Katja Seizinger: Vom Ski-Olymp zur Stahlwerk-Chefin - Ein Jahrhunderttalent blickt zurück
Katja Seizinger: Vom Ski-Olymp zur Stahlwerk-Chefin

Katja Seizinger: Vom Ski-Olymp zur Stahlwerk-Chefin - Ein Jahrhunderttalent blickt zurück

In den 1990er Jahren war Katja Seizinger die unangefochtene Ski-Königin Deutschlands. Mit drei Olympia-Goldmedaillen, einem Weltmeistertitel, zwei Gesamtweltcups und 36 Weltcup-Siegen schrieb sie Sportgeschichte. Das Besondere: Sie stammt nicht aus den Bergen, sondern aus dem Ruhrgebiet, genauer aus Datteln, und wuchs später in Eberbach am Odenwald auf, wo sie am Katzenbuckel das Skifahren erlernte.

Die goldenen Jahre: Von Lillehammer bis Nagano

Ihr erster Olympiasieg 1994 in Lillehammer bleibt ihr besonders in Erinnerung - nicht nur wegen der Fabelzeit von 1:35,93 Minuten in der Abfahrt, sondern auch wegen eines kuriosen Moments. "Ich wäre fast zu spät zur Siegerehrung gekommen. Es wurde bereits nach mir gesucht", erinnert sich Seizinger lachend. Die Wahl der Startnummer 3, die ihr zum Sieg verhalf, war eine gemeinsame Entscheidung mit ihren Trainern Alois Glaner und Stephan Kurz, wie sie heute betont.

Vier Jahre später schrieb sie in Nagano erneut Geschichte: Als erste Skirennläuferin überhaupt gewann sie zum zweiten Mal in Folge Olympia-Gold in der Abfahrt. Damals bezeichnete sie Bundestrainer Wolfgang Maier als "Jahrhunderttalent". Seizinger bleibt bescheiden: "Jede Generation wird von großen Namen geprägt, und es ist schwierig, die Generationen miteinander zu vergleichen. Die Rahmenbedingungen der jeweiligen Ära dürfen nicht aus dem Auge verloren werden".

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Lillehammer: Ein magischer Ort

Obwohl sie 1998 auch Gold in der Kombination gewann, bleibt der Titel aus Lillehammer 1994 für sie der wertvollste - neben ihrem ersten Gesamtweltcup-Erfolg 1996, den sie ebenfalls in der norwegischen Stadt perfekt machte. "Die Atmosphäre war einmalig. Olympia war für die Norweger ein großes Volksfest, an dem sie die Welt teilhaben ließen", schwärmt die 53-Jährige.

Besonders in Erinnerung blieb ihr das deutsche Podest in der Kombination von Nagano, wo Martina Ertl und Hilde Gerg hinter ihr ins Ziel kamen. "Mein Traum war danach, mit beiden zum Heliskiing zu gehen. Leider hat sich noch keine Gelegenheit geboten, aber wir sind ja noch jung", lacht die zweifache Mutter.

Vom Rennstreifen ins Stahlwerk

Nach ihrer Karriere 1999 fand Seizinger einen völlig neuen Weg: Seit 2003 ist sie im familieneigenen Stahlkonzern tätig und heute Aufsichtsratsvorsitzende der Badischen Stahlwerke GmbH und der Südweststahl AG. "Ich bin Frühaufsteher und nutze den Morgen und Vormittag gerne für den Schreibtisch", beschreibt sie ihren heutigen Alltag.

Die einst als "weiblicher Klammer" bezeichnete Rennläuferin hat auch sportlich neue Leidenschaften entdeckt: "Ich bin ganz und gar aufs Pferd gekommen". Das Fallschirmspringen, bei dem sie einst ihren Mann Kai-Uwe Weber kennenlernte, hat sie dagegen aufgegeben.

Blick auf die Gegenwart und Zukunft

Heute verfolgt Seizinger den Skisport aus der Distanz. Über aktuelle Stars sagt sie: "Lindsey Vonn ist ein Phänomen. Mikaela Shiffrin das Maß aller Dinge, auch wenn sie in dieser Saison bisher nur im Slalom überzeugen konnte". Für die deutschen Hoffnungen Emma Aicher und Kira Weidle sieht sie gute Chancen bei den kommenden Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo.

Rückblickend ist sie mit ihrem Weg absolut zufrieden: "Ich habe auch heute nicht das Gefühl, etwas wegen des Leistungssports verpasst zu haben. Das Leben als Profisportler ist privilegiert. Man kann Erfahrungen und Erlebnisse sammeln, welche nicht jedem vergönnt sind". 2018 wurde sie für ihre Verdienste in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen - eine würdige Anerkennung für eine außergewöhnliche Karriere.

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