FIS prüft neue Messmethoden nach Penis-Wirbel im Skispringen
FIS prüft neue Messmethoden nach Skisprung-Wirbel

Weltverband reagiert auf mögliche Manipulationen bei der Körpervermessung

Die Enthüllung der BILD-Zeitung sorgte international für Aufsehen: Im Skispringen könnte ein Schlupfloch bei der Körpervermessung existieren, das Athleten einen unfairen aerodynamischen Vorteil verschafft. Nach dem Anzug-Betrugsskandal bei der Weltmeisterschaft in Trondheim, bei dem manipulierte norwegische Sprunganzüge aufflogen, steht die Materialkontrolle im Fokus wie nie zuvor. Trotz verschärfter Regeln besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf.

Null-Toleranz-Politik und konkrete Verstöße

FIS-Chef-Materialkontrolleur Mathias Hafele aus Österreich fährt eine klare Linie: „Die Null-Toleranz-Linie“, betont er. Diese gilt auch bei Olympischen Spielen. Dort wurde unter anderem der österreichische Top-Springer und Vierschanzentournee-Sieger Daniel Tschofenig erwischt – sein Schuh war um vier Millimeter zu groß. Der sogenannte Penis-Wirbel wird dabei ernst genommen: Wie BILD Anfang Januar enthüllte, könnte durch ein vergrößertes Glied bei der einmaligen Körpervermessung per 3D-Scan zu Saisonbeginn mehr Anzugstoff erschummelt werden. Mehr Stoff bietet in der Luft einen deutlichen aerodynamischen Vorteil.

DSV-Sport-Boss Horst Hüttel erklärt: „Wir haben uns im Nachgang dieses Berichts auch mit unseren Ärzten unterhalten, ganz seriös. Sie haben gesagt, dass man durch eine Hyaluron-Spritze oder andere Maßnahmen etwas verändern könnte.“ Fakt ist: Die aktuelle Weichteil-Messmethode muss dringend überarbeitet werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Neue Messverfahren in der Entwicklung

Doch welche Alternativen gibt es? Hafele gegenüber BILD: „Wir arbeiten im Hintergrund bereits an Methoden, dass das schwierige Thema verbessert wird.“ Der Weltverband favorisiert dabei eine Knochen-Messung, auch in manueller Form. Das bedeutet, dass wie in früheren Zeiten markante Körperpunkte wie der Hüftknochen festgelegt und mit einem Maßband gearbeitet werden könnte. Auch eine Messung an der Außenseite ist möglich, wobei der Schritt dann prozentual hinzugerechnet würde. Dann lohnt es sich auch nicht mehr, den Penis zu vergrößern, so die Logik.

Für Hafele ist entscheidend: „Wir möchten bereits bis zur neuen Saison eine neue Messmethode eingeführt haben.“ Die FIS arbeitet eng mit den Nationen zusammen und stimmt sich mit dem medizinischen Komitee ab. Der Materialkontrolleur analysiert derzeit sämtliche auf dem Markt verfügbaren Möglichkeiten. Das erste Meeting für die kommende Saison findet im März beim Weltcup-Abschluss statt, in der FIS-Vollversammlung im Sommer wird dann abgestimmt.

Technologische Optionen und weitere Sicherheitsmaßnahmen

Nach BILD-Informationen wird auch über eine Röntgen-Methode nachgedacht. Die sogenannte DEXA-Methode (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry), die zur Messung von Knochendichte, Körperfettanteil und Muskelmasse eingesetzt wird, wäre eine weitere Option. „Da wird im Liegen gemessen. Auch das wäre möglich. Wir prüfen alle Optionen“, so Hafele. Sorgen vor Strahlen-Protesten der Athleten hat er nicht: „Im Flugzeug ist man größeren Strahlenmengen ausgesetzt“, erklärt der Schanzen-Sheriff.

Seine Arbeit wird von vielen Seiten gelobt. Skisprunglegende Sven Hannawald urteilt: „So fair wie aktuell war Skispringen noch nie in den letzten zehn Jahren.“ Wie BILD erfuhr, haben bereits einige Nationen angeregt, dass ab der kommenden Saison nach jedem Weltcup alle Sprunganzüge eingesammelt, verschlossen und erst zum nächsten Wettkampf wieder ausgeteilt werden. So könnten Manipulationen während der Saison ausgeschlossen werden. Ob sich die FIS darauf einlässt, ist jedoch fraglich – allein aus versicherungstechnischen Gründen erscheint dies kaum möglich. Letztlich trägt jeder Springer selbst die Verantwortung, dass bei ihm alles bis auf den letzten Millimeter regelkonform ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration