Emma Weiß: Die deutsche Aerials-Pionierin mit olympischem Familienerbe
Emma Weiß (26) aus Albstadt in Baden-Württemberg katapultiert sich mit atemberaubenden 55 bis 58 Stundenkilometern auf eine 76 Grad steile Schanze zu, um sich anschließend bis zu 15 Meter hoch in die Luft zu schleudern. In der Luft führt die deutsche Spitzenathletin dann mehrere Saltos und Schrauben aus – eine spektakuläre Flugshow, die unter dem Namen Aerials bekannt ist und bei den Olympischen Spielen ausgetragen wird.
Einzelkämpferin ohne nennenswerte Verbandsunterstützung
Obwohl Emma Weiß zur absoluten Weltspitze in ihrer Disziplin gehört, ist sie in Deutschland eine Einzelkämpferin. Vom Deutschen Skiverband (DSV) erhält sie kaum Unterstützung. „Sie zahlen ein wenig, aber sehr, sehr minimal. Es sind nicht mal zehn Prozent, die sie decken“, erklärt die Athletin. Eine komplette Wettkampfsaison kostet Weiß bis zu 70.000 Euro – für Trainingslager, Wettkampfreisen und Sponsorenakquise muss sie selbst aufkommen.
„Das ist teilweise schon sehr aufwendig und auch zehrend. Es ist Energie, die mir halt woanders fehlt“, gesteht Weiß. „Es ist eigentlich krass, dass ich mit den Bedingungen, die ich habe, da stehe, wo ich bin.“
Vater Armin Weiß: Vom Skiballett-Olympioniken zum Trainer
Eine entscheidende Stütze für Emma Weiß ist ihr Vater Armin (63). Seit dem vergangenen Sommer trainiert der ausgebildete Ballettpädagoge und Leiter einer Ballettschule seine Tochter. Der erfahrene Sportler war selbst 1992 bei den Olympischen Spielen in Albertville am Start – allerdings in einer heute fast vergessenen Disziplin: Skiballett.
Bei dieser Sportart, die von 1980 bis 2000 eine Wertungsdisziplin im Ski-Freestyle-Weltcup war und 1988 sowie 1992 bei Olympia getestet wurde, werden Techniken des Skifahrens mit Elementen aus Gymnastik und Eiskunstlauf kombiniert. „Die Sportart ist leider nicht olympisch geworden. Was jammerschade war. Es ist echt eine coole Sportart, die da verloren gegangen ist“, bedauert Emma Weiß.
Einzigartige Vater-Tochter-Symbiose im Training
Über die besondere Beziehung zu ihrem Vater sagt die Aerials-Athletin: „Die Verbindung zum Papa ist super wertvoll. Ohne ihn würde ich jetzt hier nicht stehen. Er kennt einfach meinen Körper am allerbesten und er kann so gut Körper lesen.“ Das Training der beiden besteht aus einer speziellen Mischung aus Ballett, Balanceübungen und Trampolintraining. Im Sommer trainiert Weiß zudem von einer Wasserschanze.
Olympia-Ziel: Platz unter den Top Sechs
Für die Olympischen Spiele hat Emma Weiß ein klares Ziel vor Augen: „Wenn ich in diesem Superfinale dabei bin, dann wäre das schon sehr gut. Und da kann dann echt alles passieren.“ Die Athletin zeigt sich zuversichtlich: „Ich bin auf einem Leistungspunkt wie noch nie. Ich bin sehr zuversichtlich und hoffe, dass ich das zeigen kann, was ich drauf habe.“
Mit ihrem Vater an ihrer Seite und trotz minimaler Verbandsunterstützung kämpft Emma Weiß als deutsche Einzelkämpferin in einer Sportart, die höchste Präzision und Mut erfordert – und tritt dabei in die Fußstapfen ihres Vaters, der selbst olympische Geschichte schrieb.



