Curling-Fieber bei Olympia: Traditioneller Hype in Cortina d'Ampezzo
Alle vier Jahre erlebt der Curlingsport auf der olympischen Bühne einen besonderen Hype - und auch bei den Winterspielen in Cortina d'Ampezzo in Italien ist es nicht anders. Aus der Nische auf die große Bühne: Mit Stadionatmosphäre, einem Eismeister als Internet-Star und der deutschen Mannschaft mittendrin entfaltet sich das traditionelle Olympia-Phänomen erneut in voller Pracht.
Deutsche Curler in der Arena der Dolomiten
Marc Muskatewitz, Kapitän der deutschen Curling-Männer, beschreibt die Atmosphäre in der rund 3.500 Zuschauer fassenden Arena in den Dolomiten als "mega". Viele Fans mit schwarz-rot-goldenen Fahnen tragen dazu bei, was die Mannschaft "extrem trägt" und voll aufsaugen kann. Für die Curler, die unter dem Jahr manchmal nur vor 30 bis 50 Zuschauern spielen, stellt diese Umgebung eine völlig andere Welt dar.
Soziale Medien im Curling-Fieber
Die sozialen Medien sind wieder einmal voll von kuriosen Curling-Videos:
- Kinderwagen werden sanft über vereiste Straßen geschubst
- Im Wohnzimmer wird mit Besen vor Staubsaugerrobotern gekehrt
- Die Sport-Welt befindet sich im typischen Olympia-Curling-Fieber
Die Stimmung in der Halle erinnert mitunter an ein Fußball-Stadion, besonders wenn die Gastgeber im Einsatz sind. Spieler animieren die Fans auf den Rängen zu lautstarker Unterstützung - was angesichts der hohen Konzentration, die dieser "Schach auf Eis" erfordert, nicht unumstritten ist.
Internationale Kontroversen und deutsche Chancen
Während des Turniers kam es zu hitzigen Momenten, etwa zwischen den Teams aus Schweden und Kanada. Die Skandinavier warfen dem Kanadier Marc Kennedy vor, den Stein verbotenerweise doppelt berührt zu haben, was zu ungewöhnlich derben Worten führte. Kapitän Muskatewitz sieht das Thema "Double-Touch" jedoch als nicht gänzlich neu an.
Zur Halbzeit der Vorrunde haben die deutschen Curler noch Chancen auf den Halbfinal-Einzug - ein großer Erfolg bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme seit zwölf Jahren. Am Montag treten sie gegen Titelverteidiger Schweden an und bestreiten bereits ihr sechstes Spiel in Norditalien.
Psychologische Vorbereitung und mentale Herausforderungen
Bundestrainer Uli Kapp ist "mächtig stolz" darauf, wie seine überwiegend junge Mannschaft die äußeren Umstände bei diesem Großereignis angenommen hat. Die Mannschaft bereitete sich mit Hilfe eines Sportpsychologen auf Olympia vor, um mit den weiten Wegen, dem medialen Interesse und dem erhöhten Lärmpegel in der Arena umgehen zu können.
Nach den Partien sind die Spieler teilweise "mental platt" und regelrecht "ausgelutscht", wie Trainer Kapp erklärt. Dies liegt nicht nur an der Geräuschkulisse, sondern vor allem an der sportlichen Leistung, die sie vollbringen müssen. Spiele wie das Drama gegen Italien, das in die Verlängerung ging, können bis zu drei Stunden dauern.
Moonwalk auf dem Eis: Der Eismeister als Star
Für die perfekte Präparierung des Eises und vor allem seiner Oberfläche sorgt in Cortina d'Ampezzo federführend Mark Callan. Der Schotte hat bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt: Wenn er Wasser verspritzt und mit kleinen Schritten rückwärts über die Bahn tippelt, erinnert dies an den legendären Moonwalk des 2009 gestorbenen US-Popstars Michael Jackson.
Kapitän Muskatewitz beschreibt seine Empfindungen nach dem knappen Sieg gegen Italien am vorigen Freitag: "Fast wie in der Disco" habe er sich gefühlt. "Dieses Dröhnen. Man kennt es ja: Wenn man feiern war, nach Hause kommt und alles noch schallt." Er benötigte zweieinhalb Stunden und reichlich frische Luft beim Spaziergang, ehe er weit nach Mitternacht ins Bett fallen konnte.
Der Eismeister als Publikumsliebling passt perfekt zum olympischen Curling-Hype, der alle vier Jahre die Winterspiele begleitet und den Sport aus seiner Nische holt. In Cortina d'Ampezzo zeigt sich erneut, wie Curling die Zuschauer in seinen Bann zieht - sowohl in der Arena als auch in den sozialen Medien.



