Deutsche Biathleten stehen vor Rätsel bei Olympia: Sind die Skier der Konkurrenz zu gut?
Nach dem überraschenden Bronzeerfolg in der Mixed-Staffel bei den Olympischen Winterspielen stecken die deutschen Biathleten in einer Leistungskrise. Während Vanessa Voigt im Einzelrennen als Vierte knapp an einer Medaille vorbeischrammte und Franziska Preuß zweimal durch fehlerhaftes Abschlussschießen Medaillenchancen verspielte, belegen die deutschen Athleten in den weiteren Wettbewerben nur noch Nebenrollen.
Materialvorteil als möglicher Grund für Leistungsunterschiede
Besonders auffällig ist die Tatsache, dass Fehlschüsse am Schießstand in der Loipe kaum noch ausgeglichen werden können. Im Gegenteil verpuffen sogar gute Schießeinlagen auf den anschließenden Runden regelmäßig, weil andere Nationen deutlich schneller laufen. David Zobel, der in der Verfolgung nur Platz 34 erreichte, kommentierte die Dominanz der Norweger und Franzosen nüchtern: „Wenn die dann halt einfach alle null Fehler schießen und übelst brutales Material haben, dann muss man einfach sagen, sie sind besser.“
Sportdirektor äußert konkreten Verdacht
Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling rätselt offen über die scheinbar extrem schnellen Skier einiger Konkurrenten. „Wenn ich das wüsste, hätten wir vielleicht den ein oder anderen Joker in der Hand“, gibt Bitterling zu. „Ich glaube, dass viele Nationen, inklusive Deutschland, gute Skier haben. Wenn man die Laufzeiten der Franzosen und Norweger sieht, hat man, bei aller Qualität der Sportler, das Gefühl, dass da noch bisschen was anderes drunter ist. Es wäre schön, wenn wir das noch entschlüsseln.“
Zur Erklärung: Die Langlaufski der Athleten werden je nach Schneebeschaffenheit und Temperatur speziell präpariert. Dabei geht es im Wesentlichen um feine Strukturen im Belag und spezielles Wachs, das mit einem Bügeleisen eingearbeitet wird. Das Ziel ist stets, den Widerstand zwischen Ski und Schnee so minimal wie möglich zu halten, damit die Athleten mit gleichem Kraftaufwand maximale Geschwindigkeit erreichen können.
Zobel sieht dennoch Chancen für deutsche Staffeln
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten zeigt sich David Zobel nicht vollkommen pessimistisch: „Zwei Nationen schießen vorne ein bisschen raus, aber danach ist es relativ viel offen. Auch bei den Olympischen Spielen hat schon der eine oder andere Franzose oder Norweger eine Strafrunde geschossen. Wir müssen das perfekte Rennen liefern, das ist ganz klar, aber dann sehe ich da auch irgendwann die Chance.“
Die nächsten Gelegenheiten für die deutschen Biathleten bieten sich bereits am Dienstag und Mittwoch mit den Staffelrennen. Freitag und Samstag stehen dann mit dem Massenstart die letzten Einzelwettbewerbe auf dem Programm, bei denen die deutschen Athleten noch einmal alles geben wollen, um an die früheren Erfolge anzuknüpfen.



