Olympische Biathlon-Flaute: Deutsche Skijäger nach enttäuschendem Start ohne Einzelmedaillen
Biathlon-Flaute bei Olympia: Deutsche ohne Einzelmedaillen

Olympische Biathlon-Flaute: Deutsche Skijäger nach enttäuschendem Start ohne Einzelmedaillen

Es begann mit einem Hoffnungsschimmer, doch schnell folgte die Ernüchterung. Nach dem Bronze-Erfolg in der Mixed-Staffel zum Auftakt der Olympischen Winterspiele in Antholz blieben die deutschen Biathletinnen und Biathleten in den folgenden Einzelrennen ohne Edelmetall. Die bisher schwächste olympische Startbilanz der Geschichte sorgt für kritische Analysen und enttäuschte Gesichter im Team des Deutschen Skiverbands.

Tränen der Enttäuschung bei Franziska Preuß

Das Bild von Franziska Preuß, die nach ihrer nächsten verpassten Medaillenchance im Ziel bittere Tränen vergoss, steht sinnbildlich für die aktuelle Situation. Die Weltmeisterin verlor beim letzten Schießen im Verfolgungsrennen den Fokus und landete mit zwei Fehlern nur auf Rang sechs. „Das tut jetzt echt weh“, gestand die deutsche Nummer eins im ZDF-Interview. Ihre Reaktion sprach Bände, zumal ihr nur noch eine letzte Chance auf die ersehnte olympische Einzelmedaille vor dem angekündigten Karriereende bleibt.

Auch bei den Männern lief es nicht nach Plan. Philipp Horn erreichte als bester Deutscher im Verfolgungsrennen lediglich Platz elf, während das Männer-Quartett insgesamt 18 Fehler schoss. Selbst ohne Strafrunde wäre es für Horn „extrem schwer geworden“, weiter vorne anzugreifen. Die spektakulären Verfolgungsrennen endeten für die deutschen Starter damit nur in der Zuschauerrolle bei den Siegerehrungen.

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Historisch schwächster olympischer Start

Sechs Wettbewerbe, keine Einzelmedaille – diese Bilanz ist für das einst erfolgsverwöhnte deutsche Biathlon-Team ein Novum bei Olympischen Winterspielen. Nie zuvor hatten die DSV-Skijäger solch einen schwachen Start in den olympischen Individualrennen hingelegt. Sportdirektor Felix Bitterling analysierte nüchtern: „Wir haben sicher keinen Flow, und der Deckel fliegt derzeit nicht vor Begeisterung vom Topf.“

Die Glanzzeiten liegen in weiter Ferne. Vor vier Jahren sorgte Denise Herrmann-Wick mit Gold im Einzel von Peking noch für einen Höhepunkt, acht Jahre zuvor gab es in Sotschi durch Erik Lessers Einzel-Silber bereits früh Edelmetall außerhalb der Staffeln. Seit Männer und Frauen 1992 gemeinsam bei Winterspielen antreten, war die Ausbeute meist deutlich üppiger.

Halbzeit-Ziel klar verfehlt

Das Halbzeit-Ziel mit mehr Medaillen wurde deutlich verfehlt. „Ich glaube, dass wir sehr oft nah dran waren“, sagte Bitterling, „trotzdem war es sicher unser Ziel, neben dieser Mixed-Staffel-Medaille noch die eine oder andere Medaille im Sack zu haben. Das ist uns bis jetzt noch nicht gelungen.“ Die Mixed-Bronze bleibt damit der einzige zählbare Erfolg nach sieben von elf Wettkämpfen.

Vanessa Voigt als Vierte im Einzel und Philipp Nawrath als Fünfter erzielten die bislang besten Einzelresultate, doch reichte es nicht für das Podest. Die Hoffnung, dass der Staffel-Erfolg eine Initialzündung für die Einzelrennen sein würde, erfüllte sich nicht.

Schwierige Ausgangslage für verbleibende Rennen

Es bleiben noch vier Wettbewerbe, um die Bilanz aufzubessern. Weniger als zwei Olympia-Medaillen hat Deutschland im Biathlon noch nie gewonnen. Am Dienstag und Mittwoch stehen die Staffeln bei Männern und Frauen an, eigentlich will der Deutsche Skiverband dabei jeweils eine Medaille holen. Doch die Favoriten kommen aus Frankreich, Norwegen, Schweden und Italien.

„Das nächste Rennen ist unser Highlight, unsere Chance. Da wollen wir auf dem Podium stehen“, sagte Philipp Horn zur Männer-Staffel, die 2022 in Peking leer ausging. Im Vorjahr gab es dafür immerhin WM-Bronze. Um das wieder zu schaffen, müsse ein perfektes Rennen gelingen. „Verkrampftheit kann ich jetzt nicht erkennen“, sagte Bitterling zur aktuellen Team-Situation.

Bittere Erkenntnis: Selbst Top-Leistungen reichen nicht

Die ernüchternde Erkenntnis nach dem zweiten Olympia-Wochenende lautet: Selbst Top-Leistungen reichen nicht für das Podest, wenn die enorm starke internationale Konkurrenz nicht patzt. „Das ist kein schönes Gefühl. Aber ich weiß, dass es schnell wieder ganz anders aussehen kann“, sagte Horn.

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Immerhin gab es am Wochenende einen symbolischen Olympia-Erfolg: Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp freuten sich mit zwölf Jahren Verspätung über die nachträglich zugesprochenen Goldmedaillen von 2014. Russland war in einem jahrelangen Verfahren wegen Dopings disqualifiziert worden.

Ob ihre Nachfolger am Dienstag nachlegen können? „Für Gold muss alles passen. Aber ich glaube, dass für die Staffel etwas möglich ist“, sagte Peiffer, der mittlerweile als TV-Experte für die ARD arbeitet. Die Hoffnungen ruhen nun auf den letzten vier Rennen, um die enttäuschende Medaillen-Bilanz doch noch zu korrigieren.