen neuen Ansatz in der Förderung deutscher Spitzensportler – mit dem klaren Ziel, die Medaillenbilanz bei zukünftigen Olympischen Spielen deutlich zu verbessern.



