Erneutes Hundertstel-Pech: Lena Dürr verpasst Olympiamedaille im Riesenslalom
Die deutsche Skirennfahrerin Lena Dürr hat bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo erneut eine Medaille um Haaresbreite verpasst. Im Riesenslalom fehlten der 34-Jährigen vom SV Germering am Ende nur 0,19 Sekunden zu Edelmetall, nachdem sie im ersten Durchgang noch auf Platz zwei gelegen hatte. Statt einer Podestplatzierung landete sie schließlich auf Rang neun.
Zwischen Stolz und großer Enttäuschung
„Unglaublich. Kurz vor dem Ziel habe ich richtig gemerkt, wie ich den Ski abgestochen habe. Da bin ich fast echt gestanden“, beschrieb Dürr ihren verhängnisvollen Fehler im zweiten Lauf. Die Athletin, die zwischenzeitlich sogar die Bestzeit aufleuchten sah, verspürte nach dem Rennen eine Mischung aus „Stolz“ und „Riesenenttäuschung“. Besonders bitter: Bereits vor vier Jahren bei den Spielen in Peking war Dürr im Slalom vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen und hatte damals Gold um 0,19 Sekunden verpasst.
Während Dürr ihre Enttäuschung kaum verbergen konnte, feierte Italiens Comeback-Königin Federica Brignone ihren zweiten Olympiasieg bei den Heimspielen. Die 35-Jährige, die weniger als ein Jahr nach einer schweren Schien- und Wadenbeinverletzung zurückkehrte, verwies Sara Hector aus Schweden und Thea Louise Stjernesund aus Norwegen auf die Plätze zwei und drei. Das Duo verneigte sich im Zielbereich respektvoll vor der siegreichen Italienerin.
Wechselhafte Karriere mit vielen Höhen und Tiefen
Lena Dürrs Karriere verlief von Beginn an wechselhaft. Bereits im Februar 2008 debütierte die Tochter des früheren Skirennfahrers Peter Dürr im Weltcup und galt schnell als große Hoffnungsträgerin. Doch dem Druck schien sie jahrelang nicht gewachsen zu sein – sie erlebte mehr Enttäuschungen als Erfolge und wurde zwischenzeitlich sogar aus dem deutschen Elite-Kader gestrichen.
Die Münchnerin schloss sich vorübergehend einem Privatteam an und musste sich sowohl um ihr Material als auch ihre Finanzierung selbst kümmern – eine mental äußerst schwierige Phase. Der Durchbruch kam erst Ende 2021 mit ihrem ersten Weltcup-Podestplatz im finnischen Levi. Seitdem entwickelte sich Dürr zu einer der weltbesten Slalomfahrerinnen und schloss jede Saison seit 2022 unter den Top Fünf ab.
Hoffnungen ruhen nun auf der Paradedisziplin
Für Dürr wäre eine Olympia-Einzelmedaille vier Jahre nach Mannschafts-Silber in China der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere gewesen. Nun konzentriert sie sich voll auf ihren Slalom am Mittwoch, in dem sie 2023 WM-Dritte wurde. „Das war heute schon so ein kleiner Sieg für mich“, sagte sie nach dem Riesenslalom mit Blick auf ihre Rückkehr zur Wettkampfstärke nach schwächeren Weltcup-Wochen.
Ihre Teamkollegin Emma Aicher, die in Cortina bereits zweimal Silber gewonnen hatte, belegte im Riesenslalom Platz 19. Dürr selbst tastete sich erst nach und nach an den Riesenslalom heran – sechs Top-Ten-Plätze im Weltcup stehen in dieser Disziplin bisher für sie zu Buche. Ausgerechnet bei Olympia hätte sie nun fast ihr bestes Ergebnis eingefahren, doch stattdessen gab es das nächste Hundertstel-Drama.
„Es hat so Spaß gemacht, oh Mann“, hatte Dürr nach ihrem überraschend starken ersten Lauf noch geschwärmt und von einer „Genussfahrt“ bei strahlendem Sonnenschein vor der malerischen Kulisse der Dolomiten gesprochen. Im Finale wurde es dunkler – und die Schatten der Vergangenheit holten die deutsche Skirennfahrerin erneut ein.



